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Ein lauer Abend, 55.167 Zuschauer, ein Rasen, der nach Neuanfang roch - und sechs Tore, die nach Spektakel schmeckten. Die Los Angeles Goats besiegten die London Stars am 10. Spieltag der "1. Liga USA" mit 4:2 (2:1), und wer zu spät kam, hatte schon das erste Feuerwerk verpasst. Bereits in der 14. Minute zündete Laurent Astruc den ersten Knaller. Nach einem sehenswerten Pass von Potap Mylnikow nahm der rechte Mittelfeldspieler Maß - zack, drin! "Ich hab nur gehofft, der Ball küsst das Tornetz und nicht den Parkplatz", grinste Astruc später. Seine Hoffnung wurde erhört. Die Goats wirkten von Beginn an gallig. Mit 56,7 Prozent Ballbesitz und 17 Torschüssen machten sie schnell klar, dass sie nicht zum Streicheln da waren. Trainer Friedel Friese hatte seine Mannschaft auf "Offensive mit starkem Pressing zum Schluss" eingestellt - eine Taktik, die eher wie ein Versprechen klang als wie ein Plan. Doch die London Stars hielten dagegen. Ryan Lujan, der Mittelstürmer mit der Eleganz eines britischen Gentleman-Ganoven, traf in der 30. Minute nach Vorlage des jungen Freddie Hunt. "Ich dachte, der Ball sei schon weg", sagte Hunt, "aber Ryan hat ihn einfach gestohlen und in die Ecke gelegt." 1:1 - und das Stadion murmelte nervös. Nicht lange. Nur sieben Minuten später wieder Astruc, wieder Präzision, diesmal nach Vorarbeit von Peter Neubauer. Friese riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Lottozahlen gezogen. "Laurent war heute unser Metronom", lobte er später. "Immer im Takt, immer gefährlich." 2:1 zur Pause - die Goats hatten mehr vom Spiel, aber London blieb mit 15 Torschüssen brandgefährlich. Nach dem Seitenwechsel wurde es turbulent. In der 56. Minute glich William Cunningham aus - ein satter Schuss nach feiner Flanke von Linksverteidiger Jay Warriner. Gästecoach Jacqueline Star klatschte, als hätte sie gerade das Wembley-Finale gewonnen. "Wir wollten über die Flügel kommen - und siehe da, es hat funktioniert." Doch kaum hatte sie den Satz beendet, klingelte es wieder im eigenen Kasten. Nur vier Minuten später zog Harvey Greaves, eigentlich Rechtsverteidiger, einfach mal ab - und traf. Vorlage von Jacob Lockhart, der auf links den Turbo zündete. "Ich dachte, warum nicht?", sagte Greaves hinterher. "Schlimmstenfalls trifft’s den Balljungen." Tat es nicht. 3:2. Die Stars versuchten, durch frische Kräfte das Spiel zu drehen. Buffet raus, Patton rein (65.), Lockhart runter, Corraface rauf (73.), später durfte noch der 19-jährige Ewan Corey ran. Doch die Goats hatten Blut gerochen. In der 76. Minute machte Peter Neubauer den Deckel drauf - wiederum nach Vorlage von Lockhart, der an diesem Abend mehr Meter machte als ein Marathonläufer im Vollsprint. 4:2, das Stadion bebte. "Wir wollten zeigen, dass Ziegen auch fliegen können", witzelte Friese nach Schlusspfiff. Jacqueline Star blieb gelassen: "Vier Gegentore sind nie schön, aber wenigstens war’s kein langweiliges 0:0." Die Zuschauer bekamen, was sie wollten: Tore, Tempo, Theater. Der Ersatzkeeper Charles Willoughby durfte in der Nachspielzeit noch kurz ran - vermutlich, um die Statistik zu verschönern. Und Greger Brun, der sich 89 Minuten lang die Seele aus dem Leib geackert hatte, bekam den verdienten Applaus bei seiner Auswechslung. Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen: 17:15 Torschüsse, Zweikampfquote knapp 51 zu 49 Prozent. Doch wer den Goats zusah, spürte, dass sie an diesem Abend einfach den größeren Willen hatten - und vielleicht die bessere Laune. "Wir haben uns vorgenommen, Spaß zu haben", sagte Doppeltorschütze Astruc augenzwinkernd. "Und wenn man Spaß hat, trifft man auch das Tor." Ein Satz, den man sich merken sollte - nicht nur im Fußball. Schlusswort? Nun gut: Die Goats haben gezeigt, dass man mit Hörnern Tore schießen kann. Die Stars dagegen müssen sich fragen, ob Glanz allein reicht, wenn der Gegner grast wie ein Berserker. In jedem Fall: ein Abend, der noch lange nachhallt - irgendwo zwischen Hollywood und Hintertorlinie. 03.05.643987 07:39 |
Sprücheklopfer
Ich glaube, daß der Tabellenerste jederzeit den Spitzenreiter schlagen kann.
Berti Vogts