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Es war ein nasskalter Mittwochabend in Gera, der einem eigentlich nur Lust auf Couch und Kakao machte. 4.197 Unentwegte dachten anders - und sie sollten belohnt werden. Der 1. FC Gera gewann am 14. Spieltag der Regionalliga B mit 2:0 gegen den FK Pirmasens. Zwei Tore vor der Pause, kontrollierte Zweikämpfe, 17 Torschüsse und ein Publikum, das sich irgendwann warmgeklatscht hatte. Ein Sieg, der weniger glänzte als dampfte - aber eben drei Punkte brachte. Von Beginn an zeigte Gera, dass man die Partie ernst nahm. Coach Karsten Beckmann hatte seine Elf taktisch "balanciert" eingestellt - ein Wort, das so unaufgeregt klingt, wie seine Mannschaft spielte: ruhig, präzise, zielstrebig. Pirmasens dagegen versuchte es mit Kontern, aggressivem Zweikampfverhalten und kurzen Pässen. "Wir wollten sie früh stören", erklärte Gästetrainerin Gudrun Schweitzer später. "Hat fünf Minuten funktioniert, dann war der Ball nur noch bei denen." In der sechsten Minute hatte Marcel Fuhl für Pirmasens die erste halbgare Chance - ein Schuss aus 20 Metern, den Dani Pizanti im Gera-Tor mit einer Hand pflückte wie ein reifer Apfel. Danach spielte nur noch Gera. Noah Hiliard prüfte in der neunten Minute den Pirmasenser Keeper Günther Fritsch, kurz darauf zog Eduardo del Rio ab. Das Publikum roch förmlich den Führungstreffer - und bekam ihn in der 34. Minute serviert. Todor Asparuchow flankte von rechts mit der Präzision eines Chirurgen, Florian Scholz rauschte heran, nahm den Ball direkt - 1:0. Der Jubel war laut, aber nicht hysterisch, eher die Erleichterung eines Publikums, das wusste: Das war fällig. "Ich hab nur gehofft, dass ich den richtig treffe", grinste Scholz später. "Beim Training gestern hab ich den gleichen Ball in den Fangzaun gedroschen." Pirmasens wirkte nun angeschlagen, und Gera roch Blut. In der 41. Minute versuchte es wieder Ferraris, dann Hennessy - und kurz vor der Pause fiel tatsächlich das 2:0. Benjamin Hennessy, der schon früh Gelb gesehen hatte, zog diesmal die Linie entlang, legte quer, und Christian Ferraris vollendete eiskalt (44.). Der Ball zappelte im Netz, Fritsch blickte irritiert in den Regen, als wolle er fragen: "War das wirklich nötig?" "Wir haben in der ersten Hälfte alles richtig gemacht", meinte Trainer Beckmann nach dem Spiel. "In der zweiten vielleicht ein bisschen zu viel nachgedacht." Tatsächlich war der zweite Durchgang weniger spektakulär. Gera verwaltete, Pirmasens mühte sich, kam aber selten durch. Drei Schüsse von Müjdat Öztürk zwischen der 47. und 90. Minute - mehr ließ die Geraer Abwehr um Azmi Eitan und Riley Macleod nicht zu. Das Spiel blieb fair, wenngleich vier Gelbe Karten verteilt wurden. Besonders Christopher Schultz, Geraer Mittelfeldmotor, hatte zu kämpfen: "Ich wollte eigentlich gar nicht hin, aber dann lag der Ball halt da - und der Gegner auch." Schiedsrichterin Weinhold zückte Gelb, lächelte dabei aber so freundlich, dass Schultz fast applaudierte. Statistisch war die Sache klar: 51,6 Prozent Ballbesitz für Gera, 54,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 17 Torschüsse gegen fünf. Und doch hatte das Spiel keine sterile Dominanz, sondern etwas Bodenständiges. "Wir sind keine Ballzauberer", sagte Torschütze Ferraris. "Aber wenn’s läuft, dann läuft’s." Pirmasens hingegen suchte nach Erklärungen. Trainerin Schweitzer zeigte sich frustriert, aber kämpferisch: "Wir haben zu brav verteidigt. Vielleicht hätten wir früher mal einen langen Ball schlagen sollen - aber meine Jungs lieben den Kurzpass wie ihre Mutter die Sonntagsmesse." Am Ende blieb es beim 2:0, das schon zur Pause feststand. Die letzten Minuten plätscherten dahin, wie der Regen über die Stadiondächer. Auf der Gegengerade stimmten einige Fans "Oh wie ist das schön" an, andere schüttelten die Köpfe über vergebene Chancen - zum Beispiel Ferraris’ Schlenzer in der 72. Minute, der so knapp vorbeiging, dass selbst der Stadionsprecher kurz "Tor!" rief. Nach dem Abpfiff klatschten die Spieler mit den Fans ab, Beckmann verschwand mit einem stillen Lächeln im Kabinengang. "Zwei Tore, kein Gegentor, keine Verletzten - das unterschreib ich sofort", murmelte er. Dann fügte er hinzu: "Wenn’s jetzt noch Glühwein gäbe, wär’s perfekt." Ein nüchterner, aber verdienter Sieg für Gera - mit wenig Glamour, dafür mit viel Struktur. Die Mannschaft bleibt damit im oberen Tabellendrittel der Regionalliga B. Und wenn man sich den Spielplan anschaut, könnte man meinen: Wer Pirmasens so auskontert, der darf ruhig vom Frühling träumen - auch im Januarregen. 18.06.643987 17:51 |
Sprücheklopfer
Ich habe viel mit Mario Basler gemeinsam. Wir sind beide Fußballer, wir trinken beide gerne mal einen, ich allerdings erst nach der Arbeit.
Felix Magath