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Ein trüber Donnerstagabend in Kent, Flutlicht, 4.631 Unentwegte auf den Rängen - und ein Gillingham FC, der sich nach einer zähen ersten Halbzeit schließlich den Frust von der Seele spielte. Beim 2:0 (0:0) gegen Wrexham war Geduld gefragt - und ein bisschen Mut zur Lücke. Schon früh deutete sich an, dass die Gastgeber den Ton angeben würden. Nach vier Minuten prüfte Adam Payne den jungen Keeper Jean-Pierre Krug mit einem satten Schuss - ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. "Ich dachte, wenn ich ihn gleich mal warm schieße, hilft’s uns allen", grinste Payne später in der Mixed Zone. Wrexham reagierte mit jugendlicher Unbekümmertheit: Der 17-jährige Mircea Ianu, blutjung und blitzschnell, versuchte es wenig später aus spitzem Winkel - aber Gillinghams Torhüter Freddie Mayhew war hellwach. Die erste Halbzeit blieb trotz Gillinghams leichter Dominanz (Ballbesitz 53 Prozent, 9:3 Torschüsse zur Pause) torlos. Trainer Mark Stradner von Wrexham, sonst ein Mann der ruhigen Worte, wirkte an der Seitenlinie zunehmend ungeduldig. "Wir haben zu brav verteidigt, fast höflich", knurrte er später. Seine Abwehr tat ihm dabei keinen Gefallen: Schon in der 2. Minute sah Innenverteidiger Yisrael Gurion Gelb - ein Zeichen, dass es ein langer Abend werden würde. Nach dem Seitenwechsel erhöhte Gillingham das Tempo, während Wrexham versuchte, über aggressiveres Pressing und lange Bälle ins Spiel zu kommen. Doch die Hausherren fanden immer wieder Lücken. In der 63. Minute fiel schließlich der Bann: Alexandre Schaelles, bis dahin eher der stille Taktgeber im Mittelfeld, rauschte nach einem feinen Zuspiel von Lewis Bridges in den Strafraum - und vollendete eiskalt ins linke Eck. 1:0! Das Priestfield Stadium jubelte, als wäre gerade der Aufstieg perfekt gemacht worden. "Bridges hat den Ball so perfekt durchgesteckt, da musste ich einfach nur noch Danke sagen", lachte Schaelles. Wrexham reagierte mit frischen Kräften - Lewis Bail kam für Francois Bureau, Olaf Hahn ersetzte den verwarnten Gurion. Doch der Plan, das Spiel zu drehen, blieb Theorie. Wrexham hatte lediglich sechs Torschüsse im gesamten Spiel, ein Wert, der Trainer Stradner nachdenklich machte: "Wenn du vorne nichts triffst, kannst du hinten auch nicht alles retten." Gillingham blieb dagegen dran, spielte ruhig, fast kontrollsüchtig. "Wir wollten nichts mehr anbrennen lassen", erklärte Kapitän Harvey Warrington, der später auch den zweiten Treffer vorbereitete. In der 82. Minute machte Adam Payne den Deckel drauf - nach einer butterweichen Flanke von Warrington traf der rechte Mittelfeldspieler per Direktabnahme. Sein zweites Tor des Abends? Nein, aber eines, das er so schnell nicht vergessen wird. "Ich hab gesehen, dass der Keeper ein bisschen zu weit links stand. Da dachte ich mir: Versuch’s einfach", sagte Payne und grinste schelmisch. Die letzten Minuten verliefen, wie man sie in der 4. Liga kennt: viele lange Bälle, viel Kampf, wenig Präzision. Wrexham fing sich noch zwei Gelbe Karten - Lewis Bail (72.) und Ernst Meier (93.) -, während Gillingham souverän den Ball laufen ließ. Trainer Stradner stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, blickte in den grauen Himmel und murmelte etwas, das wohl kein Lob war. Statistisch untermauerte Gillingham den Sieg: 15 Torschüsse zu sechs, 53 Prozent Ballbesitz, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und eine Mannschaft, die in der Schlussphase sogar noch Lust auf mehr hatte. Wrexham dagegen wirkte müde, fast resigniert. "Wir haben es nicht geschafft, Gillingham wirklich weh zu tun", gab Kapitän Emilio de Vivar selbstkritisch zu. Nach dem Abpfiff feierten die Gillingham-Fans ihre Helden mit einem kleinen Chor aus Jubelrufen, während Payne und Schaelles Arm in Arm vom Platz gingen. Trainer der Gastgeber - der Name blieb in den offiziellen Listen kurioserweise ungenannt - wirkte zufrieden, aber nicht überschwänglich: "Das war solide, aber kein Gala-Abend. Zwei Tore, drei Punkte, fertig." Und so endete dieser Abend wie viele gute Fußballnächte in der vierten Liga Englands: mit matschigen Schuhen, ehrlichem Applaus und einem Ergebnis, das Gillingham in ruhigere Tabellengewässer bringt. Für Wrexham bleibt die Erkenntnis, dass jugendlicher Elan manchmal nicht reicht, wenn Erfahrung und Effizienz auf der anderen Seite stehen. Oder, wie Gillinghams Oldie Billy Jones es beim Verlassen des Stadions trocken formulierte: "Schön, wenn man alt aussieht - und jung gewinnt." 09.12.643987 02:30 |
Sprücheklopfer
In diesem Drecksspiel hätte ich zehn Akteure auswechseln können.
Felix Magath