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Gela schockt den AC Mailand - Vier Gegentore und viele Fragezeichen

Es war ein kühler Märzabend im Giuseppe-Meazza-Stadion, aber die Stimmung unter den 40.114 Zuschauern war zunächst aufgeheizt. Schließlich kam der Tabellenfünfzehnte aus Gela - ein Gegner, den man in Mailand eher höflich begrüßt und dann mit einem 3:0 nach Hause schickt. Doch am 34. Spieltag der Serie A wurde aus der erwarteten Pflichtaufgabe ein Lehrstück in Sachen Effizienz, frecher Spielfreude und - für die Gastgeber - grenzenloser Ratlosigkeit. Am Ende stand ein 1:4, das selbst neutralen Beobachtern das Stirnrunzeln ins Gesicht trieb.

Schon nach sieben Minuten war der Plan von Trainer Onerom Jackson Makulatur. Gela, mutig wie ein Straßenmusiker in der U-Bahn, ging durch Javier Vazques früh in Führung. Ein scharfer Ball von Charlie Smith, der später selbst zum Torschützen avancieren sollte, fand den flinken Linksaußen, der mit der Selbstverständlichkeit eines Stürmers traf, der genau weiß, dass heute sein Abend ist. "Ich hab einfach draufgehalten - wenn du nach Mailand kommst, darfst du nicht höflich sein", grinste Vazques nach der Partie.

Die Hausherren antworteten mit Ballbesitz, viel Ballbesitz: 51,7 Prozent, um genau zu sein. Doch was nützt das, wenn der Ball im entscheidenden Moment mehr Angst vor dem Tor hat als der Gegner? Nur sechs Schüsse aufs Tor brachte der AC zustande - Gela deren 14. Und während Mailand den Ball laufen ließ, ließ Gela Tore sprechen. In der 13. Minute durfte Smith selbst ran. Nach einem cleveren Zusammenspiel über Julian Martins zog der Mittelfeldmotor aus 20 Metern ab - flach, wuchtig, unhaltbar. 0:2.

Trainer Jackson rieb sich an der Seitenlinie die Augen, als wolle er prüfen, ob er nicht doch ein Testspiel der Jugendmannschaft beobachtet. "Wir waren da, aber irgendwie auch nicht", sagte er später und klang dabei, als habe er gerade ein philosophisches Rätsel gelöst.

Ein Hoffnungsschimmer blitzte in der 30. Minute auf: Der junge Maurizio Serralta, 20 Jahre, Sturmspitze und einer der wenigen, die tatsächlich nach vorne dachten, erzielte nach einer schönen Kombination über Bukovi den Anschlusstreffer. Das Stadion atmete auf. Für fünfzehn Minuten glaubte man an eine Wende, an einen dieser typischen Mailänder Abende, an denen die Tradition den Ball noch über die Linie trägt. Doch Gela hatte andere Pläne.

Nach der Pause spielte nur noch eine Mannschaft - und sie trug nicht Rot-Schwarz. In der 55. Minute schnürte Vazques seinen Doppelpack. Freddie Malfoy, frisch eingewechselt, flankte butterweich, Vazques stieg höher als die gesamte Mailänder Hintermannschaft und köpfte zum 1:3 ein. "Wir wollten Spaß haben", erklärte Gela-Coach Michael Müller nach dem Spiel. "Und wenn man Spaß hat, dann passieren gute Dinge. Manchmal sogar Tore."

Mailand reagierte - aber nicht mit Torgefahr, sondern mit einer Gelben Karte für Innenverteidiger Kevin Block (24. Minute). Symbolisch? Durchaus. Während Gela munter kombinierte, diskutierte Jackson an der Seitenlinie mit dem vierten Offiziellen - vermutlich über das metaphysische Wesen des Abseits.

In der 80. Minute machte Julien Matthieu endgültig den Deckel drauf. Der Rechtsaußen, bislang eher als fleißiger Arbeiter bekannt, zirkelte den Ball nach einem Konter ins lange Eck. 1:4. Die Heimfans schwiegen, nur im Gästeblock wurde getanzt, als sei Gela gerade Meister geworden.

Statistisch betrachtet war es kein Klassenunterschied - aber ein Mentalitätsunterschied. Mailand hatte mehr Ballbesitz, spielte gepflegter, wirkte aber so harmlos wie ein italienischer Espresso ohne Koffein. Gela dagegen: zielstrebig, bissig, ohne großen Namen, aber mit klarer Idee.

"Wir haben uns selbst geschlagen", meinte Maurizio Serralta später, "aber wenigstens hab ich getroffen. Immerhin etwas für die Statistik." Sein Trainer nickte stumm daneben - vielleicht überlegte er schon, ob er in der kommenden Woche mehr Defensive oder mehr Baldrian trainieren lässt.

Und so ging ein Abend zu Ende, an dem Gela nicht nur drei Punkte, sondern auch jede Menge Herzen gewann. Für Mailand bleibt die Erkenntnis: Wer zu lange den Ball streichelt, darf sich nicht wundern, wenn der Gegner ihn klaut und ins eigene Tor schießt.

Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Früher hätten wir so was noch gedreht - aber früher war auch der Kaffee stärker."

07.10.643993 20:10
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