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Ein lauer Märzabend, 43.500 Zuschauer im Stadion an der Via del Mare - und ein Spiel, das zunächst nach gepflegter Langeweile aussah, ehe Gela und der AS Foggia beschlossen, den Abend doch noch in eine kleine Fußballoper zu verwandeln. Am Ende gewann Gela mit 3:2 (1:1), und Trainer Michael Müller hätte sich beinahe vor Freude an der Coaching-Zone überschlagen. Die Partie begann, wie sie wohl in Müllers Notizbuch stand: Offensiv, mit Druck, aber ohne Rücksicht auf Nerven. Schon in der 9. Minute klingelte es - und das ausgerechnet durch Linksverteidiger Jeno Lisztes. Ein Mann, der normalerweise die Seitenlinie entlangflitzt, nicht aber den Ball aus 20 Metern unter die Latte zimmert. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Lisztes später zu und grinste. "Aber der Ball hatte andere Pläne." Foggia, vom stets gestenreichen Giovanni Mirabella betreut, reagierte stoisch. Die Gäste standen tief, lauerten auf Konter, und einer davon führte in der 33. Minute zum Ausgleich. Fabio Bartolini, Foggias quirliger Linksaußen, traf nach Vorarbeit von Abwehrrecke Ellis Stokes - ein Treffer aus dem Nichts, aber mit Wucht. "Wir wollten Gela locken, nicht beeindrucken", erklärte Mirabella nach der Partie. "Leider haben wir sie am Ende zu sehr beeindruckt." Das 1:1 zur Pause schmeichelte den Gästen. Gela hatte bis dahin doppelt so viele Torschüsse (14 zu 7 am Ende) und fast 54 Prozent Ballbesitz - Zahlen, die in Müllers Welt Ausdruck von "kontrolliertem Chaos" sind. Doch wer dachte, Gela würde nach der Pause souverän davonmarschieren, sah sich getäuscht. In der 64. Minute stach Foggia erneut zu. Neno Jarni, der flinke Rechtsaußen, nutzte einen Stellungsfehler in der Gelaser Abwehr und schob kühl zum 1:2 ein. Müller raufte sich die Haare, warf seine Jacke in Richtung Ersatzbank und brüllte: "Noch ist hier nichts verloren!" - was die halbe Haupttribüne mit einem ironischen "Na, hoffentlich!" quittierte. Und tatsächlich: Gela drehte das Spiel. Erst war es der unermüdliche Corey Staunton, der in der 76. Minute nach einer butterweichen Flanke von Freddie Malfoy (ja, der Name ließ auch den Stadionsprecher grinsen) ausglich. "Ich habe die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", gab Staunton später zu. "Und siehe da, es hat funktioniert." Nur fünf Minuten später folgte der Siegtreffer. Charlie Smith, der unscheinbare Mittelfeldmotor, zog einfach mal aus 20 Metern ab - der Ball rauschte wie ein aufgebrachter Bumerang an allen vorbei ins Netz. Dennis Bedard hatte ihn vorbereitet, aber am Ende war es Smiths beherztes Nachsetzen, das die Partie entschied. "Das war kein Sonntagsschuss", meinte Smith selbstbewusst. "Eher ein Montagsabendgeschenk." Foggia versuchte danach, das Spiel noch einmal zu öffnen, blieb aber seiner defensiven Ausrichtung treu - so sehr, dass mancher Zuschauer scherzte, Mirabella habe den Bus nicht nur geparkt, sondern auch abgeschlossen. In der Schlussphase rettete Torhüter Patrick Gabriel Gelas Führung mit einer Glanzparade gegen Gojko Stepanovs Schuss in der Nachspielzeit. "Da war einfach Instinkt", sagte der Keeper später trocken. "Und ein bisschen Glück. Vor allem Glück." Eine Szene blieb besonders hängen: In der 59. Minute sah Gelas Rechtsverteidiger Silvestre Veloso Gelb - für etwas, das aussah wie eine Mischung aus Grätsche, Umarmung und Tango. "Ich wollte nur den Ball", erklärte Veloso. Der Schiedsrichter sah das anders. Müller reagierte schnell, brachte Barbosa für Veloso, eine Umstellung, die sich später als klug erwies. Am Ende stand ein verdienter Sieg für Gela, statistisch wie emotional. 14 Torschüsse, mehr Ballbesitz, mehr Mut. Foggia dagegen blieb seiner Linie treu: defensiv, konternd, aber letztlich zu harmlos. "Wir haben das Spiel aus der Hand gegeben, als wir dachten, wir hätten es in der Tasche", seufzte Mirabella. Trainer Müller dagegen strahlte: "Ich habe immer gesagt, dass wir auch Rückschläge brauchen, um zu wachsen. Heute sind wir ein Stück gewachsen - und das nicht nur in der Tabelle." Das Stadion leerte sich langsam, aber auf den Rängen sangen noch ein paar Fans, dass sie "nie wieder so zittern" wollten. Man darf bezweifeln, dass sich Gela daran hält. Denn mit so viel Drama, Leidenschaft und einem Schuss Chaos lässt sich eben auch die schönste Fußballgeschichte schreiben. Und wer weiß - vielleicht wollte Jeno Lisztes ja wirklich flanken. 22.08.643993 13:55 |
Sprücheklopfer
Ich bin gespannt auf den ersten Augenblick, wenn er auf dem Spielfeld erstmals wegen seiner Erkrankung von einem Gegenspieler dumm angemacht wird. Wenn er ihm dann in die Eier tritt, dann weiß ich, dass er gesund ist.
Uli Hoeneß zum Gesundheitszustand von Sebastian Deisler