Elfmeter
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Funk trifft doppelt - Verl lässt Fortuna Schneidlingen keine Chance

Wer am Samstagabend pünktlich zum Anstoß im Verler Stadion war, musste seine Jacke kaum schließen, bevor das erste Tor fiel. Ganze zwei Minuten dauerte es, ehe Tomas Funk, der quirlig-junge Rechtsaußen des FC Verl, den Ball nach einem langen Pass von Innenverteidiger Oscar Schramm trocken ins Netz setzte. Die 1749 Zuschauer rieben sich die Augen - so schnell hatte hier lange keiner getroffen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Funk später, "und gehofft, dass keiner merkt, dass ich eigentlich mit dem linken Fuß zielen wollte."

Damit war der Ton des Abends gesetzt: Verl spielte mutig, zielstrebig, und Fortuna Schneidlingen wirkte von Beginn an so, als habe die Mannschaft den Bus noch im Kopf. Nur neun Minuten nach dem 1:0 legte Milan Nad nach - ebenfalls 19, ebenfalls eiskalt. Nach Vorarbeit von Age Herlovsen schob er den Ball überlegt ins lange Eck. 2:0 nach elf Minuten, und das Publikum summte bereits die Melodie, die man sonst erst nach Abpfiff anstimmt.

Trainer Mr. Nobody - der Name ist Programm, aber die Leistung seines Teams war es nicht - stapfte kurz an die Seitenlinie, klatschte zweimal in die Hände und rief: "Weiter, Jungs, das ist erst der Anfang!" Fortuna-Coach Daniel Graysmark (der gleichzeitig Torwart ist - Verbandsliga eben) brüllte unterdessen: "Raus jetzt, enger stehen!", was ungefähr so viel half wie ein Regenschirm im Sturm.

Dabei war Schneidlingen gar nicht chancenlos - zumindest auf dem Papier. 53 Prozent Ballbesitz, das klingt nach Kontrolle, nach Struktur. Was aber nutzt der Ball, wenn er stets im Niemandsland endet? Ganze ein einziger Schuss fand den Weg aufs Tor. Torwart Vahap Camdali im Verler Kasten hätte theoretisch während des Spiels Sudoku lösen können. "Ich hab bei einem Abstoß fast gegähnt", gab er nachher mit einem Augenzwinkern zu.

Verl dagegen schloss ganze 22 Mal ab. Funk und Nad wirbelten über die Flügel, Phillip Geiger zog aus allen Lagen ab, und selbst Außenverteidiger Jean Pelletier versuchte es einmal aus 25 Metern - der Ball ging zwar in die Baumkrone hinter dem Tor, aber Applaus gab’s trotzdem.

Zur Pause stand es 2:0, und die Zuschauer waren sich einig: Das wird heute ein ruhiger Abend. Doch Verl wäre nicht Verl ohne ein bisschen Drama. In der 41. Minute sah Detlev Heinrich Gelb, und in der 76. folgte die Ampelkarte. "Ich wollte nur den Ball spielen", verteidigte er sich später, "aber der Ball war eben schneller." Trainer Nobody kommentierte trocken: "Wenn du zweimal zu spät kommst, bist du eben pünktlich unter der Dusche."

Trotz Unterzahl ließ Verl nichts anbrennen. Die jungen Wilden liefen weiter, als hätten sie noch einen Sprinttest zu bestehen. Funk krönte seine starke Leistung schließlich in der 96. Minute mit seinem zweiten Treffer - nach einem cleveren Zuspiel von Marcel Rudolph. Selbst der Schiedsrichter grinste, als Funk jubelnd Richtung Eckfahne rannte. 3:0, das Endergebnis. Verdienter konnte ein Sieg kaum sein.

Fortuna Schneidlingen dagegen trottete vom Feld wie eine Truppe, die sich fragte, ob sie vielleicht versehentlich beim falschen Sport gelandet war. Kapitän Tim Pfeifer fasste es später treffend zusammen: "Wir hatten den Ball, aber Verl hatte Spaß."

Die Statistik spricht Bände: 22:1 Torschüsse, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Verl - und das, obwohl der Ballbesitz prozentual an die Gäste ging. "Wir wollten eben nicht nur den Ball haben, sondern auch was damit anfangen", sagte Funk, der an diesem Abend zum Publikumsliebling avancierte.

In der Kabine soll es nach dem Spiel noch laut geworden sein - allerdings vor Lachen. Trainer Nobody soll, so berichten Zeugen, gefragt haben: "Wer hat eigentlich gesagt, dass wir defensiv stehen wollten?" Niemand meldete sich. "Gut", soll er gesagt haben, "dann bleiben wir eben offensiv - macht ja Spaß."

Fortuna Schneidlingen dagegen dürfte die Rückfahrt eher schweigend angetreten haben. Ob Trainer Graysmark seinen Jungs noch eine Standpauke hielt oder lieber über neue Trainingsformen nachdachte, blieb unklar. Sicher ist nur: Bei Verl läuft’s. Und wenn Funk und Nad so weitermachen, wird der Name "Nobody" bald ironisch klingen.

Ein Abend, der zeigte, dass Fußball manchmal ganz einfach ist: jung, mutig, frech - und mit einem Schuss Humor. Oder wie Funk beim Verlassen des Stadions sagte: "Manchmal muss man gar nicht viel denken. Einfach schießen. Und hoffen, dass der Ball drin ist."

22.08.643993 11:21
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Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund
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