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Ein Freitagabend unter Flutlicht, 5875 Zuschauer im Südstadion, und ein Spiel, das man wohl am besten mit einem Satz beschreibt: Es war alles dabei - außer einem zweiten Tor. Fortuna Köln besiegte die SSVg Velbert mit 1:0 (1:0) und zeigte dabei, dass man auch mit 47 Prozent Ballbesitz und 6:17 Torschüssen als Sieger vom Platz gehen kann. "Das war nicht schön, aber es war effektiv", grinste Fortuna-Trainer Kay Koch nach dem Schlusspfiff, und man konnte ihm ansehen, dass er sich innerlich auf eine heiße Dusche und ein kaltes Kölsch freute. Velbert kam, sah - und schoss. Und schoss. Und schoss. Schon in der sechsten Minute sorgte Harvey Kinmont mit einem satten Schuss von rechts für den ersten Adrenalinstoß im Stadion. Torwart Barend Van Vranken, Fortuna-Urgestein und an diesem Abend Held des Spiels, kratzte den Ball mit der Fingerspitze aus dem Winkel. "Ich glaube, meine rechte Hand wird morgen so dick sein wie ein Medizinball", witzelte er später. Die Gäste spielten offensiv, mit breiter Brust, und Fortuna wirkte phasenweise wie ein Team, das noch im Bus sitzt. Nach einer Viertelstunde kassierte Velberts Linksverteidiger Billy Yeates Gelb, nachdem er Swen Schulze an der Seitenlinie eher liebevoll als regelkonform umarmte. "Ich wollte nur den Ball treffen - aber Swen war halt im Weg", erklärte Yeates mit einem Schulterzucken. Dann, die 40. Minute: Harry Kelly, Fortuna-Youngster mit der Unbekümmertheit eines 19-Jährigen, schlug eine eigentlich harmlose Flanke in den Strafraum. Velberts Abwehr sortierte sich gerade neu, als der Ball auf einmal auf dem Kopf von Javier Tonel landete - Innenverteidiger, 18 Jahre jung, eigentlich eher fürs Klären als fürs Treffen zuständig. Doch diesmal klärte er Richtung Tornetz. 1:0 für Köln, und das Stadion bebte. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass keiner lacht", gab Tonel später zu. Gelacht hat niemand - außer den Kölner Fans. Velbert reagierte nach der Pause mit noch mehr Druck, noch mehr Schüssen, noch mehr "Wir-müssen-doch-mal-treffen"-Gesten. Andre Bender, der Mittelstürmer der Gäste, probierte es gleich viermal aus allen Lagen, doch Van Vranken wurde zur menschlichen Wand. "Wenn wir bis Mitternacht gespielt hätten, hätten wir vielleicht getroffen - oder Barend hätte sich irgendwann gelangweilt", stöhnte Velbert-Coach Klaus Bock, der trotz der Niederlage erstaunlich gefasst wirkte. Fortuna? Konterte, wenn es ging, verteidigte, wenn es musste, und brachte ansonsten Zeit von der Uhr wie ein erfahrenes Team im Abstiegskampf. In der 72. Minute sah Harry Kelly noch Gelb, nachdem er einen Angriff etwas rustikaler stoppte. "Das war Taktik", sagte er, "wir nennen das in der Kabine den englischen Gruß." Die letzten zehn Minuten wurden zum Nervenspiel. Velbert warf alles nach vorn, inklusive Innenverteidiger Niko Röder, der sich in der 95. Minute tatsächlich noch einmal nach vorn schlich und einen Kopfball aufs Tor setzte - wieder Van Vranken. Der Schlussmann griff sich den Ball, legte sich kurz darauf theatralisch auf ihn und grinste in Richtung Tribüne. Pfiffe, Jubel, Applaus - das ganze Programm. Statistisch gesehen hätte Velbert dieses Spiel gewinnen müssen. 52 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse, ein Gegner, der kaum über die Mittellinie kam. Aber Fußball ist nun mal kein Statistikseminar, sondern manchmal einfach Glück, Wille - und ein Javier Tonel mit Timing. Trainer Koch fasste es passend zusammen: "Wir haben gewonnen, weil wir das eine Tor gemacht haben. Das ist kein Hexenwerk - das ist Fußball." Und so endete ein Abend, der für Fortuna drei Punkte brachte, für Velbert Kopfschütteln - und für die Zuschauer eine Erinnerung daran, warum man diesen Sport liebt: Weil selbst ein 1:0 die Nerven blanklegen kann. Oder, wie ein älterer Fortuna-Fan beim Hinausgehen brummte: "Wenn wir immer so spielen, brauch ich bald Herztabletten. Aber bitte mit drei Punkten Geschmack." 21.04.643987 17:58 |
Sprücheklopfer
Wenn mein Vater da gewesen wäre, hätte sich mein Leben vollkommen anders entwickelt. Viel zielgerichteter. Dann wäre meine Mutter zu Hause gewesen. Ich hätte vernünftig für die Schule gearbeitet, einen normalen Beruf erlernt und wäre nicht in den Fußball abgedriftet.
Felix Magath