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Was für ein Abend im Stadio di Gela! 43.500 Zuschauer sahen ein Spiel, das weniger durch spielerische Eleganz als durch Effizienz und ein bisschen französische Finesse entschieden wurde. Am Ende besiegte Gela den Gast aus Valenzana mit 2:0 (1:0) - und das völlig verdient, auch wenn die Statistik auf den ersten Blick anderes vermuten lässt. Denn kurioserweise hatte Valenzana mit 55 Prozent den höheren Ballbesitz. Doch wie sagte Gela-Coach Michael Müller nach der Partie trocken: "Ballbesitz gewinnt keine Spiele, Tore schon." Und genau davon hatte sein Team zwei - beide erzielt von Julien Matthieu, der an diesem Abend so treffsicher war wie ein Uhrwerk aus Lyon. Die Partie begann munter. Schon nach acht Minuten prüfte Matthieu den Keeper Szabolcs Sas mit einem satten Schuss - eine Art freundlicher Vorankündigung. Gela stand in einer klar offensiven Ausrichtung, drückte, kombinierte, griff über beide Flügel an. Valenzana dagegen? Ruhig, abwartend, fast schüchtern. So wie jemand, der auf einer Party lieber beim Buffet bleibt, statt zu tanzen. In der 34. Minute dann der erste Aufreger: Valenzanas Routinier Tom Abrial blieb nach einem Zweikampf liegen. Diagnose: Muskelzerrung, Spielende. "Ich wollte eigentlich weitermachen", sagte Abrial später, "aber mein Oberschenkel hatte andere Pläne." Für ihn kam Amadeus Blaszczykowski - ein Name wie ein Gedicht, doch auf dem Platz blieb’s leider eher Prosa. Drei Minuten später fiel das 1:0. Charlie Smith, der Spielmacher mit dem kühlen Kopf, bediente Matthieu mit einem Pass in die Tiefe, und der Franzose ließ sich nicht zweimal bitten. Flach ins rechte Eck, keine Chance für Sas. Während die Fans Gela-Sprechchöre anstimmten, hob Matthieu beide Arme - ganz der bescheidene Held. "Ich wollte einfach den Moment genießen", erklärte er später und grinste, "und mir sicher sein, dass der Linienrichter nicht wieder die Fahne hebt." Mit dieser Führung im Rücken kontrollierte Gela das Spiel. Freddie Malfoy setzte Akzente auf der linken Seite, Javier Garcia wirbelte im Zentrum, und selbst Rechtsverteidiger Silvestre Veloso, der in der 66. Minute Gelb sah, schaltete sich immer wieder in die Offensive ein. Trainer Müller nahm ihn kurz darauf vom Feld - "nicht wegen der Karte", wie er betonte, "sondern weil Samuel Perlman einfach frischer wirkte". Valenzana fand indes kaum statt. Der einzige ernsthafte Torschuss kam von Matej Nemec in der 31. Minute - also noch vor Gelas Führung. Danach passierte: nichts. Kein Tempo, kein Risiko, kein Pressing. Vielleicht hatte Coach Jupp Kaiser "Pressing: NO" etwas zu wörtlich verstanden, denn seine Mannschaft stand so tief, dass mancher Zuschauer vermutete, sie wollten das eigene Tor bewachen wie einen Schatz. Als die Minuten verrannen und Gela immer wieder gefährlich vor dem Kasten auftauchte, schien die Entscheidung nur eine Frage der Zeit. Müller brachte in der 75. Minute Filipe Meira für den ausgepowerten Corey Staunton - ein Wechsel, der noch einmal Schwung brachte. Meira brachte frische Energie, drückte auf die rechte Seite, während vorne Javier Vazques gleich mehrfach an Sas scheiterte. In der 89. Minute war es dann soweit: Wieder Matthieu. Diesmal schnappte er sich einen Abpraller und drosch den Ball humorlos unter die Latte. 2:0, Deckel drauf. Der Jubel hallte durchs Rund, und selbst Müller, sonst eher der nüchterne Typ, klatschte mit der Ersatzbank ab. "Zwei Tore, drei Punkte - das war ein Abend nach meinem Geschmack", sagte Matthieu später in der Mixed Zone. "Und meine Mutter hat das Spiel im Fernsehen gesehen. Sie meinte, ich hätte endlich mal wieder ordentlich die Haare gemacht." Valenzana-Trainer Kaiser hingegen suchte die Schuld nicht bei der Mannschaft: "Wir waren spielerisch besser, aber Gela war zielstrebiger. Wenn du 16:1 Torschüsse gegen dich hast, musst du dich über das Ergebnis nicht wundern." So endete ein Spiel, das weniger knapp war, als es der Ballbesitz vermuten lässt. Gela kämpfte, rannte, schoss - und gewann. Valenzana spielte, passte und verzweifelte. Manchmal ist Fußball eben kein Schönheitswettbewerb, sondern ein Handwerk. Und an diesem Abend war Gela der Meisterbetrieb. Zum Abschluss grinste Müller noch einmal verschmitzt: "Wenn wir so weitermachen, lad’ ich den Reporterbus nächste Woche auf ein Eis ein." Man kann’s ja mal festhalten - diesmal hat er sich das wirklich verdient. 24.12.643990 07:05 |
Sprücheklopfer
Ob rechts oder links, wo ich auftauchte, war ich schlecht.
Mario Basler