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Ein Freitagabend, Flutlicht, 7690 Zuschauer im Rothemanner Stadion - und ein Spiel, das stellenweise mehr an ein Tischkicker-Match erinnerte als an ein Drittligaduell. Am Ende jubelte Einheit Frankfurt über ein 3:2 (2:2) beim TSV Rothemann, ein Sieg, der so überraschend kam wie ein Sonnenbrand im Januar. Dabei hatte alles so gut für die Gastgeber begonnen. Schon in der 13. Minute zirkelte Mariusz Mencel nach feiner Vorarbeit von Marvin Kessler den Ball ins Netz. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Mencel später, "und diesmal war kein Vogel im Weg." Das Publikum tobte, Trainer Saper Lot pumpte die Faust - und die Frankfurter Abwehr wirkte für einen Moment wie in der Winterpause. Doch Einheit Frankfurt ist jung, frech und manchmal auch grenzenlos naiv - was an diesem Abend zum Vorteil wurde. In der 20. Minute tankte sich der 19-jährige Miguel Manuel, eigentlich Rechtsverteidiger, nach Pass von Rui Valente nach vorn und haute das Ding trocken unter die Latte. "Ich wusste selbst nicht, dass ich so einen Schuss habe", staunte Manuel nach dem Spiel, während Mitspieler Valente lachend ergänzte: "Ich wusste es auch nicht." Kaum hatten sich die Rothemanner von dem Schock erholt, schlugen sie zurück. Ake Pettersson, der schnelle Schwede auf der rechten Seite, traf nach 36 Minuten zur erneuten Führung - vorbereitet von Mike Turcotte, der sich zuvor elegant durch die Frankfurter Abwehr gedribbelt hatte. "Da war kurz Brasilien in mir", witzelte Turcotte, "leider nur für fünf Sekunden." Doch Rothemann wäre nicht Rothemann, wenn man einen Vorsprung auch mal halten würde. Nur eine Minute später glich Liam Latham für die Gäste aus - natürlich wieder auf Zuspiel des umtriebigen Rui Valente. 37. Minute, 2:2, und das Stadion seufzte kollektiv. "Da hab ich kurz gedacht, wir spielen Eishockey", knurrte Coach Lot in der Pause. Die zweite Hälfte brachte dann weniger Spektakel, aber mehr Spannung. Frankfurt, das mit 14 Torschüssen deutlich zielstrebiger war als Rothemann (8), übernahm zunehmend die Kontrolle. Trainer Leo Gert wechselte früh und mutig: Latham raus, der 18-jährige Yossi Levinger rein - frischer Wind statt jugendlicher Sturm. Auch Keeper Matthias Eder musste verletzt runter, Jack Henderson, kaum 19, feierte ein unerwartetes Debüt. "Ich hatte eigentlich Chips geholt", lachte Henderson, "dann rief der Trainer meinen Namen." Rothemann kämpfte, hielt dagegen, hatte durch Mencel (66.) und Lundqvist (67.) zwei gute Chancen, doch der Ball wollte nicht mehr rein. Stattdessen machte Frankfurt in der 76. Minute alles klar: Billy Satchmore, der linke Wirbelwind, verwertete eine butterweiche Flanke von Kian Linney zum 3:2. "Das war kein Zufall", meinte Satchmore selbstbewusst. Trainer Gert sah das ähnlich, grinste aber: "Das war pure Physik - Ball, Fuß, Tor." Danach wurde es hitzig. Miguel Manuel holte sich in der 86. Minute noch Gelb, und kurz zuvor musste Linksverteidiger Filip Henriksson verletzt runter. "Hoffentlich nur eine Zerrung", murmelte der Coach, während er die letzten Minuten mit verschränkten Armen an der Seitenlinie verfolgte. Rothemann warf in der Schlussphase alles nach vorn - inklusive Keeper Browning, der in der Nachspielzeit sogar bei einem Freistoß in den Strafraum sprintete. Marvin Kessler hatte in der 91. Minute noch eine letzte Chance, doch sein Schuss landete in den Armen des jungen Henderson. Danach pfiff der Schiedsrichter ab - und die Frankfurter feierten ausgelassen. "Das war wild, das war mutig, das war Einheit", jubelte Leo Gert nach dem Schlusspfiff. Sein Gegenüber Saper Lot hingegen seufzte: "Wir haben schön gespielt, aber schön bringt keine Punkte." Recht hat er. Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen - 50,4 zu 49,6 Prozent Ballbesitz, aber Frankfurt hatte die klareren Aktionen, mehr Torschüsse und die besseren Nerven. Während Rothemann in der Schlussphase alles riskierte, blieb Frankfurt cool und clever. Und so verließen die 7690 Zuschauer das Stadion mit gemischten Gefühlen: Die einen enttäuscht, die anderen begeistert - alle aber bestens unterhalten. Ein Drittligaspiel mit Herz, Tempo und jugendlichem Leichtsinn, das wieder einmal bewies: Fußball ist manchmal wie ein schlechtes Date - aufregend, unberechenbar, und am Ende gewinnt meistens der, der weniger nachdenkt. 21.04.643987 17:25 |
Sprücheklopfer
Wenn mein Vater da gewesen wäre, hätte sich mein Leben vollkommen anders entwickelt. Viel zielgerichteter. Dann wäre meine Mutter zu Hause gewesen. Ich hätte vernünftig für die Schule gearbeitet, einen normalen Beruf erlernt und wäre nicht in den Fußball abgedriftet.
Felix Magath