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Major League | 4. Spieltag | 20.09.26 | Atlanta Gorillas - Miami Strikers 2:1 Dabei sah es zunächst so aus, als hätten die Gäste aus Miami den besseren Plan. Die Strikers besaßen 56,18 Prozent Ballbesitz, ließen den Ball geduldig durch die eigenen Reihen laufen und wirkten zwischenzeitlich so, als sei das Spielfeld eine sehr große Kaffeetafel. Nur: Fußball wird nicht nach gepflegten Ballbesitz-Minuten bezahlt. Atlanta begann deutlich zielstrebiger. Schon in der dritten Minute prüfte Garritt Knickerbacker den Gäste-Keeper Ernesto Capucho. Alessio Fiumefreddo und Vladimir Dubovsky folgten, Rafael Martins meldete ebenfalls früh Ansprüche an. Die Gorillas schossen insgesamt 17-mal auf das Tor, Miami kam gerade einmal auf drei Versuche. Die Gastgeber waren also offensiv wesentlich fleißiger - und zunächst trotzdem im Rückstand. Fußball bleibt eine Sportart, in der Mathematik regelmäßig beleidigt wird. In der 28. Minute schlug Miami zu. Mattias Ohlson traf nach Vorarbeit von Luis Jakob und brachte die Strikers mit 1:0 in Führung. Es war einer dieser Momente, in denen die angreifende Mannschaft plötzlich feststellt, dass ein Ball tatsächlich auch ins Tor gehen kann. Atlanta ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Martins hatte bereits mehrfach an Capuchos Nerven gekratzt, ehe er in der 42. Minute den Ausgleich erzielte. "Wir wollten nicht nervös werden", sagte Trainerin Anja Meister nach dem Spiel sinngemäß. "Das war allerdings leichter gesagt, als wenn man von außen zusieht und bei jedem Angriff innerlich den Möbelbestand reduziert." Die Gorillas gingen mit dem 1:1 in die Pause, obwohl sie den ersten Abschnitt mit größerem Nachdruck bestritten hatten. Nach dem Seitenwechsel blieb das Bild ähnlich: Miami hatte den Ball, Atlanta hatte die besseren Absichten. Zivojin Dordevic feuerte in der 50., 55. und 66. Minute auf das Tor, Knickerbacker blieb ebenfalls hartnäckig. Die Gastgeber spielten ausgewogen, aber mit ausgeprägter Schussfreude. Die taktische Vorgabe "aus allen Lagen" war nicht zu übersehen - und Capucho dürfte nach Abpfiff vermutlich kurz über eine berufliche Neuorientierung nachgedacht haben. In der 62. Minute reagierte Meister gleich dreifach. Aaron Greaves, Azar Carew und Paul Davonport kamen für Kai Haas, Tomas Baranek und Miguel Manuel. Greaves brachte sofort Schwung über die linke Seite und gab später selbst einen Torschuss ab. Atlanta erhöhte den Druck, ohne in kopflose Hektik zu verfallen. Die Zweikampfquote von 56,67 Prozent unterstrich, dass die Gorillas nicht nur den Ball, sondern auch die entscheidenden Duelle wollten. Als sich die Zuschauer bereits auf ein Unentschieden einzurichten begannen, kam die 93. Minute. Martins nahm eine Vorlage von Dordevic auf und traf zum 2:1. Der Jubel im Stadion war so laut, dass vermutlich selbst in Miami kurz jemand nach dem Rechten sah. "Ich dachte, der Abend sei schon vorbei", soll Martins danach lachend gesagt haben. "Dann kam Zivojin mit diesem Ball - und plötzlich war wieder sehr viel Zeit." War natürlich nicht. Schiedsrichterlich blieb nur noch ein kurzer Rest Spannung. Atlanta brachte den Vorsprung über die letzten Sekunden und feierte einen Sieg, der wegen der Chancenverteilung verdient war. Miami hatte mehr Ballbesitz, Atlanta aber mehr Mut, mehr Abschlüsse und am Ende den entscheidenden Martins. Für die Strikers bleibt die Erkenntnis: Wer den Ball länger hat, muss ihn gelegentlich auch in die gefährliche Gegend bringen. ━ 21.09.2026 05:50 |
Sprücheklopfer
Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist das noch lange nicht!
Rudi Völler