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Manchmal reicht ein einziger Moment, um ein ganzes Stadion zum Schweigen zu bringen. Für die 32.917 Zuschauer in der "Northern Lights Arena" von Minnesota war dieser Moment die 22. Minute: Alessio Sosti, der flinke Linksaußen der Atlanta Gorillas, nahm einen verunglückten Pass von Benjamin Oliphant dankend auf, zog aus halblinker Position ab - und traf eiskalt ins rechte Eck. 0:1. Das sollte es bleiben. Ein Tor, ein Stich ins Herz der Rowdies. Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen: Die Rowdies, offensiv eingestellt wie eh und je, spielten von Beginn an auf Angriff. Trainer Justin Moore hatte seine Elf im klaren 4-3-3 aufgestellt, mit Barre, Costinha und Long als Dreizack vorne. "Wir wollten früh draufgehen, die Gorillas gar nicht erst ins Spiel kommen lassen", erklärte Moore später mit einem Seufzer. Und tatsächlich: Nach sieben Minuten prüfte Louis Long Atlantas jungen Keeper Brandon Lithgow zum ersten Mal ernsthaft - ein strammer Schuss, den der 19-Jährige mit beeindruckender Coolness parierte. Doch Atlanta, unter der akribischen Leitung von Trainerin Anja Meister, zeigte sich unbeeindruckt. "Wir wussten, dass sie kommen würden wie ein Orkan. Wir haben uns einfach unter den Schirm gestellt", grinste Meister nach Abpfiff. Und ihr Plan ging auf: Statt in Schönheit zu sterben, verteidigten die Gorillas mit taktischer Disziplin und einer Prise rustikaler Aggressivität - drei Gelbe Karten inklusive, aber kein Gegentor. Das Spiel kippte in der 22. Minute. Ein schneller Gegenstoß über die rechte Seite, Noah Stanton schickte Sosti steil, der ließ Craven stehen und traf mit einem präzisen Schuss. Rowdies-Keeper Vincent Pere hechtete, streckte - und kam doch zu spät. Nur wenige Sekunden später brüllte der Gästeblock, während die Heimfans zwischen Fassungslosigkeit und höflichem Applaus schwankten. Danach rannte Minnesota an. Ballbesitz 54 Prozent, sieben Torschüsse - doch der Ball wollte einfach nicht rein. Besonders Javier Oliveira, der zentrale Mittelfeldmotor, verzweifelte: Sein Distanzschuss in der 55. Minute strich hauchdünn über die Latte. "Ich schwöre, der Ball war drin - zumindest in meinem Herzen", sagte Oliveira lachend, aber mit einem Hauch von Frust in der Stimme. In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel ruppiger. Evan O’Brien von Atlanta sah früh Gelb (46.), Archibald Bloomfield zog nach (57.), und spätestens als Louis Long in der 81. Minute ebenfalls verwarnt wurde, war klar: Geduld war an diesem Abend keine große Tugend. Der Schiedsrichter hatte alle Hände voll zu tun, während Gorillas-Verteidiger Miguel Manuel und Harrison Baker mit robustem Körpereinsatz für klare Verhältnisse sorgten - oder, wie ein Rowdies-Fan hinter mir rief: "Die spielen Rugby mit Lizenz!" Trotz allem blieben die Rowdies gefährlich. In der 83. Minute köpfte Innenverteidiger Benjamin Oliphant nach einer Ecke knapp vorbei - und prüfte so nicht nur den Puls der Fans, sondern auch die Nerven von Trainer Moore. "Ich dachte, ich hab ihn schon drinnen gesehen", murmelte Moore und vergrub sein Gesicht in den Händen. Atlanta wechselte in der 60. Minute gleich dreifach, brachte frische Beine und - kurioserweise - auch einen neuen Torwart: Der 18-jährige Jozef Moravcik ersetzte Lithgow. Eine mutige Entscheidung, die sich auszahlte. Moravcik blieb in den letzten 30 Minuten fehlerlos, parierte in der Nachspielzeit sogar einen gefährlichen Oliveira-Schuss. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft", gab der Jungkeeper zu - und grinste, als hätte er gerade die Weltmeisterschaft gewonnen. Am Ende stand ein schmales, aber verdientes 1:0 für die Gorillas. Statistisch gesehen war Minnesota besser, spielerisch aktiver, kämpferischer - aber eben auch glückloser. Atlanta dagegen spielte clever, lauerte auf Fehler und nutzte die eine große Chance. "Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind drei Punkte", bilanzierte Trainerin Meister trocken. Justin Moore hingegen suchte Trost in Galgenhumor: "Wir haben 54 Prozent Ballbesitz gehabt - vielleicht gibt’s dafür ja halbe Punkte?" Es war eines dieser Spiele, die zeigen, dass Fußball manchmal ungerecht ist. Oder, um es mit einem Fan zu sagen, der nach Abpfiff resigniert in sein Bier murmelte: "Wir hätten bis Mitternacht spielen können, und der Ball wär trotzdem nicht reingegangen." Vielleicht trifft das den Abend besser als jede Statistik. Die Rowdies spielten, die Gorillas gewannen - und irgendwo lacht Alessio Sosti immer noch über sein Tor des Tages. 02.10.643990 11:31 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts