// Startseite
| Dagbladet Sport |
| +++ Sportzeitung für Dänemark +++ |
|
|
|
Ein kalter Januarbend, Flutlicht über dem Viborg Stadion, 21.928 Zuschauer, die sich die Hände an Pappbechern mit Kakao wärmen - und ein Spiel, das anfangs so zäh war wie der dänische Winter selbst. Doch am Ende jubelte Viborg IF über ein 1:0 gegen Brabrand BK, das weniger mit spielerischer Brillanz als mit Nervenstärke und einem Hauch Glück zu tun hatte. Schon in der ersten Minute wollte Viborgs Mittelfeldroutinier Pekka Vuorinen offenbar den Rekord für den frühesten Torschuss des Spieltags brechen. Sein Versuch - ein strammer, aber zentraler Schuss - landete sicher in den Armen von Brabrands Keeper Gerd Lund. Zwei Minuten später probierte er’s gleich nochmal. "Ich dachte, beim zweiten Mal überrascht er sich selbst", grinste Viborg-Trainer Benni Trolli später. Doch Brabrand hatte den deutlich lebhafteren Start. Patrik Balcarek auf links und Fernando Arrondo in der Mitte prüften Viborgs Torwart Jan Toft gleich mehrfach zwischen der vierten und neunten Minute. Toft reagierte so sicher, als hätte er den Ball magnetisch angezogen. "Ich schwöre, ich hab’ das Ding gar nicht gesehen - ich hab’ nur gehofft, dass er mich trifft", scherzte der Keeper nach Abpfiff. Die erste Halbzeit war ein offener Schlagabtausch: zwölf Torschüsse für Viborg, siebzehn für Brabrand, und doch kein Tor. Das Spiel wogte hin und her, aber beide Teams wirkten, als wollten sie lieber das nächste Tor verhindern als selbst eines erzielen. Brabrands Trainer Kersten Rittner tobte an der Seitenlinie: "Wir hatten Chancen für zwei Spiele! Aber wenn man den Ball immer genau dahin schießt, wo der Torwart steht, dann gibt’s halt kein Tor." Nach der Pause kam Bewegung rein - zunächst auf der Bank: Brabrand wechselte in der 46. Minute den Torhüter. Cameron Warrington ersetzte Lund, offenbar wegen einer leichten Blessur. Kaum war der neue Mann warmgelaufen, zappelte der Ball schon im Netz - allerdings auf der falschen Seite. In der 54. Minute setzte Viborgs Rechtsaußen Hjalmar Sogaard zu einem unwiderstehlichen Sprint an, überlief seinen Gegenspieler und legte mustergültig quer. Felipe Gomez, der zuvor kaum in Erscheinung getreten war, schob den Ball eiskalt ins rechte Eck - 1:0! Jubel, Rauchfackeln, und eine Welle der Erleichterung über die Tribünen. Gomez riss die Arme hoch und rief Richtung Ersatzbank: "Endlich mal einer drin!" Von da an wurde Brabrand wütend - und gefährlich. Der 17-jährige Bent Berthelsen, gerade erst eingewechselt, sorgte auf der rechten Seite für frischen Wind und gleich drei Torschüsse (67., 87., 91. Minute). Einer davon rauschte haarscharf am Pfosten vorbei, ein anderer wurde von Toft spektakulär pariert. "Ich bin 17, da darf man noch daneben schießen", meinte Berthelsen nach dem Spiel mit einem Grinsen, das selbst die Niederlage nicht trübte. Viborg dagegen zog sich zurück, spielte kontrolliert, fast stoisch. Benni Trolli an der Seitenlinie wirkte wie ein Mann, der innerlich schon die Sekunden herunterzählte. "Ich hab’ den Jungs gesagt: Wenn ihr den Ball verliert, verliert ihr auch meine gute Laune", sagte er später augenzwinkernd. Statistisch gesehen war’s ein Spiel auf Augenhöhe: 50,2 Prozent Ballbesitz für Viborg, 49,8 für Brabrand. Die Gäste hatten mehr Abschlüsse (17:12), wirkten aber zunehmend ratlos. In der Nachspielzeit verzweifelte Predrag Dordevic mit einem wuchtigen Schuss aus 20 Metern an Toft - sinnbildlich für Brabrands Abend. Nach dem Schlusspfiff war die Stimmung geteilt. Viborgs Fans feierten, Brabrands Spieler sanken auf den Rasen. "Das war ein klassischer Fall von: einer macht ihn rein, der andere nicht", fasste Rittner trocken zusammen. Und tatsächlich: Viborg nutzte die eine echte Chance des Spiels - Brabrand alle anderen nicht. Viborgs Matchwinner Gomez wurde nach Abpfiff noch lange von Fans gefeiert. Auf die Frage, was ihm beim Tor durch den Kopf ging, sagte er: "Eigentlich wollte ich querlegen - aber dann dachte ich, ach komm, probier’s mal." Ein knapper, glanzloser, aber immens wichtiger Sieg für Viborg IF, der sie in der Tabelle weiter oben hält. Und für Brabrand bleibt das ungute Gefühl, ein Spiel verloren zu haben, das sie eigentlich hätten gewinnen müssen. Oder wie es der Stadionsprecher nach dem Abpfiff leicht sarkastisch zusammenfasste: "Ein schöner Abend für Viborg - und ein Lehrfilm in Effizienz für Brabrand." 15.08.643987 11:58 |
Sprücheklopfer
Lorant ist von seinem Niveau her bei einem Verein, der sein Niveau hat.
Oliver Kahn