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Manchmal ist Fußball einfach: Wer Tore schießt, gewinnt. Und wer in den ersten 45 Minuten gleich drei davon macht, darf es sich danach gemütlich einrichten. Fortuna Chemnitz besiegte am 15. Spieltag der 3. Liga Bad Dürrenberg klar und deutlich mit 3:0 (3:0) - ein Ergebnis, das so eindeutig war wie der Abend kalt. 19.143 Zuschauer im ausverkauften Stadion sahen eine Fortuna, die von Beginn an zeigte, dass sie an diesem Januartag keine Geschenke verteilen würde. Schon nach wenigen Minuten wirkte Chemnitz’ Offensivreihe, als wäre sie mit einem Espresso zu viel gestartet. Joel Browning, der 32-jährige Mittelstürmer mit der Statur eines Handwerkers und der Präzision eines Uhrmachers, eröffnete in der 21. Minute den Torreigen. Nach einem feinen Zuspiel von Rechtsverteidiger Filipe Couto schob er den Ball mit der ihm eigenen Nonchalance ins lange Eck. "Ich hab nur gehofft, dass der Platz nicht wegrutscht", grinste Browning später. "Aber Filipe hat’s mir leicht gemacht." Kaum war das Publikum fertig mit Jubeln, klingelte es schon wieder. Eine Minute später setzte sich der quirlige Vitor Peragon auf der rechten Seite durch, bekam von Ermin Kolarov den Ball auf den Fuß serviert - und verwandelte zum 2:0. "Da war Bad Dürrenberg noch beim Ärgern über das erste Tor", kommentierte Fortuna-Coach Maik Oberländer trocken. Und als wäre das noch nicht genug, packte Ewan Finnan kurz vor der Pause das Sahnehäubchen drauf. In der 44. Minute nahm der linke Flügelstürmer einen Pass von Adriano Goncalves auf, tanzte einen Verteidiger aus und schlenzte den Ball ins rechte obere Eck. 3:0 - Halbzeit. "Ich hab in dem Moment gar nicht gezielt", sagte Finnan später lachend, "ich hab einfach gehofft, dass niemand pfeift." Bad Dürrenberg hingegen wirkte, als sei die Mannschaft noch im Hotel geblieben. Zwei kümmerliche Schüsse aufs Tor in 90 Minuten - das ist eher ein Bewerbungsschreiben für den Lehrfilm "Wie man keine Gefahr ausstrahlt". Trainer Daniel Mahler wirkte nach dem Spiel entsprechend bedient: "Wir wollten kompakt stehen und auf Umschaltmomente warten. Leider sind die nicht gekommen - und kompakt war’s nur auf dem Papier." Fortuna Chemnitz hatte in jeder Hinsicht die Oberhand: 18:2 Schüsse aufs Tor, 53 Prozent Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe und ein Publikum, das spätestens nach Finnans Treffer in Partystimmung war. Selbst die Gelben Karten - gleich vier für Chemnitz, eine für die Gäste - konnten die gute Laune nicht trüben. "Wenn du 3:0 führst, darfst du dir auch mal eine Verwarnung leisten", meinte Oberländer süffisant. "Solange sie nicht rot wird." In der zweiten Halbzeit schaltete Fortuna spürbar zurück. Browning durfte nach knapp einer Stunde Feierabend machen, wurde von Youngster Stephane Dumont ersetzt. Der bekam kurz darauf zwei gute Chancen, scheiterte aber am Gästetorhüter Carlos Coelho, der wenigstens in Hälfte zwei zeigte, warum er zwischen den Pfosten steht. Bad Dürrenberg versuchte es zaghaft, aber ohne zündende Idee. Ein Schuss von Julian Alves in der 41. Minute und einer von Jannick Kühn in der 81. - das war’s. Chemnitz-Keeper Ezequiel Maniche hätte sich fast einen Stuhl hinstellen können. "Ich hab mich in der zweiten Halbzeit mehr bewegt, um warm zu bleiben, als wegen des Balls", witzelte er nach dem Spiel. Fortuna-Coach Oberländer lobte seine Mannschaft für "eine konzentrierte und kaltschnäuzige erste Halbzeit", mahnte aber: "So Spiele verleiten zum Träumen. Wir bleiben auf dem Boden - auch wenn der heute gefroren war." Für Bad Dürrenberg bleibt die Erkenntnis: Wer ohne Pressing, ohne Mut und ohne Durchschlagskraft spielt, bekommt in dieser Liga Probleme. Trainer Mahler versprach Besserung: "Wir werden wieder aggressiver auftreten. Heute waren wir brav wie ein Kinderchor." Fortuna Chemnitz hingegen darf sich über einen souveränen Dreier freuen, der nie in Gefahr war. Browning, Peragon und Finnan - drei Torschützen, drei verschiedene Gesichter des Erfolgs. Und wer weiß: Wenn sie so weitermachen, könnte in Chemnitz bald wieder von Aufstieg geträumt werden. Oder wie ein Fan beim Rausgehen sagte: "Wenn’s immer so läuft, darf’s ruhig kalt bleiben." 10.07.643987 23:26 |
Sprücheklopfer
Dann lebe ich in Oslo, spiele immer noch Fußball und bin immer noch so langsam.
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, was er mit 85 Jahren machen wird