Tuttosport
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Gela zerlegt Empoli: Drei Tore in 17 Minuten, danach war Schluss

Es gibt Fußballspiele, die sich über 90 Minuten ziehen wie ein Kaugummi. Und dann gibt es solche, die nach einer Viertelstunde praktisch entschieden sind. Das Duell am 19. Spieltag der 1. Liga Italien zwischen dem AC Empoli und Gela gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie: Nach 17 Minuten stand es 0:3 - und das blieb es auch. Die 30.504 Zuschauer im Stadio Carlo Castellani sahen eine Lehrstunde in Effizienz und Frühstart.

Gela begann, als hätte Trainer Michael Müller seinen Spielern vor dem Anpfiff eine doppelte Espresso-Ration verordnet. "Wir wollten Empoli überraschen", grinste Müller später süffisant. Überraschung gelungen: Schon in der sechsten Minute zappelte der Ball im Netz. Julian Martins, der flinke Linksaußen, schlenzte den Ball nach Vorlage von Julien Matthieu ins rechte Eck. Es war Gelas erster Torschuss - und der saß.

Empoli wirkte konsterniert, suchte nach Ordnung, fand aber nur Löcher in der eigenen Abwehr. Zehn Minuten später erhöhte Marcel Marcel (ja, der Mann heißt wirklich so) auf 2:0, nach feiner Vorarbeit von Javier Garcia. Und kaum hatte Empolis Kapitän Lappano seine Mitspieler noch zum Durchatmen gemahnt, klingelte es schon wieder: Matthieu selbst traf in der 17. Minute, diesmal nach Zuspiel von Javier Vazques. 0:3 nach nicht einmal zwanzig Minuten - der Rest des Spiels wurde zu einer langen therapeutischen Sitzung für die Gastgeber.

Empoli-Trainer Emiliano Dicetutto stand fassungslos an der Seitenlinie. "Wir hatten eigentlich offensiv geplant", sagte er nachher, "aber offenbar haben das meine Verteidiger etwas zu wörtlich genommen." Tatsächlich war seine Mannschaft laut Taktikdaten zu Beginn offensiv ausgerichtet - doch von Angriffslust war auf dem Platz wenig zu sehen. Gerade einmal zwei Torschüsse brachte Empoli in 90 Minuten zustande, beide harmlos (75. Bonew, 79. Mingo).

Gela dagegen spielte wie ein Orchester, das jede Note kannte - nur die Lautstärke stimmte der Schiedsrichter gelegentlich nach: Vier Gelbe Karten kassierten die Gäste (Meira, Aydemir, Vucevic, Bernier). Kein Wunder bei einer Aggressivitätseinstellung namens "STRONG", die ihnen die Statistiker attestierten. Doch Müller nahm’s mit Humor: "Lieber zu bissig als zu brav - wir sind schließlich kein Ballettverein."

Empolis Keeper Duarte Cuadrado verhinderte Schlimmeres. Besonders in der ersten Halbzeit flog er reihenweise durch den Strafraum, um Gelas Angreifern den Spaß zu verderben. Dennoch: 19 Schüsse auf sein Tor sprechen Bände. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", seufzte Cuadrado, "ich dachte, die schießen aus Prinzip."

Nach der Pause plätscherte das Spiel dahin. Gela schaltete zwei Gänge zurück, Empoli versuchte, wenigstens die zweite Halbzeit unentschieden zu gestalten - mission accomplished. Dicetutto wechselte fleißig: Langlois kam für Bar-Lew (63.), Mingo für Hiliard (71.), Cunha für Mocana (81.). Doch das Offensivspiel blieb so zäh wie kalter Beton. Gela nutzte die Gelegenheit, um Kräfte zu sparen: Staunton ersetzte Meira (45.), Licka kam für den Doppelnamens-Mann Marcel Marcel (60.), und kurz vor Schluss durfte noch Marco Frechaut ran.

Die zweite Hälfte bot immerhin ein paar humoristische Momente. Als Empoli kurz vor Schluss bei einem Einwurf den Ball einfach ins Aus zurückwarf, rief ein Fan von der Tribüne: "So spielt man Zeit runter, wenn man führt!" Selbst Gela-Kapitän Serhat Aydemir musste lachen - und sah kurz darauf Gelb, vermutlich wegen Übermotivation.

Statistisch war die Sache eindeutig: 54 Prozent Ballbesitz für Gela, 19 Schüsse auf das Tor von Cuadrado, nur zwei auf das von Willem Veeder. Der musste sich strecken - allerdings vor Langeweile. Nach dem Schlusspfiff holte er sich von einem Balljungen eine Cola, während Cuadrado noch am Pfosten lehnte und tief durchatmete.

"Wir haben die ersten 20 Minuten einfach verschlafen", gestand Empolis Mittelfeldmann Jacinto Mocana nach dem Spiel. "Blöd nur, dass das Spiel da schon entschieden war." Müller dagegen strahlte: "So ein Start ist wie ein Lottogewinn - nur dass man ihn sich erarbeiten muss."

Empoli bleibt damit weiter im Tabellenkeller, während Gela mit breiter Brust nach Hause fährt. Und wer weiß - vielleicht war das ja der Abend, an dem sich ganz Italien den Namen "Marcel Marcel" gemerkt hat. Nicht wegen eines Zungenbrechers, sondern wegen eines Treffers.

Ein bisschen tragisch, ein bisschen komisch - und am Ende ganz einfach: Gela hatte Lust auf Fußball, Empoli hatte Gäste. Und die nahmen die drei Punkte höflich, aber entschlossen mit nach Hause.

27.08.643987 01:15
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Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
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