// Startseite
| US Sports |
| +++ Sportzeitung für USA +++ |
|
|
|
Die 53.330 Zuschauer im sonnendurchfluteten "CapoDome" von Los Angeles hatten kaum Platz genommen, da war die Messe eigentlich schon gelesen. Drei Minuten waren gespielt, als Tyler Ashton mit einem frechen Außenrist die Western Pioneers früh in die Realität des Abends zurückkatapultierte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber Tyler hat einfach weitergemacht", grinste Goats-Trainer Liam Capo nach dem Spiel - halb stolz, halb ungläubig. Die Los Angeles Goats, ohnehin bekannt für ihr ungestümes Auftreten, legten eine erste Halbzeit hin, die irgendwo zwischen kontrollierter Offensive und Dauerpressing lag. 52,7 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse - und das Gefühl, dass sie jederzeit noch einen Gang höher schalten könnten. Die Pioneers hingegen wirkten, als stünden sie auf einer Sightseeing-Tour durch Downtown L.A., nicht auf einem Fußballfeld. Zwei kümmerliche Abschlüsse, keiner davon gefährlich - das ist in der 1. Liga USA schlicht zu wenig. Der frühe Treffer von Ashton - vorbereitet von Innenverteidiger Pedro Bosingwa, der offenbar beschlossen hatte, seine Rolle kreativ auszulegen - brachte Struktur ins Spiel der Goats. Während Capo wild gestikulierend an der Seitenlinie agierte ("Er sieht aus, als würde er einen Jet einweisen", witzelte ein Fan hinter der Pressetribüne), versuchten die Gäste aus dem Westen, ihre Ordnung zu finden. Vergeblich. Zur Pause stand es "nur" 1:0, doch die Körpersprache sprach Bände: Die Pioneers waren platt, die Goats hungrig. "Wir wollten sie laufen lassen, bis sie keine Lust mehr haben", erklärte Mittelfeldmotor David Santarossa mit einem Lächeln, das andeutete, dass genau dieser Plan aufging. In der 62. Minute folgte dann, was man wohl als symbolisches Eigentor des kollektiven Verteidigungswillens der Gäste bezeichnen darf. Wieder Bosingwa, diesmal im Strafraum der Pioneers, nach feiner Vorlage von Santarossa. Der Innenverteidiger, der bereits früh Gelb gesehen hatte, jubelte, als hätte er gerade den Meistertitel klargemacht. "Ich sollte öfter vorne bleiben", scherzte er später - Capo hingegen rollte nur die Augen. Sechs Minuten später durfte dann auch Asen Boschinow ran. Der wendige Linksaußen schlenzte den Ball nach Vorarbeit von Ashton ins lange Eck - 3:0, Deckel drauf. Spätestens da war das Stadion ein einziges Pfeif- und Jubelkonzert (die Pioniere wurden gepfiffen, die Goats bejubelt, die Mischung war eigenwillig). In der 77. Minute wiederholte sich die Szene, nur mit vertauschten Rollen: Boschinow flankte, Ashton köpfte, 4:0. Eine Choreographie, wie aus dem Lehrbuch - und der letzte Beweis, dass hier zwei Teams mit völlig unterschiedlicher Tagesform auf dem Rasen standen. Western-Coach Walter White, sonst ein Mann klarer Worte, wirkte nach Spielende erstaunlich ruhig: "Wir waren heute nicht da. Vielleicht ist der Jetlag schuld, vielleicht auch einfach die Goats." Eine ehrliche Analyse, die allerdings kaum trösten dürfte, denn sein Team wirkte über 90 Minuten wie ein Statist im falschen Film. Der junge Keeper Kevin Trapp (nein, nicht jener aus Frankfurt, wie er lachend betonte) verhinderte mit mehreren Paraden Schlimmeres. "Vier Tore? Da hätte es auch sieben geben können", meinte er trocken. Und tatsächlich: Zwischen der 75. und 92. Minute feuerten die Goats noch viermal aufs Tor - Laurent Astruc durfte gleich dreimal draufhalten, allerdings ohne Fortune. Statistisch gesehen war das Spiel beinahe ausgeglichen - zumindest auf dem Papier. Doch Zahlen lügen bekanntlich: 52,7 Prozent Ballbesitz für L.A., 47,3 für die Pioneers, klingt enger, als es war. Die Goats gewannen 56,8 Prozent ihrer Zweikämpfe, ein Wert, der ihre Dominanz besser beschreibt. Als der Schlusspfiff ertönte, standen die Pioneers ratlos im Mittelkreis, während die Goats mit der Kurve feierten. Coach Capo fasste es so zusammen: "Wenn du merkst, dass du Spaß hast und der Gegner nicht - dann weißt du, du machst was richtig." Ein Satz, den man sich merken kann. Und einer, der nach diesem 4:0 wohl noch länger im sonnigen Los Angeles nachhallt - zumindest bis zum nächsten Spieltag, wenn die Goats beweisen müssen, dass das kein einmaliger Showabend war. Oder, wie ein Fan in der dritten Reihe rief, als Ashton zum zweiten Mal traf: "Goats don’t play - they perform!" Und an diesem Abend performten sie tatsächlich. 07.10.643993 23:55 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: