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Fulneks späte Antwort: 2:2 im wilden Winterduell von Hradec Kralove

Ein kalter Januarabend, 27. Spieltag der tschechischen 1. Liga, Flutlicht, 27.008 Zuschauer - und ein Spiel, das so heiß war, dass selbst der Rasen am Ende leicht zu dampfen schien. Hradec Kralove und Fotbal Fulnek trennten sich 2:2, ein Ergebnis, das auf dem Papier nach Harmonie aussieht, auf dem Platz aber eine stürmische Achterbahnfahrt war.

Schon nach einer Viertelstunde ging’s rund: Vicente Zorrilla, der bullige Mittelstürmer der Hausherren, traf in Minute 14 nach schöner Vorarbeit von Ewan Rushton. Zorrilla grinste später: "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn’s kalt ist, muss man den Ball warm schießen." Zwei Minuten zuvor hatte er bereits eine dicke Chance liegen lassen - diesmal saß der Schuss.

Hradec spielte in der ersten Halbzeit so offensiv, dass man fast meinte, Trainer Thomas Michael Rinesch habe seine Jungs auf Dauerlauf gesetzt. Fulnek kam kaum aus der eigenen Hälfte, und als Rushton in der 23. Minute selbst traf - flankiert von Nael Meireles - schien der Drops gelutscht. 2:0, und die Fans von Hradec warfen sich gegenseitig in die Arme.

Doch Fulnek hat das Wort "aufgeben" offenbar aus seinem Vereinslexikon gestrichen. In der 37. Minute setzte der junge Rechtsaußen Vasile Korsos zu einem Solo an, das man so eher in YouTube-Zusammenstellungen sieht: Erst tunnelte er Verteidiger Jaime Nani (der sich später mit einer Gelben Karte tröstete), dann schob er eiskalt ins lange Eck ein. "Ich hab einfach gedacht: Warum nicht?", sagte Korsos nach dem Spiel mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Erstaunen lag.

Mit dem 2:1 ging’s in die Pause - und dort passierte einiges. Fulneks Trainerin Anja Kaiser, die an der Seitenlinie schon in der ersten Halbzeit mehr Kilometer machte als mancher Mittelfeldspieler, hatte offenbar die richtigen Worte gefunden. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn ihr schon nass und durchgefroren seid, dann wenigstens mit Punkten nach Hause gehen", verriet sie später.

Zur zweiten Halbzeit brachte sie Niklas Heinemann für den verletzten José Linares. Der Neue dankte es mit einem energischen Auftritt - und einer Gelben Karte nach knapp einer Viertelstunde. Aber die Gäste wirkten nun stabiler, durchdachter, zielstrebiger. Und in der 59. Minute kam die Belohnung: Jaroslav Kucera, der unauffällige Strippenzieher im Mittelfeld, zog nach feinem Zuspiel von Nicolaas Metternich aus 20 Metern ab - und der Ball zappelte im Netz. 2:2.

Ab da war’s ein offener Schlagabtausch. Hradec hatte zwar mit 15 Torschüssen zu 10 und leichtem Ballbesitzvorteil (50,8 Prozent) die Nase vorn, doch Fulnek verteidigte clever und lauerte weiter auf Konter. Zorrilla prüfte Fulneks Keeper Teoman Bilgin in der 81. und sogar noch in der 94. Minute, aber der junge Torwart wuchs über sich hinaus. "Ich hab einfach meine Hände in den Ball gehalten - und gehofft, dass sie dranbleiben", lachte Bilgin später, sichtlich erleichtert.

Trainer Rinesch wirkte nach Abpfiff eher wie jemand, der gerade einen Zahnarzttermin hinter sich hat. "Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit kontrolliert, dann aber das Gas rausgenommen. Das ist ärgerlich", knurrte er. Sein Gegenüber Kaiser hingegen strahlte: "Ein Punkt in Hradec ist wie ein Sieg. Und meine Jungs haben Charakter gezeigt - das kann man nicht trainieren."

Kurios wurde es zwischendurch auch: In der 45. Minute, kurz vor der Pause, lag Linares minutenlang auf dem Boden, während Fulneks Ersatzspieler sich schon warm machten. Aus der Coaching-Zone hörte man Rinesch rufen: "Der steht gleich wieder auf!" - tat er aber nicht. Stattdessen kam Heinemann und brachte neue Energie.

Am Ende blieb’s beim 2:2 - ein Ergebnis, das beiden Teams irgendwie passt. Hradec bleibt offensiv gefährlich, aber defensiv anfällig. Fulnek wiederum zeigt, dass Kampfgeist manchmal mehr wert ist als Ballbesitz. Die Zuschauer verabschiedeten ihre Teams mit Applaus - und einem leicht ironischen "Mehr davon!", das man in der Kälte des Abends nur zu gut verstand.

Vielleicht war’s kein Spiel für Feinschmecker, aber eines für Fußballromantiker: Tore, Emotionen, ein bisschen Chaos und viele Geschichten. Oder, wie Zorrilla es zusammenfasste: "Unentschieden sind wie halbe Siege - nur ohne Feierbier."

Man darf gespannt sein, ob beide Teams beim nächsten Aufeinandertreffen wieder so viel Drama bieten. Sicher ist nur: In Hradec wird’s nie langweilig.

27.11.643987 15:02
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