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Es war einer dieser Abende, an denen Fußball ein Geduldsspiel ist. 43.500 Zuschauer im Stadio Comunale von Gela sahen ihr Team am 13. Spieltag der 1. Liga Italien 90 Minuten lang anrennen, verzweifeln, jubeln - und am Ende trotz allem nur mit einem Punkt dastehen. 1:1 hieß es nach 90 intensiven Minuten gegen Valenzana, das mit cleverer Taktik und jugendlicher Frechheit beinahe den großen Coup gelandet hätte. "Ich hatte kurz das Gefühl, der Ball will heute einfach nicht rein", stöhnte Gela-Trainer Michael Müller nach dem Abpfiff, während er sich mit einer Mischung aus Erleichterung und Ärger den Schweiß von der Stirn wischte. 18 Torschüsse, 54 Prozent Zweikampfquote, aber eben nur ein Treffer - das ist die Art Statistik, die einem Trainer graue Haare wachsen lässt. Dabei begann alles nach Plan. Bereits in der dritten Minute prüfte Javier Garcia mit einem satten Schuss Valenzanas Keeper Miguel Beto, der den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. Kurz darauf folgten zwei weitere Versuche von Pablo Tarrega - man hatte das Gefühl, Gela könne das Spiel schon in der Anfangsviertelstunde entscheiden. Doch der Ballbesitz (46 Prozent) täuschte: Valenzana lauerte, und wie sie lauerte. Trainer Jupp Kaiser, bekannt für seine stoische Miene, hatte seine Mannschaft perfekt auf Konter eingestellt. "Wir wussten, dass Gela früh Druck machen würde. Also haben wir sie kommen lassen - und dann gestochen", sagte er später mit einem kaum merklichen Lächeln. In der 39. Minute war es soweit: Bruno Locatelli setzte auf der rechten Seite zum Sprint an, flankte punktgenau auf den jungen Joel O’Dea, der mit 20 Jahren mehr Coolness zeigte als manchem Routinier lieb war. Ein kurzer Blick, ein Schuss, und schon zappelte der Ball im Netz - 0:1. Das Stadion verstummte. Nur die rund 300 mitgereisten Valenzana-Fans feierten ausgelassen, begleitet von einigen ironischen Pfiffen der Heimkurve. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste O’Dea nach dem Spiel. "Vielleicht war’s Glück, vielleicht war’s Können - sagen wir, es war beides." Gela wirkte in der Folge kurz geschockt, fing sich aber zur Pause. Müller stellte um, brachte frische Beine und in der 66. Minute einen gewissen Lucas Cochran für den glücklosen Javier Garcia. Kaum zwei Minuten später folgte der ersehnte Ausgleich: Herbert Brun, gerade ausgewechselt, hatte zuvor noch den entscheidenden Pass gespielt - der Ball kam über links zu Filipe Meira, und der Brasilianer vollendete eiskalt zum 1:1. "Ich musste einfach nur den Fuß hinhalten", erzählte Meira mit einem Augenzwinkern. "Da war mehr Erleichterung als Freude." Von da an drückte Gela aufs Gaspedal. Tarrega, Meira, Marcel - sie alle probierten es, aber entweder stand Miguel Beto im Weg oder das Aluminium. Valenzana verteidigte mit allem, was Beine hatte, und kassierte dafür in der 72. Minute eine Gelbe Karte für Eduardo Caneira, der Meira mit einem rustikalen Einsteigen stoppte. "Der Ball war irgendwo dazwischen", erklärte Caneira hinterher mit trockenem Humor. In den letzten zehn Minuten wurde es wild. Müller warf alles nach vorne, sogar Innenverteidiger Serhat Aydemir tauchte plötzlich im Strafraum auf. "Wenn wir schon 18 Torschüsse haben, kann ich auch noch einen drauflegen", lachte er später. Doch das Tor fiel nicht mehr. Und so blieb es beim 1:1 - einem Ergebnis, das beiden Teams irgendwie nicht so richtig schmeckte. Valenzana durfte sich über einen Auswärtspunkt freuen, Gela über ein halbes Happy End nach einem halben Albtraum. "Wir haben das Spiel gemacht, sie das Tor", fasste Trainer Müller zusammen. "Aber wenigstens haben wir diesmal Moral gezeigt. Und Filipe hat’s gerettet - sonst wäre die Stimmung in der Kabine frostiger als in einem italienischen Januar." Kollege Kaiser nahm es gelassen: "Punkt ist Punkt. Und wenn man auswärts in Gela nicht verliert, ist das schon fast ein Sieg." Die Fans gingen mit gemischten Gefühlen nach Hause - zufrieden mit dem Einsatz, enttäuscht vom Ergebnis. Doch wer ehrlich war, musste zugeben: Es war ein großartiger Fußballabend, mit allem, was dazugehört - Spannung, Drama, Emotion. Und einem Filipe Meira, der sich mit seinem Tor in die Herzen der Fans schoss - wenn auch nur zur Hälfte. Vielleicht, meinte ein Zuschauer augenzwinkernd, war das 1:1 gar kein gerechtes Ergebnis. "Gerecht wäre ein 3:1 gewesen - aber nur, wenn die Latte mal Mitleid gehabt hätte." Fußball kann manchmal grausam sein. Aber an diesem Abend war er vor allem eins: verdammt unterhaltsam. 26.05.643987 13:25 |
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