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Frankfurt verzweifelt, Linx jubelt - ein 0:1 der besonderen Sorte

FSV Frankfurt gegen SV Linx - das klang am 22. Spieltag der Regionalliga A zunächst nach einem soliden Pflichttermin für die Gastgeber. 20:15 Uhr, Flutlicht, 6.044 Zuschauer, ein kühler Märzwind über dem Stadion am Bornheimer Hang. Doch wer dachte, das würde ein gemütlicher Abend für die Frankfurter, wurde Zeuge eines jener Spiele, die Trainer Haare kosten und Journalisten Geschichten schenken. Am Ende stand es 0:1 - und der SV Linx feierte einen Auswärtssieg, der so unerwartet kam wie verdient er war.

Die Statistik war eigentlich auf Seiten der Frankfurter: 10 Torschüsse gegenüber nur 4 der Gäste, fast identischer Ballbesitz (50,9 zu 49,1 Prozent), dazu eine Zweikampfquote, die Trainer Simone Niruak später als "eigentlich ganz ordentlich" bezeichnete. Nur das Ergebnis passte nicht ins Bild. "Wir haben alles richtig gemacht, außer den Ball ins Tor zu schießen", sagte Niruak mit jenem gequälten Lächeln, das man sonst nur nach Familienfeiern mit den Schwiegereltern sieht.

Die erste Halbzeit verlief, vorsichtig gesagt, überschaubar. Frankfurt kombinierte gefällig, Leon Schäfer prüfte in der 8. Minute Linx-Keeper Oscar Haase, und Tiago Hermenegildo schoss in Minute 11 aus halblinker Position knapp vorbei. Linx hielt dagegen, vor allem durch den quirlig-ungezähmten Wolfgang Seitz, der zwischen Minute 25 und 28 gleich zwei Mal aufs Tor drosch, als wolle er prüfen, ob das Tornetz auch wirklich fest montiert ist.

Die Gäste spielten dabei erstaunlich diszipliniert - abgesehen von Linus Schmitt, der sich schon in der zweiten Minute Gelb abholte, weil er offenbar die neue Grätschtechnik "Alles oder nichts" ausprobierte. Sein Trainer Michal Dickschat nahm es mit Humor: "Linus wollte gleich zeigen, dass er da ist. Leider hat der Ball das nicht mitbekommen."

Nach dem Seitenwechsel wechselte Dickschat gleich doppelt - Schwab und Henrico kamen, und plötzlich bekam Linx mehr Zugriff. Frankfurt blieb zwar feldüberlegen, aber ideenlos. Dann kam die 62. Minute. Seitz sprintete auf der linken Seite los, passte flach in den Strafraum, und der 19-jährige Detlev Miller schob den Ball so trocken ins Netz, dass selbst die Frankfurter Ultras kurz verstummten. 0:1 - und das Stadion klang plötzlich wie eine Bibliothek kurz vor Feierabend.

"Ich hab einfach draufgehalten", grinste Miller nach dem Spiel. "Wolfgang hat’s gut gesehen, und ich dachte - wenn nicht jetzt, wann dann?" Ein Satz, der wohl in Linx noch lange zitiert werden wird.

FSV-Trainer Niruak reagierte postwendend, brachte Weller (60.), Block (65.) und Klaus (70.). Und tatsächlich erhöhte Frankfurt das Tempo. Weller hatte in der 70. und 77. Minute zwei Riesenchancen, Hermenegildo donnerte in der 67. den Ball aus acht Metern über die Latte, und Morgan Kirwan zwang Haase in der 83. Minute zu einer Glanztat. Linx verteidigte mit allem, was Beine hatte - und manchmal auch mit Armen, wie der Schiedsrichter nach einer Rudelbildung in der 85. Minute ahndete, als Yannik Schumacher Gelb sah.

In der 85. Minute wurde es kurz dramatisch: Der erst 17-jährige Joshua Merz, gerade erst eingewechselt, verletzte sich bei einem Konterversuch. "Nichts Schlimmes", beruhigte Dickschat später, "nur ein Krampf - der Junge wächst halt noch."

Frankfurt drückte in der Schlussphase mit Pressing auf Vollgas (spätestens ab der 90. Minute im "Alles-oder-nichts"-Modus), doch das Tor blieb wie vernagelt. Selbst als Torwart Charles Fryer bei einem letzten Eckball mit nach vorne eilte, verweigerte das Schicksal den Ausgleich. Kurz darauf zeigte der Schiedsrichter auf die Uhr - und Linx jubelte, als hätte man gerade die Champions League gewonnen.

"Wir haben hier mit Herz gespielt, nicht mit Statistiken", sagte Dickschat nach dem Spiel und klopfte seinem Torschützen Miller auf die Schulter. Und tatsächlich: Während Frankfurt 10 Mal aufs Tor zielte, reichte Linx ein einziger präziser Moment.

FSV-Kapitän Tomas Klaus fasste es später trocken zusammen: "Wir hätten noch drei Stunden spielen können - der Ball wollte halt nicht rein."

So bleibt Frankfurt weiter im Mittelfeld stecken, während Linx mit diesem Arbeitssieg ein kleines Ausrufezeichen setzt. Ein Abend, an dem Zahlen logen, der Favorit verzweifelte - und ein 19-Jähriger Geschichte schrieb.

Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Fan beim Rausgehen: "Na ja, wenigstens war das Bier kalt." Manchmal ist Fußball eben genau das.

21.05.643993 21:07
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