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Es war ein kalter Mittwochabend im Januar, aber die 1812 Zuschauer im Freiburger Stadion bekamen ein Spiel zu sehen, das ihnen ordentlich einheizte. Freiburg führte zur Pause, kontrollierte Ball und Gegner - und stand am Ende doch mit leeren Händen da. Aschaffenburg gewann das Pokalgruppenspiel der Regionalliga A mit 2:1 und bewies, dass jugendlicher Leichtsinn manchmal einfach frischer wirkt als routinierte Vernunft. Die Partie begann forsch: Schon nach fünf Minuten prüfte Aschaffenburgs Dieter Schmitz den Freiburger Keeper Leon Kessler mit einem satten Linksschuss. "Ich wollte ihm mal guten Abend sagen", grinste Schmitz später. Freiburg antwortete mit kühler Ballkontrolle - 52 Prozent Ballbesitz sprechen eine klare Sprache -, aber erst in der 32. Minute fiel der Lohn der Mühe: Der erst 18-jährige Tim Kolb traf nach blitzsauberer Vorarbeit von Werner Walter zum 1:0. Walter hatte sich links durchgetankt, sah Kolb einlaufen, und der junge Stürmer schob überlegt ein. "Ich dachte kurz, ich sei im falschen Film", lachte Kolb. "So viel Platz habe ich sonst nur beim Aufwärmen." Freiburg spielte daraufhin mit der Ruhe einer Mannschaft, die glaubte, alles im Griff zu haben. Trainerin Stefanie Becker gestikulierte an der Seitenlinie zwar lebhaft, aber es schien mehr um die Frisur im Wind zu gehen als um taktische Korrekturen. Aschaffenburg blieb bemüht, fand aber keine Lücke. "Wir sahen aus wie ein Auto ohne Schlüssel", knurrte ihr Trainer Tesco Toni später. "Viele Ideen, aber keiner, der sie startet." Nach der Pause wurde das Spiel zunehmend ruppiger. Sebastian Hess (49.) holte sich Gelb ab, kurz darauf folgte Freiburgs Olivier Martel (62.) - eine Szene, die mehr an Ringen als an Fußball erinnerte. Die Zweikampfquote lag bei nahezu ausgeglichenen 50 zu 50 Prozent, doch Aschaffenburg begann, den Ton anzugeben. Besonders auffällig: der 17-jährige Innenverteidiger Sefer Ak, der hinten abräumte und vorne plötzlich den Ausgleich erzielte. In der 73. Minute stieg er nach einer Ecke von Adriano Salinas am höchsten und köpfte zum 1:1 ein. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass keiner im Weg steht", sagte Ak danach, als wäre es das Normalste der Welt, mit 17 in einem Pokalspiel zu treffen. Und kaum hatten sich die Freiburger wieder sortiert, da kam die kalte Dusche: Vier Minuten später drehte Aschaffenburg die Partie. Dieter Schmitz, der schon in der ersten Halbzeit auffälligster Offensivmann gewesen war, staubte nach einem Durcheinander im Strafraum ab - Vorlage, wer sonst, der Teenager Ak. 2:1, und plötzlich war es mucksmäuschenstill im Stadion. Trainerin Becker trat einmal wütend in die Coaching-Zone und rief: "Wir haben doch gesagt, keine Geschenke nach Weihnachten!" - zu spät. Freiburg versuchte danach alles. Blume und Kolb feuerten noch einige Schüsse ab (insgesamt 12 Torschüsse wie die Gäste), doch es blieb beim Verzweifeln. Der Ball lief, doch der Glaube schien weg. In der 85. Minute hatte Kolb noch einmal die große Chance, scheiterte aber an Torwart Volker Barth, der mit Katzenreflexen den Sieg festhielt. "Ich hab einfach gehofft, dass mir der Ball an die Hände springt", sagte Barth bescheiden, während hinter ihm Schmitz schon Selfies mit den wenigen mitgereisten Fans machte. Statistisch betrachtet war es ein Duell auf Augenhöhe: 12:12 Torschüsse, fast identischer Zweikampfwert, leichtes Ballbesitzplus für Freiburg. Aber während die Gastgeber ihre Chancen verspielten, zeigten die Gäste Kaltschnäuzigkeit. "Manchmal reicht Mut statt Mauer", philosophierte Aschaffenburgs Coach Toni bei der Pressekonferenz und grinste, als hätte er gerade den Fußball neu erfunden. Becker hingegen wirkte gefasst: "Wir haben das Spiel in fünf Minuten verloren. Davor war alles okay - aber das reicht eben nicht." Als die Flutlichter ausgingen, stapften die Freiburger Spieler kopfschüttelnd vom Platz. Kolb tröstete den 17-jährigen Walter, der mit gesenktem Kopf in die Kabine ging. "Kopf hoch", sagte Kolb, "wir sind jung, aber die anderen waren’s heute jünger." Treffender kann man dieses Spiel kaum zusammenfassen. Und so bleibt Freiburg im Pokal weiter auf der Suche nach der eigenen Konstanz, während Aschaffenburg mit jugendlicher Unbekümmertheit Richtung Viertelfinale stürmt. Vielleicht ist das die Moral des Abends: Erfahrung ist schön - aber manchmal gewinnt einfach die Frechheit. 30.06.643987 01:55 |
Sprücheklopfer
Nevio Scala ist ein phantastischer Trainer und er hat eine tolle Mannschaft. Dortmund wird ganz sicher Weltmeister!
Giovanni Trappatoni