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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob man in einem Champions-League-Spiel oder in einem Actionfilm gelandet ist. 43.500 Zuschauer im Stadion von Gela sahen ein Feuerwerk - und zwar eines, das schon nach zwei Minuten zündete. Lucas Cochran, der rechte Flügelflitzer mit der Präzision eines Uhrmachers, brauchte genau 120 Sekunden, um den Ball aus halbrechter Position in die Maschen zu jagen. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Cochran später, "aber der Ball hatte wohl eigene Pläne." Doch ehe die Fans des Heimteams überhaupt Luft holen konnten, schlug Hannover zurück. In der dritten Minute nutzte Henrich Hlinka einen Moment kollektiver Gela-Schläfrigkeit und glich eiskalt aus. Trainer Daniel Dietrich sprang an der Seitenlinie so hoch, dass man dachte, er wolle gleich selbst eingewechselt werden. "Da war kurz Magie in der Luft", meinte er später - mit dem Nachsatz: "Leider war’s die letzte für längere Zeit." Denn dann kam wieder Cochran. In der sechsten Minute verwandelte er nach Vorlage von Julian Martins zum 2:1, und in der 21. Minute machte er seinen Hattrick perfekt - diesmal auf Zuspiel von Charlie Smith, der mit einer Seelenruhe durch das Mittelfeld spazierte. "Ich hab nur gedacht: Gib ihm den Ball, der macht das schon", sagte Smith, als hätte er gerade einen gemütlichen Spaziergang unternommen. Hannover wirkte da schon wie ein Boxer, der zu früh in der ersten Runde getroffen wurde und immer noch Sterne sieht. Zwar versuchten Hlinka und Tertyschny auf der linken Seite, etwas Druck zu machen, doch die Defensive der Gastgeber stand stabil. Und dann kam der Moment, der das Stadion endgültig zum Beben brachte: In der 44. Minute traf ausgerechnet Rechtsverteidiger Samuel Perlman - nach einer Smith-Ecke - per wuchtigem Kopfball zum 4:1. Perlman breitete die Arme aus wie ein Flugzeugpilot und rief später lachend: "Ich hab’s extra so gemacht, damit sie mich endlich mal in der Offensive lassen." Mit diesem Spielstand ging es in die Pause, und man hatte das Gefühl, Hannover würde am liebsten dort bleiben. Die Gäste kamen nach Wiederanpfiff immerhin mit frischem Mut zurück. Dietrich hatte offensichtlich in der Kabine die Mut-Karte gezogen und wohl auch die Lautstärke. Und tatsächlich: In der 50. Minute traf erneut Hlinka, diesmal nach Vorarbeit von Tertyschny, zum 4:2. "Da war kurz Hoffnung", sagte Dietrich, "aber Gela hat sie uns dann wieder fachgerecht weggenommen." Denn was danach folgte, war keine Abwehrschlacht, sondern souveräne Kontrolle. Gela hatte 58 Prozent Ballbesitz, ließ den Ball laufen, als wäre er an einer Schnur, und kam auf 17 Torschüsse. Hannover mühte sich redlich, kam aber nur auf acht Abschlüsse. Wenn man ehrlich ist, hätte das Ergebnis auch höher ausfallen können, hätte nicht Hannovers Torwart Ernesto Manuel einige spektakuläre Paraden gezeigt. In der 39. Minute wurde Tahsin Caliskan von Gela mit Gelb verwarnt - ein seltener Moment von Unordnung in einer ansonsten disziplinierten Abwehr. Später, in der 45. Minute, wechselte Trainer Michael Müller den glücklosen Caliskan aus, brachte Silvestre Veloso - und damit wieder Ruhe ins Spiel. Müller war nach dem Schlusspfiff sichtlich zufrieden: "Wir haben früh den Ton angegeben. Lucas war heute unser Metronom. Und Samuel… na ja, der hat heute gezeigt, dass Verteidiger auch Spaß haben dürfen." Auf der anderen Seite wirkte Dietrich gefasst, fast schon philosophisch. "Wenn du drei Tore in der ersten halben Stunde kassierst, kannst du zwei Dinge tun: weinen oder kämpfen. Wir haben uns fürs Kämpfen entschieden - das ist immerhin etwas." Die letzten Minuten verliefen ohne große Dramatik. Gela wechselte in der 89. Minute noch Filipe Meira aus, brachte Ignacio Barbosa, vermutlich um die Uhr herunterzuspielen. Hannover brachte frisches Blut, aber kein frisches Glück: Lefebvre und Breschnew kamen spät, konnten das Ergebnis aber nur dekorativ beeinflussen. Als der Schlusspfiff ertönte, feierten die Gela-Fans jeden Pass, als wäre es ein Tor. Und Lucas Cochran, der Dreifach-Torschütze, winkte mit einem so breiten Grinsen, dass man ihm den Titel des Mannes des Abends gar nicht mehr abnehmen musste - er hatte ihn längst. Trainer Müller fasste das Geschehen später trocken zusammen: "Vier Tore, drei Punkte, keine Verletzungen - das ist ein Dienstag, wie ich ihn mag." Vielleicht, so könnte man sagen, hat Gela an diesem Abend nicht nur ein Spiel gewonnen, sondern auch ein Statement gesetzt: Wer sie in dieser Form erwischt, sollte besser gut ausgeschlafen sein. Hannover jedenfalls wird den Wecker wohl künftig etwas früher stellen. 11.02.643994 22:16 |
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