// Startseite
| Noticias de Guatemala |
| +++ Sportzeitung für Guatemala +++ |
|
|
|
Ein kühler Abend in Retalhuleu, Flutlicht, 12.500 Zuschauer, die voller Hoffnung auf ihre Union Retalteca blickten - und am Ende mit hängenden Schultern und einem 0:2 nach Hause gingen. Loro Petapa, das Team von Trainer Kevin Meier, spielte schlicht smarter, zielstrebiger und, ja, erwachsener. Und mittendrin: Sebastian Fuchs, der 31-jährige Stürmer, der an diesem Abend den Unterschied machte. Die erste Halbzeit war ein zähes Ringen. Retalteca wollte, Petapa konnte. Der Ballbesitz war fast ausgeglichen (48,6 zu 51,4 Prozent), doch während die Gastgeber mit zwei zaghaften Abschlüssen das Tor kaum sahen, prüften die Gäste den Heimkeeper gleich 15-mal. "Wir haben uns den Ball schön hin- und hergeschoben, aber am Ende fehlte der Mut", seufzte Union-Mittelfeldmann Vicente Eusebio später. In der 27. Minute versuchte er’s immerhin einmal selbst - der Schuss geriet harmlos, fast schon höflich. Loro Petapa hingegen agierte von Beginn an offensiv. Der 17-jährige Marcos Quevedo legte los wie ein entfesselter Welpe auf Kunstrasen: Schon nach sechs Minuten prüfte er Union-Keeper Dimas Djalo, kurz darauf wieder, und wieder - drei Mal binnen zwanzig Minuten. Trainer Meier grinste später: "Der Junge hat keine Angst, nicht mal vor Physik. Wenn er denkt, er kann aus der Drehung treffen, dann schießt er eben." Das 0:0 zur Pause schmeichelte den Gastgebern. Und kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, passierte, was sich längst angedeutet hatte: In der 47. Minute bekam Ingo Botin zentral den Ball, legte mit Übersicht auf Fuchs ab - und der drosch das Leder trocken ins lange Eck. 1:0 für Loro Petapa, Stille im Stadion, Jubel auf der Gästebank. Union Retalteca reagierte - allerdings mit einer Gelben Karte. Schon eine Minute nach dem Gegentreffer sah Humberto Tiago Gelb, nachdem er Botin unsanft stoppte. "Ich wollte nur den Ball treffen", erklärte Tiago später und fügte mit einem Grinsen hinzu: "Leider war der Ball ein bisschen weiter weg als gedacht." Die Hausherren mühten sich, kamen aber kaum zu Chancen. Pau Benitez setzte in der 78. Minute den einzigen nennenswerten Versuch der zweiten Hälfte ab - direkt auf den 17-jährigen Petapa-Keeper Fernando Eximenonis, der souverän parierte. Petapa spielte das clever herunter. Gelb gab’s noch für Ingo Duran (74.), Noe Celis (90.) und Kian Townsend (91.), aber das störte niemanden mehr. Denn in der 87. Minute war wieder Fuchs zur Stelle. Diesmal kam die Vorlage von Axel Loens, und der Stürmer nickte zum 2:0 ein - der endgültige K.o. für Retalteca. Fuchs hob danach entschuldigend die Hände Richtung Heimkurve, fast so, als wolle er sagen: "Tut mir leid, aber das ist mein Job." "Wir haben heute gesehen, was Routine wert ist", resümierte Petapa-Coach Meier nach dem Spiel. "Fuchs ist kein Sprinter mehr, aber wenn’s drauf ankommt, steht er da, wo’s weh tut." Sein Gegenüber - der Trainer von Retalteca, der lieber ungenannt bleiben wollte - wirkte dagegen bedient: "Wir hatten das Spiel im Griff, bis die Tore fielen", sagte er und blickte dabei so, als frage er sich selbst, ob das logisch klingt. Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus. Vielleicht, weil sie spürten, dass Loro Petapa an diesem Abend schlicht die bessere Fußballmannschaft war. 15 Torschüsse, stabile Defensive, kontrolliertes Offensivspiel - das war kein Zufall, sondern System. Nach Spielende, als die Flutlichter langsam heruntergedimmt wurden, stand Fuchs noch lange an der Mittellinie, sprach mit den jungen Quevedo und Kassatonow. "Ich hab ihnen gesagt, dass sie dranbleiben sollen", erzählte er später. "Wenn du siehst, wie die rennen - das erinnert mich daran, warum ich den Sport liebe." Union Retalteca hingegen wird sich neu sortieren müssen. Zwei Torschüsse sind einfach zu wenig, um in der 1. Liga Guatemalas zu bestehen. Vielleicht braucht es weniger Ballbesitz und mehr Mut, vielleicht einfach ein bisschen Fuchs’sche Kaltschnäuzigkeit. Oder, wie ein Fan auf der Tribüne seufzte, als das 0:2 fiel: "Wir brauchen gar keinen neuen Trainer. Wir brauchen einen Sebastian Fuchs." Ein Spiel, das keine Fragen offen ließ - außer die, wie man eigentlich 48 Prozent Ballbesitz haben kann, ohne wirklich am Spiel teilzunehmen. Doch das ist eine Statistik, die Retalteca wohl noch länger beschäftigen wird. 14.09.643993 14:47 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale