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Ein lauer Abend, 43.500 Zuschauer im Stadion von Gela, Flutlicht, Spannung, und am Ende ein 3:2, das wohl noch länger Gesprächsthema an der sizilianischen Küste bleiben wird. Gela besiegt den AS Catania nach einem wilden Schlagabtausch, der weniger an taktische Disziplin als an ein Improvisationskonzert erinnerte - mit Lucas Cochran als glänzendem Solisten. Die Partie begann, wie man es sich als neutraler Zuschauer wünscht: mit offenem Visier. Bereits nach vier Minuten prüfte Cochran mit einem ersten Schuss den jungen Catania-Keeper Lorenzo Mazza. "Ich wollte ihm gleich zeigen, dass das heute kein gemütlicher Abend wird", grinste der 30-Jährige nach dem Spiel. Und er hielt Wort. In der 25. Minute war es dann Julian Martins, der einen feinen Pass von Javier Garcia annahm, sich einmal drehte und den Ball trocken zum 1:0 ins Netz setzte. Die Fans tobten, und Trainer Michael Müller klatschte zufrieden in die Hände - ganze 60 Sekunden lang. Denn Catania antwortete umgehend: Der erst 19-jährige Miguel Gutierrez zog nach schönem Zuspiel von Caio Adao aus 18 Metern ab und traf zum 1:1. Das Momentum kippte, Gela wirkte plötzlich überrascht von der eigenen Führung, und Catania nutzte das. In der 36. Minute stach Alexander MacDuff eiskalt zu. Der schottische Mittelstürmer, der aussieht, als würde er in seiner Freizeit Baumstämme schultern, schob nach Pass von Mario Corigliano zum 2:1 für die Gäste ein. "Wir hatten da einen Lauf", meinte Catanias Coach Albern Albert später. "Leider war der Sprint zu kurz." Denn kurz vor der Pause, in der 44. Minute, schlug Lucas Cochran zu. Ausgerechnet er, der zuvor schon dreimal knapp gescheitert war, traf nach einem schnellen Gegenstoß zum 2:2-Ausgleich. Das Stadion explodierte, und Müller rief von der Seitenlinie: "So will ich dich sehen, Lucas!" - worauf Cochran nur den Daumen hob. Nach dem Seitenwechsel brachte Müller frisches Blut: Frechaut kam für Martins, Barbosa für Meira. Beide Neuen fügten sich sofort ein. Catania, das bis dahin mutig nach vorne gespielt hatte, verlor zusehends den Zugriff. Die Gäste hielten zwar das Offensivschema bei, doch die Statistiken sprachen Bände: 16 Torschüsse für Gela gegenüber 6 von Catania, 53 Prozent Ballbesitz und vor allem eine Tacklingquote von 55 Prozent - die Hausherren wollten es nun wissen. In der 60. Minute belohnte sich Gela schließlich. Wieder war es Cochran, der nach Vorarbeit von Ignacio Barbosa eiskalt vollendete. 3:2. Der Jubel war grenzenlos, und Müller drehte sich mit einem Lächeln Richtung Pressebank: "Ich hab’s euch doch gesagt, der trifft noch mal." Catania versuchte in der Schlussphase alles, wechselte gleich dreifach in der 70. Minute - Capucho, Cascon und Jean-Pierre kamen, um das Ruder herumzureißen. Doch Gelas Defensive hielt stand. Selbst als Salvatore in der 83. Minute und Panettieri in der 88. Minute gelb sahen, blieb die Partie fair - oder so fair, wie man es in einem sizilianischen Derby erwarten darf. Eine Szene in der 89. Minute sorgte noch für Lacher: Filipe Semedo, eben erst verwarnt, wurde ausgewechselt. Beim Abklatschen mit seinem Ersatzmann Jeno Lisztes murmelte er: "Endlich, ich hab schon Angst gehabt, dass ich mir die zweite Gelbe abhole, nur weil ich atme." Als der Schiedsrichter schließlich abpfiff, fiel Müller seinem Stürmer Cochran in die Arme. "Er war heute der Unterschied", sagte der Trainer später auf der Pressekonferenz. "Und ja, ich werde ihm wohl das Abendessen bezahlen müssen - er erinnert mich sicher dran." Cochran grinste breit: "Ich nehme Steak. Zwei Stück." Catanias Trainer Albern Albert wirkte dagegen gefasst: "Wir haben mutig gespielt, aber Gela war einfach reifer. Unsere jungen Spieler werden daraus lernen." Vielleicht hatte er recht - immerhin standen bei ihm gleich drei Teenager auf dem Platz, während Gela auf Routine setzte. Am Ende bleibt ein Spiel, das alles bot, was Fußball schön (und manchmal nervenaufreibend) macht: Tore, Tempo, Emotionen - und ein Publikum, das sich noch lange an diesen Abend erinnern wird. Oder, wie ein älterer Gela-Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn die so weitermachen, muss ich mir bald eine Dauerkarte kaufen - und ein Blutdruckmessgerät." Ein 3:2, das nachwirkt - und das nicht nur auf der Anzeigetafel. 26.09.643993 06:18 |
Sprücheklopfer
Ich bin gespannt auf den ersten Augenblick, wenn er auf dem Spielfeld erstmals wegen seiner Erkrankung von einem Gegenspieler dumm angemacht wird. Wenn er ihm dann in die Eier tritt, dann weiß ich, dass er gesund ist.
Uli Hoeneß zum Gesundheitszustand von Sebastian Deisler