Anpfiff
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Godesberg jubelt: Jungspunde zähmen das Allgäuer Donnerwetter

Manchmal sind es die Spiele, bei denen man schon nach zehn Minuten weiß, dass der Reporterblock heute nicht früh Feierabend machen darf. Der FC Godesberg empfing am Montagabend vor 12.435 Zuschauern den TSV Weiler im Allgäu, und was als gemächlicher 8.-Spieltag der 3. Liga begann, endete als munteres Lehrstück in Sachen jugendlicher Unbekümmertheit und altmodischem Zittern. Am Ende stand ein 2:1 für die Hausherren - ein Ergebnis, das knapper klingt, als es lange war, aber genau deshalb so viel Gesprächsstoff liefert.

Schon in der 9. Minute brachte der 19-jährige Avi Katzaw die Godesberger in Führung. Nach einem butterweichen Zuspiel von Ezequiel Bermudez zog der junge Israeli trocken ab - und während der Ball noch in der Luft war, rief Trainer Rafael Nadal (nein, nicht der mit dem Tennisschläger, aber ähnlich ehrgeizig) schon "¡Golazo!". Katzaw grinste später: "Ich hab den Ball gar nicht richtig getroffen. Vielleicht war das das Geheimnis."

Weiler im Allgäu, trainiert von Mino Raiola - dessen Temperament man eher aus den Transferverhandlungen als von der Seitenlinie kennt - reagierte zunächst ordentlich. Zwei frühe Chancen durch Felipe Gama und Asen Todorow zwangen Godesbergs Keeper Tamas Mandi zu artistischen Einlagen. Doch dann kam Minute 26: Innenverteidiger Robert Gresko, 19 Jahre jung, stieg nach einer Ecke von - natürlich - Bermudez am höchsten und köpfte das 2:0. "Ich wollte eigentlich nur blocken", lachte Gresko nach Abpfiff, "aber der Ball hat sich wohl für mich entschieden."

Zur Pause sah alles nach einem ruhigen Abend für die Gastgeber aus. 57 Prozent Ballbesitz, zehn Torschüsse - die Statistik war so ausgeglichen wie der Rasen gepflegt. Doch wer Godesberg kennt, weiß: Sie können keine langweiligen Siege.

Nach dem Seitenwechsel drehte Weiler auf. Trainer Raiola brachte gleich drei Neue in der 60. Minute - darunter Linus Berger, der prompt nur eine Minute später traf. Sein wuchtiger Linksschuss nach Vorarbeit von Vlado Horvat zappelte unhaltbar im Netz. Die Godesberger Hintermannschaft schaute einander an, als hätte jemand das Drehbuch vertauscht. "Wir waren kurz im falschen Film", seufzte Kapitän Volker Lange, der mit 34 Jahren eher die väterliche Ruhe im Mittelfeld verkörpert.

Von da an wurde es wild. Weiler drückte, schoss, rannte - insgesamt zwölf Mal zielten sie aufs Tor, aber meist landete der Ball irgendwo zwischen Tribüne und Fangnetz. Linus Berger probierte es gleich dreimal hintereinander (61., 62., 63. Minute), doch Mandi hielt, was zu halten war - und was nicht, klärte Gresko mit der Brust, dem Knie oder schlicht Glück.

Rafael Nadal gestikulierte mittlerweile wie bei einem Fünf-Satz-Match in Wimbledon. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen ruhig bleiben. Sie haben mich dann gefragt, wie man das schreibt", grinste er später. Derweil machte Jaroslav Janota seinem Namen in der 79. Minute alle Ehre, indem er sich eine gelbe Karte für einen beherzten Tritt an der Mittellinie abholte. "Ich wollte nur den Ball. Leider war der Ball schneller", kommentierte der 18-Jährige mit entwaffnender Ehrlichkeit.

In den Schlussminuten wurde es noch einmal hitzig. Gheorghe Vladoiu prüfte in der 92. Minute den Weiler-Keeper Hanns Peter mit einem strammen Schuss, der die Latte zittern ließ, während auf der anderen Seite ein letzter Versuch von Robin Born knapp vorbeirauschte. Dann pfiff der Schiedsrichter ab - und Godesberg atmete hörbar aus.

Die Fans feierten ihre jugendliche Elf, die mit einem Altersdurchschnitt von knapp 21 Jahren wieder einmal bewiesen hatte, dass Mut und Spielfreude mehr zählen als Routine. "Wenn sie so weitermachen, müssen wir bald die Stadionkasse aufschließen, um das ganze Konfetti wegzuräumen", witzelte ein Ordner beim Abgang.

Weiler hingegen trat enttäuscht, aber nicht gebrochen die Rückreise an. "Wir haben alles versucht, aber die Jungs aus Godesberg haben einfach früher gezündet", meinte Trainer Raiola, bevor er ins Mannschaftsbus-Mikro nuschelte: "Und nächstes Mal zünden wir zuerst."

So bleibt ein Abend, an dem Godesberg sich mit jugendlichem Übermut drei Punkte sicherte, während Weiler trotz kämpferischer Vorstellung leer ausging. Fußballromantik in Reinform - mit einem Hauch Slapstick, einer Prise Drama und einem Trainer, der vielleicht doch lieber mal wieder den Tennisschläger in die Hand nehmen sollte.

Oder, um es mit Kapitän Lange zu sagen: "Wir sind jung, wir machen Fehler, aber wenigstens machen wir sie mit Stil."

31.01.643994 12:45
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Vieles was darin geschrieben wurde, ist auch wahr.
Werner Lorant über sein Buch 'Eine beinharte Story'
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager