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Ein Abend zum Vergessen für AS Varese, ein Abend zum Feiern für Gela: Vor 42.048 Zuschauern im altehrwürdigen Stadion von Varese setzte es am 11. Spieltag der 1. Liga Italien eine 1:6-Heimpleite, die in dieser Deutlichkeit selbst eingefleischte Pessimisten überraschte. "Ich hätte mir gewünscht, dass wir wenigstens in der zweiten Halbzeit so tun, als wollten wir das Ergebnis korrigieren", knurrte Varese-Trainer Georg Wagner nach dem Schlusspfiff. Dabei begann alles gar nicht so schlimm. Varese stand zunächst hoch, spielte mutig, die Statistik zeigt fast ausgeglichenen Ballbesitz (49,8 % zu 50,2 %), und die ersten Minuten waren ein offener Schlagabtausch. Doch Gelas rechte Seite - angeführt vom unermüdlichen Julien Matthieu - war an diesem Abend schlicht nicht zu bändigen. In der 14. Minute setzte er mit seinem ersten Treffer das Signal. "Ich hab einfach gespürt, dass heute was geht", grinste Matthieu später. Er sollte recht behalten. Nur neun Minuten danach erhöhte Javier Garcia, der bullige Mittelstürmer, nach feiner Vorarbeit von Dennis Bedard auf 0:2. Gela spielte da schon befreit, Varese wirkte überrascht, fast beleidigt. Immerhin: Noch vor der Pause gelang den Hausherren durch einen wuchtigen Schuss von Linksverteidiger William Baskin der Anschlusstreffer (41.). "Ich dachte, jetzt kippt das", sagte Mittelfeldmann Lucas O’Dea später. "Aber dann haben wir wohl alle gleichzeitig den Off-Schalter gedrückt." Denn was danach folgte, war ein Lehrbeispiel in Sachen Demontage. Gela spielte, als hätte man die Taktiktafel gleich ganz verbrannt: offensive Ausrichtung, Angriffe über die Flügel, Torschüsse aus allen Lagen - und das mit gnadenloser Effizienz. In der 55. Minute traf Matthieu erneut, diesmal nach Doppelpass mit Garcia. Neun Minuten später schlenzte Javier Vazques den Ball sehenswert ins lange Eck. "Da war’s eigentlich vorbei", murmelte Georg Wagner, während er sich nervös durch den Bart fuhr. Varese wechselte, schickte in der 70. Minute Andrea Ferrando für den glücklosen Dirck Houghtailing. Doch es half nichts. Spätestens nach Gelas fünftem Treffer durch den eingewechselten Julian Martins (89.) hatte das Publikum Mitleid mit den eigenen Spielern - oder applaudierte einfach, um nicht einzuschlafen. Als Matthieu in der Nachspielzeit sogar noch seinen Hattrick vollendete (91.), lachte Gästecoach Michael Müller ungläubig: "Julien hat heute einfach gemacht, was er wollte. Ich hab irgendwann aufgehört, ihm taktische Anweisungen zu geben." Die Zahlen unterstreichen das Fiasko: 15 Torschüsse für Gela, nur 7 für Varese. Trotz nahezu identischem Ballbesitz war das Spiel einseitig wie ein Drehbuch ohne Wendung. Gela kombinierte flüssig, Varese verteidigte mit der Eleganz eines Möbeltransporters in der Altstadtgasse. Selbst die Gelbe Karte für Marco Frechaut (66.) brachte keine Unruhe - im Gegenteil, kurz darauf bereitete der eingewechselte Martins das 5:1 mit einem Sprint über die linke Seite vor. In der Mixed Zone versuchte Vareses Torschütze William Baskin, das Positive zu sehen: "Immerhin hab ich getroffen", sagte er mit einem schiefen Lächeln. "Aber wenn du hinten sechs kassierst, zählt das halt auch nicht mehr viel." Neben ihm stand sein junger Ersatzmann Alessio Cropani, der in der 90. Minute eingewechselt wurde. "Ich hab gehofft, wenigstens den Ball mal zu berühren", witzelte der 19-Jährige. "Aber als ich aufs Feld kam, fiel schon wieder ein Tor - leider nicht für uns." Gelas Coach Müller genoss den Moment, blieb aber geerdet: "Ein 6:1 auswärts ist natürlich ein Statement. Aber wir wissen, dass’s nächste Woche auch wieder anders laufen kann. Nur: Wenn Julien weiter so drauf ist, wird’s für jeden Gegner ungemütlich." Und Varese? Trainer Wagner versprach "eine sehr intensive Trainingswoche". Auf die Frage, ob er Konsequenzen ziehen werde, entgegnete er trocken: "Ja - ich werd mir das Spiel nie wieder anschauen." Ein Abend also, an dem sich Gela in einen Rausch spielte und Varese kollektiv in die Defensive flüchtete. Für die einen ein Fest, für die anderen ein Albtraum in Rot und Weiß. Oder, wie es ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions treffend formulierte: "Wir sind immerhin pünktlich zu Hause - das Spiel war ja schon nach 60 Minuten entschieden." 22.09.643990 17:25 |
Sprücheklopfer
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