Tuttosport
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Gela zerlegt Derthona - Vier Tore, keine Gnade und ein Platzverweis

Es war 20:30 Uhr in Derthona, die Flutlichter brannten und 51.968 Zuschauer erwarteten einen heißen Fußballabend in der 1. Liga Italien. Am Ende wurde es tatsächlich heiß - allerdings nur für die Gäste aus Gela, die die Gastgeber mit 0:4 (0:1) abfertigten. Während Gela wie eine perfekt geölte Maschine wirkte, stolperte Derthona eher wie ein schlecht gelaunter Einkaufswagen durch die eigenen Reihen.

Trainer Max Italy hatte vor dem Spiel noch betont, man wolle "mutig nach vorne spielen". Nach 90 Minuten klang das anders: "Wir wollten den Ball, aber er wollte nicht uns", seufzte er. Und man konnte ihm kaum widersprechen. Denn obwohl die Ballbesitzwerte (49 zu 51 Prozent) auf Augenhöhe waren, war das, was Gela mit dem Ball anstellte, schlicht von einer anderen Welt.

Bereits in der 30. Minute setzte der Linksverteidiger Filipe Semedo das erste Ausrufezeichen. Nach einem feinen Doppelpass mit Pablo Tarrega donnerte er den Ball aus spitzem Winkel in die lange Ecke. Derthonas Torhüter Giuseppe Degano flog zwar spektakulär, aber eher fürs Fotoalbum. "Ich hab’ ihn kommen sehen - aber leider zu spät", grinste Semedo nach dem Spiel.

Derthona fand bis zur Pause kaum statt. Vier Torschüsse in 90 Minuten - davon zwei halbherzige Versuche aus der Distanz - sagen alles. Das Publikum reagierte mit einem kollektiven Seufzer, als Gela einen Angriff nach dem anderen aufbaute. Tarrega, Vazques, Cochran - sie wirbelten in der Offensive, als hätten sie beschlossen, das Stadion in einen Tanzsaal zu verwandeln.

Nach dem Seitenwechsel wurde es noch deutlicher. In der 65. Minute erhöhte Javier Vazques auf 2:0. Filipe Meira hatte sich auf der rechten Seite durchgetankt und punktgenau geflankt. Vazques stieg hoch, köpfte wuchtig ein - und rannte jubelnd zur Eckfahne. "Ich hatte das Gefühl, heute kann ich fliegen", sagte er später, "also bin ich gesprungen."

Nur sechs Minuten später traf ausgerechnet ein Innenverteidiger: Serhat Aydemir. Nach einer Ecke von Dennis Bedard stieg er am höchsten und nickte den Ball ins Netz - 3:0. Dass Aydemir sich direkt danach eine Gelbe Karte (72.) abholte, passte fast schon zum übermütigen Spielfluss der Gäste. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch vorne gefährlich bin", scherzte der Abwehrhüne.

Derthona dagegen verlor völlig den Faden. Nicola Albi (73.) und Salvatore Castrovillari (79.) sahen Gelb, Letzterer sogar kurz darauf (82.) die Ampelkarte - ein sinnbildlicher Abgang. Der junge Ersatzspieler Roger Marceau, gerade erst 18, wurde nach seiner Einwechslung mit einem väterlichen Schulterklopfen von Coach Italy auf den Platz geschickt. "Mach’s besser", rief der Trainer ihm nach - doch der Junge hatte kaum Gelegenheit, überhaupt den Ball zu berühren.

In der Nachspielzeit setzte Julien Matthieu den Schlusspunkt. Wieder war Bedard der Vorlagengeber, diesmal mit einem traumhaften Steckpass. Matthieu blieb eiskalt und schob zum 4:0 ein. Der Gästeblock tobte, der Heimblock schwieg. "Wir haben einfach an uns geglaubt", meinte Gela-Trainer Michael Müller, "und Derthona hat uns dabei nicht wirklich aufgehalten."

Statistisch war das Spiel eine Demonstration: 24 Torschüsse für Gela, nur vier für Derthona. Tacklingquote? 57 zu 43 Prozent. Pressing? Derthona versuchte keins - laut Taktikdaten spielte man über 90 Minuten mit dem Pressingwert "NO". Das passte: Gela durfte kombinieren, Derthona zuschauen.

Nach dem Abpfiff stapfte Trainer Italy wortlos in die Kabine. Nur ein paar Fans blieben, um ihren Spielern Mut zuzusprechen. "Wir sind jung, wir lernen", sagte der 18-jährige Valerio Frascineto tapfer, "auch wenn’s heute wehgetan hat."

Für Gela hingegen war der Abend ein Fest. Müller grinste breit: "Offensive, Flügelspiel, vier Tore - das war fast schon zu schön, um wahr zu sein."

Vielleicht, aber für Derthona war es leider sehr wahr. Ein Abend, der gezeigt hat, dass Ballbesitz ohne Idee nur Statistik bleibt - und dass man mit "weichem Einsatz" (so stand es tatsächlich in der taktischen Analyse) keine Punkte holt.

Vielleicht hilft es, es mit Humor zu nehmen. Einer der Heimfans fasste es beim Verlassen des Stadions so zusammen: "Wir hatten fast 50 Prozent Ballbesitz - das ist doch was! Schade nur, dass der Ball meistens bei Gela war."

Ein bitterer, aber ehrlicher Schluss für einen Abend, an dem nur ein Team wirklich Fußball spielte.

22.06.643990 03:12
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