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44166 Zuschauer hatten sich an diesem kühlen Januarabend im Stadion von Gentofte-Vangede eingefunden - und sie bekamen ein Spiel zu sehen, das man unter dem Motto "Einseitigkeit mit Stil" verbuchen könnte. Der 2:0‑Sieg der Hausherren gegen Blokhus FC war eine Demonstration in Kontrolle, Geduld und gelegentlichem Übermut. Schon in der ersten Minute prüfte Rechtsverteidiger Asier Suarez den gegnerischen Keeper mit einem satten Distanzschuss. Es war das erste von insgesamt 17 (!) Schüssen aufs Tor - und der Auftakt zu einem Abend, an dem Gentofte-Vangede nach Belieben kombinierte, während Blokhus FC mit 0 Torschüssen in 90 Minuten neue Minimalismusrekorde aufstellte. "Wir wollten das Spiel ruhig aufbauen und dann zuschlagen, wenn sich die Lücke ergibt", erklärte Trainer Hans Meier nach der Partie mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Stolz und Erleichterung pendelte. "Ehrlich gesagt, hatte ich Sorge, dass meine Jungs irgendwann anfangen, sich gegenseitig den Ball wegzunehmen, nur um beschäftigt zu bleiben." Der erste Treffer fiel in der 38. Minute - und er war so sehenswert, dass selbst die Ersatzspieler kurz das Aufwärmen vergaßen. Pal Fogl, der quirlig-linke Mittelfeldspieler, nahm eine flache Hereingabe von Lukas Hoj direkt ab und jagte den Ball ins rechte Eck. Keeper Christopher Darabont war machtlos, hob aber immerhin anerkennend die Handschuhe. "Ich habe einfach draufgehalten", grinste Fogl später in der Mixed Zone. "Lukas meinte danach, der Pass sei eigentlich zu kurz gewesen - aber das sage ich ihm nicht, sonst will er beim nächsten Mal selbst schießen." Mit dem 1:0 zur Pause war Blokhus FC noch gut bedient. Gentofte-Vangede hatte über 53 Prozent Ballbesitz, dominierte jede Statistik und ließ den Gästen kaum Luft zum Atmen. Blokhus’ Mittelfeldspieler Gerd Ludvigsen brachte es in der 64. Minute immerhin zu einer Gelben Karte - das war der erste Moment, in dem ein Blokhus-Spieler tatsächlich auffiel. In der 61. Minute machte dann der 20‑jährige Mads Bjerg endgültig den Deckel drauf. Nach feinem Zuspiel von Ashton Lineback, der mit 31 Jahren noch immer die rechte Seite rauf und runter marschiert, schlenzte Bjerg den Ball lässig ins lange Eck. Ein Tor, das so mühelos wirkte, als hätte er es im Training schon hundertmal geübt - was er vermutlich auch hat. "Ashton hat mir den Ball perfekt in den Lauf gelegt", sagte Bjerg und grinste schüchtern. "Ich wollte eigentlich querlegen, aber dann dachte ich: Ach, warum nicht." Blokhus-Trainer - der Name blieb im Gästeblock ungenannt, vermutlich aus Selbstschutz - stand derweil regungslos an der Seitenlinie. Seine Mannschaft blieb trotz offensiver Grundausrichtung harmlos wie ein Sonntagsspaziergang. Kein einziger Schuss aufs Tor, kein echter Angriff, dafür zwei Gelbe Karten und viele ratlose Blicke. "Wir waren mutig, aber nicht präzise", erklärte Kapitän Karl Davidsen nach dem Schlusspfiff. "Wenn man keinen Torschuss hat, ist das schwer zu kaschieren." Eine erstaunlich ehrliche Bilanz, die in der Statistik bestätigt wurde: 0 zu 17 Torschüsse, 39 Prozent gewonnene Zweikämpfe - das nennt man wohl eine Lehrstunde. In der Schlussphase gönnte sich Meier noch den Luxus, den jungen Lars Schmidt (17) für Pal Fogl zu bringen. "Ich wollte, dass er mal sieht, wie es aussieht, wenn man 2:0 führt und der Gegner trotzdem nicht weiß, was er tun soll", witzelte der Trainer. Als der Schlusspfiff ertönte, feierten die Fans ihr Team mit einem Chor, der irgendwo zwischen Begeisterung und Belustigung lag. Gentofte-Vangede war an diesem Abend schlicht eine Klasse besser - strukturiert, spielfreudig, und mit der klaren Botschaft: Wenn man 17 Mal aufs Tor schießt, darf man auch mal zwei treffen. Ein Reporter fragte Meier zum Abschluss, ob er mit der Chancenverwertung unzufrieden sei. "Naja", antwortete er trocken, "wir hätten vielleicht 5:0 gewinnen können. Aber ehrlich - wer will denn so was Langweiliges sehen?" Ein Satz, der das Spiel perfekt beschreibt: humorvoll, überlegen und ein bisschen selbstironisch. Gentofte‑Vangede hat an diesem 13. Spieltag der 1. Liga Dänemark nicht nur drei Punkte geholt, sondern auch gezeigt, dass man Dominanz durchaus charmant servieren kann - mit einem Lächeln und zwei traumhaften Toren. 07.06.643987 06:48 |
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