Tuttosport
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Gela dreht die Partie: Brescia verliert 2:3 nach wildem Schlagabtausch

Wenn 38.777 Zuschauer an einem kühlen Februarabend ins Stadio Mario Rigamonti strömen, dann hoffen sie auf ein Spektakel - und sie bekamen eins. US Brescia unterlag am 21. Spieltag der 1. Liga Italien mit 2:3 gegen Gela, nachdem die Hausherren bereits zur Pause in Führung gelegen hatten. Es war ein Spiel, das man sich auf Video noch einmal anschauen möchte - vorausgesetzt, man ist kein Brescia-Fan.

Trainer Patras Egomanis’ Mannschaft begann furios. Kaum war die Anzeigetafel warmgelaufen, zappelte der Ball schon im Netz: In der 10. Minute vollstreckte der junge Luigi Farina nach feinem Zuspiel von Edoardo Bianchi zur frühen Führung. Das Stadion tobte, Egomanis riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Luigi hat das genau so trainiert - naja, fast", grinste der Coach später sichtlich bemüht, die Enttäuschung zu kaschieren.

Brescia hatte in der ersten Halbzeit mehr Ballbesitz (51 Prozent) und schien das Spiel kontrollieren zu können. Doch die Gäste aus Gela, von Trainer Michael Müller taktisch mutig eingestellt, ließen sich nicht lange beeindrucken. Zwar kassierte ihr Linksverteidiger Filipe Semedo nach einer halben Stunde Gelb - was Müller mit einem Kopfschütteln quittierte ("Er verwechselt manchmal Grätschen mit Gartenarbeit") -, doch Gela kam in Fahrt. Brescia verlor kurzzeitig die Ordnung, und ausgerechnet Torschütze Farina musste in der 31. Minute verletzt raus.

In der Kabine muss Müller wohl die richtigen Worte gefunden haben. Denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, traf Charlie Smith in der 48. Minute nach Pass von Patrik Licka zum Ausgleich. Ein Schuss aus gut 20 Metern, trocken und präzise. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", stöhnte Brescia-Keeper Nicola Degano später - der Ball war es nicht.

Nun war Gela am Drücker. 15 Torschüsse insgesamt, und einer gefährlicher als der andere. In der 60. Minute drehte Javier Garcia das Spiel, nachdem er sich gegen zwei Verteidiger durchgewühlt hatte. Der Assist kam kurioserweise von Linksverteidiger Jeno Lisztes, der kurz zuvor eingewechselt worden war. Müller grinste danach: "Ich sag den Jungs immer, sie sollen sich was trauen - aber dass Jeno plötzlich Flügelspieler spielt, war neu."

Doch Brescia gab sich nicht geschlagen. Zehn Minuten später (70.) gelang Emiliano Castrovillari nach Vorlage des unermüdlichen Bianchi der Ausgleich zum 2:2. Das Stadion erwachte wieder zum Leben, Egomanis feuerte seine Spieler an, als würde er selbst gleich eingewechselt. "Ich hab kurz überlegt, ob ich mir die Schuhe anziehe", witzelte er später.

Nur vier Minuten später dann die kalte Dusche: Wieder Garcia, diesmal nach einem Kopfball-Duell mit halber Rückwärtsrolle, traf zum 2:3. Tahsin Caliskan hatte den Ball zuvor in den Strafraum gechippt - und Garcia machte, was er am besten kann. "Ich hab ihn nur angeschaut, da war der Ball schon drin", meinte Brescia-Verteidiger Cameron O’Farrell sarkastisch.

Die Schlussphase war ein offener Schlagabtausch. Brescia drängte, Gönül versuchte es in der 93. Minute noch einmal mit einem Schuss, der jedoch knapp am Pfosten vorbeiging. Dazwischen verteilte der Schiedsrichter noch Gelbe Karten wie Souvenirs - unter anderem an Gönül (80.) und Theo Long (94.).

Die Statistik sprach am Ende eine deutliche Sprache: 15 Torschüsse für Gela, 9 für Brescia. Trotz leichtem Ballbesitzvorteil war Brescia im zweiten Durchgang schlicht überfordert mit der Effizienz der Gäste.

Müller zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir haben Charakter gezeigt. Und Javier? Der isst anscheinend Tore zum Abendessen." Der doppelte Garcia war ohnehin der Mann des Spiels - bis er in der 91. Minute verletzt ausgewechselt werden musste. "Er wollte weiterspielen, aber ich hab ihm gesagt: Wir brauchen dich nächste Woche mehr als jetzt mit Krücken", erklärte Müller trocken.

Egomanis dagegen musste die dritte Heimniederlage der Saison erklären. "Wir haben’s in zehn Minuten verloren", sagte er, während er den Reporterblicken auswich. "Manchmal ist Fußball eben ein grausamer Lehrer."

Am Ende blieb den Fans von Brescia nur höflicher Applaus - und das Gefühl, Zeugen eines Spiels gewesen zu sein, das alles bot: Tempo, Tore, Drama und ein bisschen Chaos.

Oder wie ein älterer Herr auf der Tribüne beim Abpfiff murmelte: "Schöner Fußballabend - wenn man neutral ist."

Und ja, neutral betrachtet war es das in der Tat.

28.01.643991 00:02
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Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
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