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Ein Pokalfinale, das als Paradebeispiel in jedes Trainerseminar eingehen könnte: "Wie man mit weniger Chancen mehr Tore schießt." 43.500 Zuschauer im ausverkauften Stadion von Strakonice sahen am Mittwochabend ein Spiel, das in der ersten Halbzeit auf weite Strecken eher an ein Schachduell erinnerte - mit dem kleinen Unterschied, dass die Figuren schwitzten. Am Ende jubelte Fotbal Fulnek über ein 2:0 (0:0) und damit über den Pokal, während die Gastgeber vom SK Strakonice mit hängenden Schultern und roten Köpfen in der Sommernacht verschwanden. Dabei hatte es lange so ausgesehen, als würde Strakonice die Partie in den Griff bekommen. Schon in der zweiten Minute prüfte Innenverteidiger Lubos Blaha den gegnerischen Keeper Fynn Frey mit einem wuchtigen Kopfball. "Ich dachte, wenn keiner trifft, mach ich’s halt", grinste Blaha später selbstironisch. Es blieb bei dem Versuch. Der Ballbesitz pendelte sich mit 49 zu 51 Prozent fast ausgeglichen ein, doch die Heimelf zeigte sich aggressiver, rackerte und presste, als ginge es um den letzten freien Platz im Mannschaftsbus. Fulnek dagegen spielte stoisch, beinahe zen-buddhistisch. Trainerin Anja Kaiser stand regungslos an der Linie, die Arme verschränkt, während Markus Falb auf der anderen Seite wie ein Dirigent ohne Orchester durch seine Coaching-Zone tänzelte. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte Kaiser später. "Strakonice hat gebrüllt, wir haben geflüstert. Und manchmal hört man das Flüstern eben besser." Die erste Halbzeit bot reichlich Möglichkeiten für die Hausherren: Zoran Krasic scheiterte gleich mehrfach (7., 17., 40., 43., 49. Minute), Pavel Kerbr versuchte es aus allen Lagen (24., 26., 37.), doch Frey im Fulnek-Tor hatte offenbar eine magnetische Beziehung zum Ball. "Ich schwöre, ich hab ihn gar nicht gesehen, der Ball war einfach da", lachte der Keeper. Fulnek kam erst kurz vor der Pause gefährlich vors Tor, als Rhys McGee einen Konter vergab. Trotzdem roch es nach Verlängerung - bis Minute 71 kam. Da schlug Fulnek eiskalt zu: Der 20-jährige Bertil Aagaard, kurz zuvor noch wegen eines ruppigen Einsteigens verwarnt, flankte präzise von rechts, und Zbynek Svoboda köpfte unhaltbar ein - 1:0. Vom Pressing des Heimteams war in dieser Szene nichts zu spüren, eher vom Schock. "Wir waren einen Schritt zu spät, vielleicht auch zwei", seufzte Strakonices Mittelfeldmotor Emil Musiala. Falb reagierte mit wilden Gesten, trieb seine Elf nach vorne. Doch die Minuten verronnen, Fulnek blieb abgeklärt. Die Gäste wirkten, als hätten sie irgendwo einen geheimen Entspannungsbrunnen gefunden. Kaiser wechselte nicht einmal hektisch, sie blieb bei ihrem ausgewogenen Konzept - "balanced", wie es in der Taktiktafel steht. In der Nachspielzeit dann die endgültige Entscheidung: Inigo Frechaut setzte sich im Mittelfeld durch, spielte flach in den Lauf von Svoboda, der den Ball trocken ins lange Eck setzte (94.). 2:0. Der Rest war Jubel, Bierdusche und ein stolzer Pokal, der bald im Vereinsheim von Fulnek stehen dürfte. "Das war kein Zufall", sagte Doppeltorschütze Svoboda, der nach dem Spiel mit goldenen Schuhen und einem noch breiteren Lächeln erschien. "Wir haben gewartet, bis Strakonice müde wurde. Dann war Platz - und ich hatte Lust." Die Statistik zeigt ein paradoxes Bild: 13 Torschüsse für Strakonice, nur sieben für Fulnek - aber das Ergebnis spricht Bände. Der Ball wollte einfach nicht rein. Vielleicht war es Pech, vielleicht aber auch Plan. "Wir schießen, wenn’s sicher ist", erklärte Trainerin Kaiser trocken - und griff sich dabei schmunzelnd das Siegerglas. Markus Falb hingegen war sarkastisch gefasst: "Wir hatten genügend Chancen, um zwei Spiele zu gewinnen. Leider zählen nicht die Chancen, sondern die Tore. Vielleicht ändert die FIFA das ja irgendwann." Während Fulnek ausgelassen mit den Fans feierte, saßen die Spieler von Strakonice noch lange auf dem Rasen. Torhüter Roman Koci, der bei beiden Treffern machtlos war, fasste es am besten zusammen: "Es fühlt sich an, als hätten wir das Spiel erfunden - und Fulnek hat die Regeln geändert." Ein Finale, das nicht durch Spektakel, sondern durch Effizienz entschieden wurde. Fulnek ist Pokalsieger - und Strakonice bleibt nur der Trost, dass man wenigstens schöner geschwitzt hat. Und irgendwo auf der Pressetribüne schrieb ein Kollege in sein Notizbuch: "Schussstatistik lügt nicht - aber sie erzählt auch nicht die ganze Wahrheit." 02.07.2026 07:13 |
Sprücheklopfer
Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist das noch lange nicht!
Rudi Völler