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Gaudin doppelt - Tirat Carmel FC ringt Maccabi Haifa nieder

Ein Freitagabend, Flutlicht, 43.418 Zuschauer und ein Spiel, das so gar nichts von einem gemütlichen Wochenendauftakt hatte: Tirat Carmel FC bezwang Maccabi Haifa mit 2:1 (1:1) und festigte damit seinen Ruf als Mannschaft, die gern auf Umwegen zum Sieg kommt. Zwei Tore von Claude Gaudin machten den Unterschied - und ein Abend, an dem Maccabis Verteidiger Hans Rauch kurzzeitig vergaß, dass Innenverteidiger eigentlich keine Mittelstürmer sind.

Das Spiel begann, wie es enden sollte: mit Druck, Tempo und einem Schuss Wahnsinn. Kaum hatte Schiedsrichter Levi Ben-Ari angepfiffen, prüfte Rahim Erkin (1.) den Haifa-Keeper Yochanan Tamuz, der den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. Tirat Carmel stürmte, flankte, dribbelte - und traf zunächst nicht. 27 Schüsse aufs Tor standen am Ende zu Buche, so viele, dass man meinen konnte, die Statistikabteilung habe sich vertippt.

Dann aber kam die 25. Minute, und plötzlich stand es 0:1. Maccabi Haifa, bis dahin eher im Verteidigungsmodus, konterte über Demir Özcan. Dessen Flanke segelte in den Strafraum, wo Hans Rauch, Innenverteidiger mit der Aura eines Bauarbeiters und dem Instinkt eines Strafraumkillers, den Ball wuchtig ins Netz köpfte. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Rauch später. "Eigentlich sollte ich hinten bleiben, aber das war mir in dem Moment egal." Trainer David Goldmann raufte sich da noch die Haare.

Doch die Freude der Gäste währte nur kurz. Tirat Carmel FC reagierte, als hätte jemand den inneren Schalter von "kontrolliert" auf "wütend" gestellt. Neun Minuten später (34.) war es Claude Gaudin, der nach einem Pass von Rechtsverteidiger Hjalmar Dalgaard zum Ausgleich traf. Ein Tor aus dem Lehrbuch: Pass in die Tiefe, eiskalter Abschluss, und plötzlich war das Stadion wieder ein brodelnder Hexenkessel.

"Claude ist ein verrückter Hund", lachte Trainerin Babsi Klemm nach dem Spiel. "Er schießt aus allen Lagen, manchmal auch, wenn er gar keinen Ball hat. Aber heute war’s Gold wert."

Kurz vor der Pause wurde’s noch hektisch: Erst sah Maccabis junger Rechtsverteidiger Menachem Eschkol (18) Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, dann holte sich Rasmus Clausen auf der Gegenseite dieselbe Farbe ab. "Er hat mich gar nicht getroffen", beschwerte sich Eschkol später, bevor er einräumte: "Na ja, fast nicht."

Nach dem Seitenwechsel drehte Tirat Carmel endgültig auf. Trainerin Klemm hatte offenbar in der Kabine die Pressing-Schraube angezogen, und die Gastgeber liefen Maccabi nun hoch an. In der 55. Minute jubelte das Stadion wieder: Gaudin traf erneut, diesmal nach Vorlage von Clausen. Ein perfekter Spielzug, schnell, präzise, unaufhaltsam. "Das war so ein Moment, in dem du weißt, warum du Fußball spielst", sagte Gaudin später - und grinste, als hätte er gerade ein Geheimnis verraten.

Maccabi Haifa kam kaum noch zur Entfaltung. Vier magere Torschüsse standen am Ende auf dem Zettel. "Wir hätten wohl noch bis Mitternacht spielen können, ohne ein zweites Tor zu schießen", murmelte Trainer Goldmann in die Mikrofone. Seine Mannschaft kämpfte tapfer, doch Tirat Carmel hatte das Spiel im Griff, auch wenn der Ballbesitz mit 52 zu 48 Prozent erstaunlich ausgeglichen blieb.

In der Schlussphase versuchte Haifa noch einmal alles, aber außer einer zweiten Gelben Karte für Filip Samuelsson (90.) und einem halbherzigen Distanzschuss von Diego Espriu (64.) kam nicht mehr viel. Stattdessen hatte Tirat Carmel Chancen im Minutentakt - Sleeper, Carlsen, Clausen - doch Tamuz im Haifa-Tor hielt, was zu halten war.

Als Schiedsrichter Ben-Ari endlich abpfiff, fielen sich die Spieler der Gastgeber in die Arme. "Wir hätten das Ding früher zumachen müssen", knurrte Gaudin, "aber wenn’s spannend ist, feiern die Fans mehr." Und wirklich: Die 43.000 auf den Rängen taten genau das.

Trainerin Klemm fasste den Abend trocken zusammen: "Wir haben offensiv gespielt, defensiv gezittert und am Ende gewonnen. Also alles wie immer."

Und so verließ Tirat Carmel den Platz als verdienter Sieger - mit zwei Gaudin-Toren, einer Portion Nervenstärke und der Gewissheit, dass Fußball manchmal einfach kein Spiel der Logik ist.

Oder, wie es ein älterer Fan beim Rausgehen formulierte: "Ich bin wegen des Nervenkitzels hier. Und weil mein Herzarzt in der Nähe wohnt."

08.11.643990 00:12
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Ich habe nur immer meinen Finger in Wunden gelegt, die sonst unter den Tisch gekehrt worden wären.
Paul Breitner
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