Tuttosport
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Gela siegt dramatisch - Garcia krönt den Wahnsinn in der Nachspielzeit

Es war schon fast Mitternacht in Gela, als 43.500 Zuschauer kollektiv den Atem anhielten: Nach 93 nervenaufreibenden Minuten drosch Javier Garcia den Ball in die Maschen - und das Stadion explodierte. 2:1 für Gela gegen AS Catania, ein Sieg, den man in dieser Stadt wohl noch eine Weile besingen wird.

Dabei hatte alles so harmlos begonnen. Gela, unter Trainer Michael Müller gewohnt kampfstark, setzte von der ersten Minute an den Ton. Schon nach 60 Sekunden prüfte Patrik Licka den jungen Catania-Keeper Lorenzo Mazza, der an diesem Abend mehr mit der Abwehr seiner Vorderleute als mit dem Ball zu kämpfen hatte. 23 Torschüsse feuerten die Gastgeber insgesamt ab - fast sechsmal so viele wie die Gäste. Der Ballbesitz? 55,6 Prozent für Gela, eine Zahl, die die Überlegenheit nur unvollständig ausdrückt.

Dennoch blieb die erste Halbzeit torlos. "Wir hätten drei vorne liegen müssen", knurrte Müller zur Pause. Auf der anderen Seite wirkte Catanias Coach Albern Albert erstaunlich gelassen: "Solange es 0:0 steht, ist alles möglich. Wir spielen italienisch - also geduldig."

Geduldig war Catania, ja. Aber auch harmlos. Ihre vier Torschüsse über 90 Minuten wirkten eher wie höfliche Anfragen an Gelas Torhüter Reece Dewey. Einmal, in der 13. Minute, versuchte es der junge Niccolo Marittimo - und schoss so weit übers Tor, dass ein Balljunge kurzzeitig als Flutlichtpunkt auf der Anzeigetafel auftauchte.

Die zweite Halbzeit gehörte dann endgültig den Hausherren, die sich zunehmend im gegnerischen Strafraum einnisteten. Nur der Torjubel wollte einfach nicht kommen. Pablo Tarrega scheiterte dreimal aus bester Position, Samuel Perlman prüfte den Querbalken, und als Herbert Brun in der 57. Minute Gelb sah, fragte sich mancher, ob das noch gut gehen würde.

Dann kam die 82. Minute - und mit ihr Marco Frechaut. Gerade einmal 24 Minuten zuvor eingewechselt, bedankte er sich auf seine Art: Nach einem klugen Pass von Innenverteidiger Serhat Aydemir zog Frechaut von links nach innen und schlenzte den Ball unhaltbar ins rechte Eck. 1:0, und das Stadion bebte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der Torschütze später, "aber manchmal hat der Ball seinen eigenen Plan."

Wer dachte, das sei der Schlusspunkt, wurde eines Besseren belehrt. Catania, bislang kaum auffällig, witterte plötzlich Morgenluft. In der 90. Minute, fast aus dem Nichts, traf Rui Aznar nach Vorlage von Emiliano Calabro - der Ausgleich, eiskalt und unverdient schön. Trainer Albert schrie sich die Seele aus dem Leib, während Müller am Rand den Rasen fixierte, als wolle er darin versinken. "Da war kurz alles schwarz", gab er später zu.

Doch Fußball liebt ironische Drehbücher. Nur drei Minuten später die Szene, die alles entschied: Carl Garcia, Gelas Abwehrchef, stieg nach einem Freistoß am höchsten, köpfte den Ball zu seinem Namensvetter Javier - und der vollendete mit einem satten Schuss zum 2:1. Jubel, Tränen, Chaos. "Ich hab nur gesehen, dass der Ball kommt, und dann war er drin", stammelte Garcia zwischen den Fans, die ihn fast erdrückten.

Catania versuchte danach noch, irgendwie zu antworten, doch Perlman zog in der Nachspielzeit Gelb und unterband den letzten Angriff mit einem rustikalen Einsteigen. "Er hat halt STRONG auf der Taktiktafel gelesen", witzelte Müller.

Statistisch war der Sieg klar - 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 23 Schüsse, ein Pressing, das in der Schlussphase fast heroisch wirkte. Catania blieb zwar bis zuletzt offensiv eingestellt, aber ohne Pressing, ohne Aggressivität, und, seien wir ehrlich, ohne Plan.

"Wir haben mit Herz gespielt, sie mit Taschenrechner", fasste Müller nach dem Spiel zusammen. Und vielleicht war das das Geheimnis: In einem Match, das auf dem Papier schon entschieden schien, brauchte es Leidenschaft, Schweiß und ein bisschen Chaos, um den Unterschied zu machen.

Am Ende bleibt ein Gela, das sich an diesem 11. Spieltag der Serie A nach oben kämpft - und ein Catania, das trotz Offensivmotto mit leeren Händen dasteht.

Oder, wie Frechaut es beim Verlassen des Stadions formulierte: "Das war kein Fußballspiel, das war eine Therapiestunde mit Happy End."

Und wer in der 93. Minute auf Toilette war, wird sich das nie verzeihen.

14.05.643987 20:58
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Das interessiert mich wie eine geplatzte Currywurst im ostfriesischen Wattenmeer.
Dieter Eilts
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