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Es war ein Abend, an dem selbst der Ball Mitleid mit UD Lecce zu haben schien. 43.500 Zuschauer im prall gefüllten Stadio di Gela wurden Zeugen eines Spiels, das eher an ein Trainingsspiel für Offensivfreunde erinnerte als an ein Duell der "1. Liga Italien". Am Ende prangte ein 7:0 auf der Anzeigetafel - und viele fragten sich, ob der Schiedsrichter nicht schon nach 70 Minuten hätte Gnade walten lassen sollen. Von Beginn an machte Gela klar, wer hier das Kommando führen würde. Schon in der 12. Minute eröffnete Julien Matthieu den Torreigen, nachdem er einen Pass von Javier Vazques trocken ins rechte Eck drosch. "Ich hab ihn einfach laufen lassen, der Ball wollte wohl rein", grinste Matthieu hinterher. Der arme Lecce-Keeper Marcio Juarez sah da schon nicht gut aus - und es sollte noch schlimmer kommen. Nur 16 Minuten später durfte sich sogar Rechtsverteidiger Silvestre Veloso in die Torschützenliste eintragen. Nach einem feinen Zuspiel von Marco Frechaut rauschte er von hinten heran und versenkte den Ball humorlos. Trainer Michael Müller, sonst ein Mann der sachlichen Worte, konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: "Wenn der Veloso anfängt, Tore zu schießen, weiß man, dass irgendwas Besonderes passiert." Mit dem 2:0 zur Pause war Lecce noch gut bedient. Die Gäste hatten zwar mit 52 Prozent leicht mehr Ballbesitz, aber das war ungefähr so hilfreich wie ein Regenschirm im Orkan. Nur fünf Torschüsse brachte das Team von Coach The Wizard zustande - und die waren mehr freundliche Grüße an Gelas Torhüter Willem Veeder als ernsthafte Versuche. Nach der Pause wurde es dann endgültig ein Spektakel für die Heimfans. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, da klingelte es schon wieder: Corey Staunton traf in der 46. Minute zum 3:0. Danach brach Lecce völlig auseinander. Zwischen der 65. und 73. Minute fielen vier Tore - eine Art Offensiv-Feuerwerk, das man sonst nur aus Computerspielen kennt. Zuerst traf Javier Vazques, dann Javier Garcia, kurz darauf wieder Vazques, und schließlich setzte Patrik Licka den humorvollen Schlusspunkt. Drei davon gingen auf das Konto von Marco Frechaut, der als Vorlagengeber einen Sahnetag erwischt hatte. "Ich habe einfach dahin gepasst, wo sie nicht standen - und das war meistens überall", witzelte Frechaut nach dem Spiel. Während Gela einen Angriff nach dem anderen fuhr, wirkte Lecce zunehmend wie ein Team, das kollektiv die Orientierung verloren hatte. In der 61. Minute sah Filipe Semedo Gelb, weil er offenbar Mitleid mit den Gästen vermeiden wollte. Kurz darauf brachte Trainer Müller frisches Blut: Julian Martins kam für Semedo - kurz darauf fiel das 4:0. Ob Zufall oder Genie-Streich, ließ Müller offen: "Ich sag mal so - manchmal gewinnt man mit Glück, und manchmal spielt man gegen Lecce." Als Corey Staunton kurz vor Schluss verletzt vom Feld musste, hatte das Publikum längst aufgehört, mitzuzählen. Samuel Perlman kam rein, und selbst er hätte fast noch getroffen. Kurz vor dem Abpfiff kassierte Tahsin Caliskan die zweite Gelbe für Gela - wohl aus Langeweile. Müller nahm’s gelassen: "Ein bisschen Farbe gehört in jedes Spiel." The Wizard, der Trainer der Gäste, stand nach Spielende sichtlich konsterniert an der Seitenlinie. "Wir hatten einen Plan", murmelte er, "aber offenbar hatte Gela einen besseren." Seine Mannschaft hatte zwar formell offensiv gespielt, aber das war ungefähr so glaubwürdig wie ein Diätplan in der Weihnachtszeit. Bemerkenswert: Trotz der sieben Tore hatte Gela weniger Ballbesitz als Lecce. 47 Prozent reichten, um 22 Torschüsse abzufeuern - eine Effizienz, die jedem Statistikliebhaber das Herz wärmt. Lecce dagegen verirrte sich in langen Bällen und verlor fast jeden zweiten Zweikampf. Nach dem Abpfiff feierten die Fans ihre Helden, während Müllers Mannschaft in der Kurve tanzte. Vazques, Doppeltorschütze und Publikumsliebling, winkte ins Rund und sagte: "Ich mag solche Abende - da fühlt sich Fußball wieder an wie ein Fest." Ein Fest war es - zumindest für Gela. Für Lecce bleibt der Abend ein Albtraum in sieben Akten. Vielleicht hilft ein bisschen Magie, um das nächste Spiel besser zu überstehen. The Wizard jedenfalls wird sie brauchen. Und Gela? Die Mannschaft geht mit breiter Brust in den nächsten Spieltag. Oder, wie Müller es formulierte: "Wir haben heute gezeigt, dass man auch mit 47 Prozent Ballbesitz 100 Prozent Spaß haben kann." Ein Satz, der hängen bleibt - genau wie das Ergebnis: 7:0. 07.11.643990 23:48 |
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