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Freiburgs Regionalliga-Elf hat am Mittwochabend vor 4739 Zuschauern im heimischen Stadion gezeigt, dass jugendlicher Leichtsinn manchmal das beste Rezept gegen Routine ist. Mit 2:1 (2:0) gewann die Mannschaft von Trainer Richard Thunderbird gegen den SV Linx - ein Spiel, das weniger durch taktische Finessen als durch Herzblut, Tempo und gelegentliche Verwirrung in beiden Abwehrreihen glänzte. Schon nach wenigen Minuten war zu spüren, dass die Freiburger Lust auf Fußball hatten. Rechts außen William Patton prüfte in der 7. Minute Linx-Keeper Oscar Haase mit einem satten Schuss - ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. "Da war richtig Dampf drin", grinste Patton später, "aber Haase hat die Handschuhe wohl frisch aus dem Kühlschrank geholt - eiskalt gehalten!" In der 29. Minute dann das 1:0: Der 18-jährige Helmut Schiller, mit jugendlicher Unbekümmertheit und einer Frisur, die jedem Fahrtwind trotzt, zog von rechts nach innen und schlenzte den Ball ins lange Eck. Vorlagegeber Werner Walter jubelte mit ausgestreckten Armen, als hätte er selbst getroffen. "Ich hab’ ihm zugerufen: ’Mach was draus!’ - und er hat’s tatsächlich gemacht", erzählte Walter nach dem Spiel und lachte, als wüsste er selbst nicht genau, wie das passiert war. Elf Minuten später folgte der nächste Streich. Wieder war Schiller beteiligt, diesmal als Vorlagengeber: Ein präziser Pass auf den jungen Tim Kolb, 19 Jahre jung, eiskalt im Abschluss - 2:0. Linx-Verteidiger Bernt Prinz sah in dieser Szene eher aus wie ein höflicher Zuschauer, der Platz macht. Trainer Michal Dickschat tobte an der Seitenlinie: "In der Kabine haben wir über genau diese Laufwege gesprochen! Leider nur wir Trainer." Mit dem beruhigenden Vorsprung ging es in die Pause, Freiburg hatte etwas mehr Ballbesitz (rund 54 Prozent) und wirkte sicher, auch wenn Linx mit neun Torschüssen insgesamt gefährlicher war, als das Ergebnis vermuten lässt. Doch die Gäste brauchten bis zur 69. Minute, um sich zu belohnen: Bernt Kühne, der 33-jährige Mittelfeld-Stratege, hämmerte den Ball unter die Latte, nachdem Dieter Wagner ihm mustergültig aufgelegt hatte. "Ich hab’ einfach draufgehalten", sagte Kühne später, "in meinem Alter denkt man nicht mehr lange nach." Danach wurde es hitzig. Freiburgs Rechtsverteidiger Olivier Martel kassierte Gelb (77.), Linx’ Angreifer Wolfgang Seitz musste kurz zuvor verletzt raus (74.) - der SV Linx wechselte Ralph Konrad ein, der prompt für frischen Wind sorgte. In dieser Phase drückten die Gäste, spielten offensiver, gingen in jeden Zweikampf mit voller Wucht. Freiburg wirkte plötzlich nervös, Keeper Leon Kessler brüllte seine Vorderleute an: "Leute, wir spielen hier nicht Fangen!" Trainer Thunderbird blieb gelassen. "Ich hab ihnen zugerufen, sie sollen einfach wieder Fußball spielen - nicht Schach." Seine Gelassenheit übertrug sich irgendwann auf die Mannschaft. Zwar kam Linx noch zu Chancen - unter anderem durch Eduardo Henrico (72.) und Jan Hermann (81.) -, doch der Ball wollte nicht mehr rein. Kurz vor Schluss musste Freiburgs Linksverteidiger Christian Ackermann verletzt vom Platz (87.), wurde durch David Sauer ersetzt. "Ich hab gemerkt, dass’s zwickt", sagte Ackermann später, "aber ehrlich gesagt war das auch ein ganz guter Zeitpunkt, um vom Platz zu gehen." Linx drückte bis zur letzten Minute, doch Freiburg konterte clever. In der Nachspielzeit hatte Tim Kolb sogar noch die Möglichkeit zum 3:1, vergab aber aus spitzem Winkel. Danach war Schluss - und die Freiburger feierten ihren Arbeitssieg, während Linx enttäuscht, aber erhobenen Hauptes vom Platz ging. Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen: Acht Torschüsse für Freiburg, neun für Linx. Die Zweikampfquote? Ein mathematisches Wunder - beide Teams trennten gerade einmal 0,008 Prozentpunkte. Wenn Fairness messbar wäre, dieses Spiel hätte sie erfunden. "Wir haben heute nicht schön gespielt, aber effektiv", bilanzierte Trainer Thunderbird. Sein Gegenüber Dickschat nickte nur trocken: "Effektivität ist ja auch eine Form von Schönheit." Und so bleibt von diesem Abend das Bild einer jungen Freiburger Mannschaft, die mutig aufspielte, einer Linxer Elf, die nie aufgab, und eines Publikums, das trotz kühler Temperaturen warmherzig applaudierte. Oder, wie der Stadionsprecher beim Abpfiff meinte: "Fußball ist manchmal einfach - man muss nur öfter ins Tor treffen als der Gegner." Recht hat er. 25.06.643993 14:27 |
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