Fréttablaðið
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Fylkir dreht das Spiel - Karlson-Brüder lassen Reykjavik beben

Es war einer dieser Abende, an denen man sich in Reykjavik fragt, ob der Wind den Ball oder der Ball den Wind kontrolliert. Trotzdem oder gerade deswegen bekamen die 9000 Zuschauer im Fylkisvöllur ein stürmisches Fußballstück geboten - mit allem, was dazugehört: späte Dramen, doppelte Karlsons und ein Trainer, der nach Abpfiff aussah, als hätte er gerade einen Schneesturm überlebt. Fylkir Reykjavik besiegte KR Stjarnan mit 3:2 (0:1) und drehte dabei eine Partie, die zur Halbzeit eher nach kaltem Fisch als nach heißem Fußball roch.

Die Gäste aus Stjarnan begannen mutiger, schossen öfter aufs Tor (16:11) und wirkten in der ersten Halbzeit abgeklärter. In der 43. Minute belohnte sich das Team von Trainer Andri Ólafsson: Torsten Ott, der junge Mittelfeldmotor mit dem Schuss eines Islandpferdes, traf nach feiner Vorarbeit von Innenverteidiger Bjarni Carlsson zum 0:1. "Ich dachte, er hebt den Ball raus, aber dann hat er ihn reingehämmert wie ein Schmied", grinste Ólafsson später - halb stolz, halb fassungslos, was danach passierte.

Denn nach der Pause kam Fylkir wie ausgewechselt aus der Kabine. Trainerlegende - der Name durfte geheim bleiben, angeblich wollte er "nicht noch einmal in der Zeitung neben Ólafsson stehen" - hatte offenbar die passenden Worte gefunden. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen mal tun, als wäre das Training vorbei und jetzt ginge es um etwas." Es wirkte.

In der 57. Minute schickte Knud Seitz mit einem Traumpass den 34-jährigen Linksaußen Ivar Karlson in die Tiefe. Der alte Fuchs setzte den Ball ins lange Eck - 1:1. Nur drei Minuten später war Bruder Eskil zur Stelle. Nach schöner Hereingabe von Anton Jonsson bugsierte er den Ball per Drehschuss ins Netz. 2:1, Stadion in Ekstase, Bier in der Luft, Trommeln auf den Rängen - Reykjavik bebte.

Doch Stjarnan gab sich noch nicht geschlagen. In der 69. Minute erzielte Olof Hreidarsson, nach einem kraftvollen Antritt über rechts und Pass von Timo Duverger, den Ausgleich zum 2:2. "Wir waren wieder drin, da dachte ich: jetzt kommt das 3:2 für uns", sagte Ólafsson. Eine Minute später kam das 3:2 - allerdings für Fylkir. Wieder war es Ivar Karlson, diesmal nach einem Eckball von Christian Mertens. "Ich war einfach zu faul, um zurückzulaufen", witzelte der Doppeltorschütze später. "Dann flog der Ball genau zu mir. Schicksal oder Rückenwind, keine Ahnung."

Danach war es wild. Stjarnan warf alles nach vorn, wechselte Offensivkräfte ein - Hugo Quiles, Georg Dahlin, später auch Ivar Gottskalksson - und schoss, was das Leder hergab. Zwischen der 74. und 96. Minute verzeichneten die Gäste gleich sieben Torschüsse. Aber Torwart Harald Sverrisson wurde zum Fels in der isländischen Brandung. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Ball kam", erzählte er lachend. "Vielleicht war’s das Nordlicht, das mir geholfen hat."

Zweimal Gelb (Jakob Söderberg, 42., und Herbert Carlsson, 91.) rundeten das Spiel ab. Keine groben Fouls, aber reichlich Emotion. 52,6 Prozent Ballbesitz für Fylkir, etwas mehr Ruhe am Ball, vielleicht auch etwas mehr Glück - und am Ende der Jubel, der noch bis in die Nacht durch die Straßen hallte.

Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe, dramaturgisch ein kleines Theaterstück in drei Akten: Stjarnans Überlegenheit, Fylkirs Auferstehung, Stjarnans verzweifelter Endkampf. "Manchmal ist Fußball wie ein alter Vulkan", philosophierte Eskil Karlson nach dem Spiel. "Du denkst, er schläft - und dann spuckt er Feuer."

Trainer Ólafsson nickte anerkennend, als er das hörte. "Wenn man mit zwei Karlsons spielt, braucht man eigentlich drei Abwehrspieler mehr", murmelte er. Humor hatte er also behalten, obwohl sein Team mit leeren Händen abreiste.

Fylkir indes feierte den vielleicht wichtigsten Sieg der Saison. Ein Sieg der Erfahrung über jugendlichen Elan, der Kaltschnäuzigkeit über Statistik. Und einer, der beweist: In Reykjavik weht nicht nur der Wind - manchmal auch der Fußballgott.

Oder, wie es ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte, während der Schnee leise auf die Tribüne fiel: "Wenn die Karlsons so weitermachen, nennen wir das Stadion bald Familienbetrieb."

13.04.643990 16:30
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Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund
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