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Die Los Angeles Goats haben am Montagabend eindrucksvoll bewiesen, dass sie nicht nur wegen ihres Namens zu den "Greatest of All Time" gehören könnten. Mit einem klaren 3:0 bei den Maryland Monarchs zeigte das Team von Trainer Liam Capo eine Mischung aus Geduld, Kaltschnäuzigkeit und, ja, einer Prise kalifornischer Lässigkeit. 36.000 Zuschauer im Monarchs Park sahen ein Spiel, das in der ersten Hälfte eher ein Schachduell war, sich dann aber in ein Lehrstück über Effektivität verwandelte. Die Gastgeber starteten engagiert: Schon in der zweiten Minute prüfte Archie Dennehy den Goats-Keeper - der allerdings bereits in der dritten Minute verletzt ausgewechselt werden musste. William Ackland, 23 und mit jugendlicher Coolness gesegnet, kam zwischen die Pfosten und erlebte einen fast perfekten Abend. "Ich war noch nicht mal richtig warmgelaufen, da flog mir schon der erste Ball um die Ohren", grinste Ackland später. "Aber dann lief’s - und das Tor blieb sauber." Nach einer zähen ersten Hälfte, in der beide Teams je etwa die Hälfte des Ballbesitzes beanspruchten (49,9 % für Maryland, 50,1 % für Los Angeles), kam Bewegung in die Sache - und zwar genau zum richtigen Zeitpunkt für die Gäste. 47. Minute: Tyler Ashton, der flinke Rechtsaußen der Goats, nutzte den ersten echten Moment der Unordnung in der Monarchs-Abwehr. Nach feiner Vorarbeit von Asen Boschinow knallte er das Leder kompromisslos ins rechte Eck. 1:0. Das Stadion verstummte, und Trainer Capo ballte an der Seitenlinie lediglich kurz die Faust. "Wir hatten das Gefühl, dass sie müde wurden", erklärte er später. "Da mussten wir nur noch anklopfen - und die Tür ging auf." Zehn Minuten später legte Caio Moutinho nach. Der 24-jährige Mittelfeldmotor zog nach einem Doppelpass mit Peter Borbely trocken aus 20 Metern ab - 2:0. Ein Tor, das in seiner Schlichtheit und Präzision fast poetisch wirkte. "Ich wollte einfach den Ball treffen", sagte Moutinho lachend. "Und diesmal hat er mich gemocht." Die Monarchs versuchten, sich zurückzukämpfen. Adam Young hatte zwischen der 52. und 65. Minute gleich drei gute Chancen, doch entweder stand Ackland im Weg oder das Aluminium. Trainer der Monarchs, der sich nach dem Spiel nur mit einem ironischen "No comment" äußern wollte, schien die Szene in der 65. Minute besonders zu wurmen: Youngs Schuss klatschte an die Latte, der Nachschuss von Curt Miller landete in den Armen des Keepers. Dann kam die 76. Minute und mit ihr das Drama um Levi Itzik. Der Innenverteidiger der Goats hatte bereits Gelb gesehen, legte sich dann im Mittelfeld mit Adam Young an - der Zweikampf war überflüssig wie ein dritter Pfosten. Schiedsrichter zeigte Gelb-Rot, und Capo tobte kurz, um dann süffisant zu sagen: "Levi wollte wohl früher duschen." Aber selbst in Unterzahl blieben die Goats gefährlich. In der 86. Minute setzte Jacob Lockhart den Schlusspunkt. Wieder kam die Vorlage von Boschinow, der an diesem Abend an zwei Toren beteiligt war. Lockhart schob den Ball lässig ein - 3:0, Deckel drauf, Feierabend. Die Monarchs hingegen wirkten in dieser Phase ratlos. Zwei späte Gelbe Karten für Moreno (78.) und Latham (79.) zeigten, dass Frust den Platz übernommen hatte. "Wir haben sie eingeladen, uns auszukontern", sagte Monarchs-Mittelfeldspieler Jordan Angelow später. "Und sie haben höflich angenommen." Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen - 12 Torschüsse der Goats, 7 der Monarchs. Doch die Effizienz machte den Unterschied. Während die einen "SURE" spielen wollten, also nur bei klaren Chancen schießen, hielten sich die anderen an ihr Motto "ANYTIME" - und trafen prompt. Am Ende applaudierten selbst einige heimische Fans den Gästen. Vielleicht aus Respekt, vielleicht aus Erleichterung, dass es vorbei war. Trainer Capo hatte jedenfalls seinen Spaß: "Wenn wir so weitermachen, brauchen wir bald ein größeres Flugzeug für all die Punkte, die wir mit nach Hause nehmen." Die Monarchs dagegen müssen sich fragen, wo ihre einstige Heimstärke geblieben ist. Drei Spiele ohne Sieg, kein Tor am Abend - das schmeckt bitter. Doch wer weiß, vielleicht war dieses 0:3 ja der Weckruf, den sie brauchten. Oder, wie ein alter Fan beim Rausgehen murmelte: "Manchmal musst du erst verlieren, um wieder zu wissen, wie man kämpft." - Nur schade, dass das Kämpfen an diesem Abend fast ausschließlich in Gelb endete. 03.07.643990 17:26 |
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Kameradschaft ist, wenn der Kamerad schafft.
Mehmet Scholl