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Es war ein Spiel, wie es in den ersten Frühlingstagen Schwedens kaum besser passen könnte: wild, chaotisch, mit viel Herzblut und noch mehr gelben Karten. 32.181 Zuschauer im Stadion von Örnsköldsvik erlebten am Montagabend beim Auftakt der 1. Liga einen Fußballabend, der eher einem Rockkonzert glich - inklusive Bühnensturm und Pyro, nur dass die Musik diesmal von den Schuhen der Spieler kam. Friska Viljor FC besiegte den favorisierten Helsingborg FF mit 4:3 (2:1) und schickte damit ein deutliches Signal an den Rest der Liga: Hier wird nicht verwaltet - hier wird gespielt, gerannt und, wenn nötig, auch geprügelt. Schon in der 7. Minute ging Friska durch den 19-jährigen Otto Bruun in Führung. Der Youngster verwertete eine Hereingabe von Olivier Bonnaire, als wäre er schon zehn Jahre Stammspieler. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Bruun nach dem Spiel, "ich dachte, der Ball sei schon draußen." Trainer Stefan Perten, sonst eher wortkarg, murmelte nur: "Wenn der Junge so weitermacht, muss ich ihn irgendwann auswechseln, um ihn zu schonen - vor sich selbst." Doch Helsingborg zeigte, warum sie als Mitfavorit gelten. In der 18. Minute traf Mitrofan Makarow, der rechte Flügelflitzer mit dem Temperament eines Espresso doppio, zum Ausgleich. "Ich wollte das Netz mitnehmen", sagte er später. Man glaubte es ihm sofort. Die Partie blieb offen, doch Friska antwortete prompt: Bonnaire, 34 Jahre jung und immer noch mit der Eleganz eines französischen Theaterdarstellers, erzielte in der 29. Minute das 2:1 - diesmal nach Vorarbeit des 17-jährigen Gunnar Hanson. "Ich habe Gunnar gesagt, er soll einfach laufen. Ich wusste nicht wohin, aber er ist gelaufen - und dann war der Ball da", lachte Bonnaire. Mit 2:1 ging es in die Pause, doch Helsingborg kam mit Druck aus der Kabine. Innerhalb von zwei Minuten (46. und 47.) drehten Lennard Rothe und erneut Makarow das Spiel - plötzlich stand es 2:3 aus Sicht der Gastgeber, und die Friska-Fans rieben sich ungläubig die Augen. "Wir waren kurz in Schockstarre", gab Kapitän Cesar Adao zu. "Aber dann hat Joshua ’Air’ Adams beschlossen, dass das nicht unser Ende ist." In der 65. Minute war es der frisch eingewechselte Adams, der nach feinem Zuspiel von Maik Schulte den Ball unter die Latte jagte. 3:3 - und das Stadion brodelte. "Ich hab Maik zugerufen: ’Schick mich!’ - und er hat’s tatsächlich gemacht", grinste Adams. Doch das schönste Kapitel des Abends schrieb ein Mann, der eigentlich gar nicht mehr auf dem Platz sein sollte. Bailey Malfoy, erst in der 55. Minute eingewechselt und später noch gelb verwarnt, tauchte in der 92. Minute plötzlich im Strafraum auf. Tiburtius Larsson flankte butterweich, und Malfoy köpfte zum 4:3 ein. Der Jubel war grenzenlos - bis der Schiedsrichter kurz darauf Alexander Vischspoel (Helsingborg) mit Rot vom Platz schickte. "Ich hab nur freundlich gefragt, ob er sicher ist", erklärte der Verteidiger trocken. So endete ein Spiel, das in keiner Statistik aufgehen will: 36 Prozent Ballbesitz für Friska, aber vier Tore. Helsingborg hatte 63 Prozent und elf Schüsse aufs Tor - und trotzdem null Punkte. "Wir hatten das Spiel in der Tasche", knurrte Gästecoach Lars Vegas. "Leider war ein Loch in der Tasche." Stefan Perten dagegen zeigte sich nachsichtig. "Wir waren nicht die Besseren, aber wir wollten es mehr. Und manchmal reicht das." Dass Louis Van de Perre in der 81. Minute mit Gelb-Rot vom Platz flog, passte ins Bild eines Spiels, das alles hatte - nur keinen Leerlauf. "Ich wollte eigentlich nur höflich fragen, ob das Foul wirklich so schlimm war", sagte der Belgier mit einem Zwinkern. Als die Flutlichter erloschen, blieb das Gefühl, etwas Großes gesehen zu haben. Kein perfekter Fußball, aber ehrlicher, rauer, nordischer Kampf. Ein 4:3, das in Erinnerung bleibt - nicht wegen der Taktik, sondern wegen des Wahnsinns. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen lakonisch meinte: "Wenn das der erste Spieltag war, brauche ich für den Rest der Saison Beruhigungstee." Und wer weiß - vielleicht ist das genau das Rezept, das Friska Viljor FC in diesem Jahr an die Tabellenspitze bringt. 11.11.643993 19:15 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: