// Startseite
| US Sports |
| +++ Sportzeitung für USA +++ |
|
|
|
Die Sonne über Kalifornien stand tief, als 57.256 Zuschauer im "GoatDome" am 14. Spieltag der 1. Liga USA einen jener Abende erlebten, an denen Fußball plötzlich einfach aussieht. Die Los Angeles Goats überrollten die Cleveland Cavaliers mit 3:0 (2:0) - und das, obwohl sie ab der 67. Minute in Unterzahl spielten. Trainer Alex Rosin von den Gästen meinte nach dem Spiel trocken: "Wir haben wohl den Ziegenstall mit einem Streichelzoo verwechselt." Von Beginn an machten die Goats klar, wer hier die Hörner aufhat. Gerade elf Minuten waren gespielt, da zog Mittelfeldmotor Peter Borbely nach einer Ecke von Innenverteidiger Pedro Bosingwa ab und traf - natürlich durch die Beine eines verdutzten Cavaliers-Verteidigers. Der Jubel war laut, und selbst die Stadionkatze, die sich regelmäßig auf der Trainerbank sonnt, soll vor Schreck davongelaufen sein. "Ich hatte das Gefühl, der Ball hat mich selbst überrascht", grinste Borbely später, "aber gut, Überraschungen sind immer die besten Geschenke." Cleveland versuchte es in der Folge mit Offensivdrang, vor allem über Filipe Miguel und Isaac Marshal. Doch die Schüsse der Cavaliers blieben harmlos - sechs Mal aufs Tor, nie wirklich gefährlich. "60 Prozent Ballbesitz? Eher 60 Prozent Zeit, in der wir uns sortieren mussten", spottete Goats-Keeper William Ackland, der kaum ins Schwitzen kam. Die Goats dagegen schossen 17 Mal auf das gegnerische Tor, und einer dieser Versuche in der 33. Minute war wieder erfolgreich: Wilhelm Singer vollendete eine mustergültige Flanke von Peter Neubauer zum 2:0. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch - oder wie Singer es nannte: "Einfach mal draufhalten, wenn’s läuft." Nach der Pause veränderte sich das Bild kaum. Die Cavaliers liefen, die Goats ließen laufen. Cleveland-Trainer Rosin gestikulierte wild an der Seitenlinie, als wolle er die Physik neu erfinden. Kurz nach der Stunde wurde es dann hitzig: Goats-Verteidiger David Coelho, bereits verwarnt, grätschte ungestüm - Gelb-Rot in der 67. Minute. "Ich wollte eigentlich nur den Ball treffen", verteidigte sich Coelho, "der Ball wollte aber offensichtlich nicht." Ironischerweise fiel nur zwei Minuten später das 3:0 - in Unterzahl. Jacob Lockhart, der schon zuvor wie ein Stier über den linken Flügel gewütet hatte, nutzte einen feinen Pass von Bosingwa und schob eiskalt ein. Die Fans tanzten, Lockhart deutete auf die Tribüne, wo ein Transparent hing: "Ziegen sind keine Angsthasen!" Treffender hätte man den Abend nicht zusammenfassen können. Cleveland bekam danach noch eine Schrecksekunde, als Georges Bellegarde nach einem Sprint verletzt vom Platz musste. Ersatzmann Humberto Estevez kam, doch auch er konnte das Spiel nicht drehen. Der Schlusspunkt war eine gelbe Karte für Slawa Sidelnikow in der Nachspielzeit - sinnbildlich für den Frust der Gäste, die mit ihren offensiven Ambitionen an den eigenen Nerven scheiterten. Statistisch war alles klar: 60,5 Prozent Ballbesitz für Los Angeles, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 17 Schüsse aufs Tor - kurz gesagt, eine Machtdemonstration. "Wir haben heute gezeigt, dass wir auch mit einem Mann weniger Spaß am Spiel haben", meinte Goats-Coach nach dem Abpfiff mit einem verschmitzten Lächeln. "Vielleicht sollte ich öfter jemanden runterstellen lassen - das motiviert offenbar." In der Mixed Zone herrschte entsprechend gute Laune. Lockhart, Torschütze zum 3:0, wurde von Reportern umringt. "Ich dachte, wir spielen Eishockey - so viel Platz hatte ich", lachte er. Auf die Frage, ob er das dritte Tor geplant habe, zwinkerte er: "Natürlich. Ich plane alles. Sogar meinen Kaffee am Morgen." Für die Cavaliers bleibt dagegen nur die Erkenntnis, dass Offensive allein keine Punkte bringt. "Wir wollten mutig sein", sagte Rosin, "aber Mut ohne Präzision ist wie ein Cabrio im Regen." Treffend formuliert - denn während die Goats jubelten, saßen die Cavaliers pitschnass im kalifornischen Abend und fragten sich, wie man gegen ein Team verliert, das am Ende sogar weniger Spieler auf dem Feld hatte. Fazit: Die Goats bleiben das Team der Stunde. Diszipliniert, effektiv und mit jener Portion Selbstironie, die man in Los Angeles offenbar im Trinkwasser hat. Cleveland hingegen muss aufpassen, dass aus spielerischem Übermut keine Dauerkrise wird. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions rief: "Wenn die Ziegen so weitermachen, wird hier bald gemäht - und zwar alles!" 18.06.643987 20:40 |
Sprücheklopfer
Weisweiler und Happel sind tot, Hitzfeld ist bei den Bayern. RWO hat den besten Trainer, den man kriegen kann.
Aleksandar Ristic zur Trainerdiskussion in Oberhausen.