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Ein kalter Januarabend, Flutlichtatmosphäre, 5000 Zuschauer und 22 Männer, die ab der ersten Minute so taten, als hinge die Weltmeisterschaft von diesem 11. Spieltag der 3. Liga ab. Am Ende stand ein 1:1 zwischen dem VfL Frohnlach und Weiler im Allgäu - ein Ergebnis, das sich wie ein Sieg für die Gastgeber und wie eine verpasste Großchance für die Gäste anfühlte. Weiler begann stürmisch, als wolle man den Platz gleich mit abtragen. Schon in den ersten zwanzig Minuten prüften Linus Berger (16.), Ruben Guillen (17.) und Nick Scherer (19.) Frohnlachs Torwart Luka Behrendt - der hatte offenbar seinen Kaffee stark genug gebrüht, denn er parierte alles, was kam. "Ich hatte heute das Gefühl, das Tor sei kleiner als sonst", grinste Behrendt später, "aber vielleicht lag das an deren Zielwasser." Frohnlach hingegen spielte, sagen wir, ökonomisch: Wenig Ballbesitzphasen, aber wenn, dann zielgerichtet. In der 32. Minute reichte eine dieser seltenen Kombinationen, um das Stadion beben zu lassen. Jefim Nabokow zog über rechts, flankte halbhoch in den Strafraum, und Taylan Demirkiran nahm den Ball direkt - 1:0! Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch, und das gegen den Spielverlauf. "Ich hab gar nicht geschaut, ob der reingeht", gab Demirkiran zu, "ich hab einfach auf gut Glück draufgehalten." Glück hatte Frohnlach da tatsächlich, denn bis zur Pause war Weiler trotz 56 Prozent Ballbesitz der Gastgeber die aktivere Mannschaft. Trainer Mino Raiola - ja, der Mino Raiola, der offenbar nach seiner Beraterkarriere beschlossen hat, auch an der Seitenlinie laut zu sein - brüllte seine Jungs zur Pause derart zusammen, dass man auf der Haupttribüne die Kaffeetassen festhalten musste. Wirkung zeigte das durchaus. Nach dem Dreifachwechsel in der 60. Minute - Foerster, Cabrera und Fritsch kamen - rollte Angriff auf Angriff auf Frohnlachs Strafraum zu. In der 70. Minute war es dann soweit: Der eingewechselte Heinrich Foerster spielte einen butterweichen Pass in die Schnittstelle, Jannick Fritsch startete perfekt, blieb vor Behrendt eiskalt - 1:1. Der Ausgleich war verdient, und die Gäste rochen Lunte. "Wir wollten das Ding dann komplett drehen", erklärte Fritsch später, "aber irgendwie war jedes Bein im Weg, das Frohnlach finden konnte." Und davon gab es viele. Vor allem das von Noe Kasperczak, der in der 89. Minute übermotiviert in einen Zweikampf rauschte und dafür glatt Rot sah. "Ich wollte nur den Ball treffen", murmelte er, während er in die Kabine trottete - wahrscheinlich war das Leder da schon längst in einem anderen Postleitzahlengebiet. Trotz Unterzahl rettete Frohnlach den Punkt über die Zeit. Statistisch gesehen war’s ein Wunder: Weiler mit 16 Torschüssen, Frohnlach mit 5. Ballbesitz 56 zu 44 Prozent für die Heimelf, aber die gefährlicheren Szenen gehörten den Gästen. Trainer Raiola konnte es kaum glauben: "Wenn Fußball gerecht wäre, stünden wir heute mit drei Punkten da. Aber vielleicht war der Fußball heute einfach romantisch - und schenkte den Frohnlachern ein kleines Märchen." Auf der anderen Seite gab man sich bescheiden. Ein sichtlich erleichterter Frohnlacher Co-Trainer (Chefcoach war wohl auf Kur, wie man munkelt) seufzte: "Manchmal reicht ein Tor und viel Herz. Und ein Torwart, der sich für Superman hält." So endete der Abend mit gemischten Gefühlen: Frohnlach feierte das Unentschieden wie einen Sieg, während Weiler im Allgäu ratlos den Bus bestieg. "Wir haben das Spiel gemacht, aber Frohnlach hat das Tor gemacht", fasste Linus Berger trocken zusammen. Vielleicht ist das die Essenz dieses Sports: Zahlen sagen das eine, Emotionen das andere. Und am Ende zählt nur, wer weniger Fehler macht - oder wer im richtigen Moment Taylan Demirkiran im Team hat. Und so blieb den 5000 Zuschauern beim Hinausgehen nur ein Gedanke: Es war kein perfekter Fußballabend, aber einer, über den man noch beim Frühschoppen reden wird. Denn wenn Frohnlach und Weiler sich wiedersehen, wird’s garantiert kein leiser Abend. 14.05.643987 21:15 |
Sprücheklopfer
Wir haben ungefähr 27 Gruppen im Kader. Wir treten an unter der Prämisse der Artenvielfalt.
Christoph Daum über die Gruppchenbildung in seinem Team