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Es war einer dieser Abende, an denen selbst der Februarwind in Chemnitz kurz innehielt, um das Spektakel zu bestaunen. Fortuna Chemnitz besiegte die SpVgg Ansbach mit 3:0 - und das war noch das Freundlichste, was man über dieses Spiel sagen kann. 19.794 Zuschauer im Stadion an der Gellertstraße sahen eine Fortuna, die von der ersten Minute an Lust auf Fußball hatte, während Ansbach so wirkte, als habe man das Navi falsch programmiert. Schon nach zwei Minuten donnerte Lewis McGowan den Ball erstmals aufs Tor. Eine Art Vorwarnung, höflich, aber bestimmt. Acht Minuten später versuchte Ansbachs Oscar Perez, es ihm gleichzutun - nur, dass sein Schuss eher in die Statistik als ins Netz ging. Danach rollte Angriff um Angriff Richtung Ansbacher Strafraum. Bruno Turcotte, Bruno Anderson, McGowan - eine Dreifaltigkeit des Offensivdrangs, die den Gästen Knoten in die Beine spielte. In der 27. Minute war es dann soweit: Bruno Anderson, der Mann mit der Eleganz eines Künstlers und der Physis eines Betonmischers, traf nach einer Ecke von Meir Tamuz zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Anderson später. "Wenn du’s oft genug versuchst, geht irgendwann einer rein." Trainer Maik Oberländer klatschte ruhig, aber in den Augen blitzte der Stolz. Nur fünf Minuten später folgte die Szene, die das Spiel endgültig kippte. McGowan, 34 Jahre jung und mit mehr Ligaerfahrung als so mancher Schiedsrichter, vollendete nach feiner Vorarbeit von Anderson zum 2:0. "Ich hab gesehen, dass ihr Torwart zu früh runtergeht", erklärte McGowan später - und grinste so breit, dass man ihm fast wieder das Alter abnahm. Ansbach suchte derweil nach der passenden Antwort, fand aber höchstens den eigenen Frust. Simon Heise versuchte es in der 24. und 55. Minute, Vincent Carvalho schoss, als wäre das Tor nur ein Gerücht. Rainer Heckel, Ansbachs Coach, stand stoisch an der Linie, doch seine Körpersprache sagte alles. "Wir haben versucht, kompakt zu bleiben", seufzte er später. "Aber wenn du gegen so eine Fortuna spielst, hilft manchmal nicht mal ein Betonmischer." Die Statistik sprach Bände: 21 Torschüsse für Chemnitz, nur 8 für Ansbach. 55 Prozent Ballbesitz für die Hausherren. Eine Zweikampfquote, die zeigte, wer hier den Ton angab. Nur an der Zahl der gelben Karten herrschte Gleichstand - je eine -, wobei Chemnitz’ Dirck De Groot in der 93. Minute wohl einfach zu euphorisch war, um pünktlich abzubremsen. In Halbzeit zwei verwaltete Fortuna die Führung mit jener Mischung aus Arroganz und Präzision, die Fans lieben und Gegner hassen. Oberländer brachte frische Beine: Njazi Hietanen kam für Elmo Vanderzee, später durfte Vitor Peragon noch ran - ein Wechsel, der sich bezahlt machen sollte. Denn kurz vor Schluss, als Ansbach längst um Schadensbegrenzung bettelte, war es eben jener Peragon, der den Schlusspunkt setzte. In der 90. Minute schloss er nach Vorarbeit des unermüdlichen Gabriel Warrington eiskalt zum 3:0 ab. "Das war wie im Training", lachte Peragon nach Abpfiff. "Nur dass diesmal Leute zugeschaut haben." Während Chemnitz jubelte, lag Ansbachs junger Linksverteidiger Nevio Falk kurz darauf verletzt am Boden - ein bitteres Ende für einen ohnehin gebrauchten Abend. Seine Gelbe Karte aus der 85. Minute wirkte da fast wie ein ironischer Schlusspunkt. Maik Oberländer bilanzierte mit der Ruhe eines Mannes, der genau weiß, dass sein Plan aufgegangen ist: "Wir wollten offensiv auftreten, die Zuschauer mitnehmen. Drei Tore, kein Gegentor - besser kann man’s kaum machen." Rainer Heckel hingegen sprach von einem "Lernprozess". Übersetzt heißt das wohl: Wir wurden überrannt, aber wir tun so, als sei das Absicht gewesen. Fortuna Chemnitz darf sich nach diesem 3:0 jedenfalls über einen gelungenen dritten Spieltag in der 3. Liga freuen - und die Fans gingen beschwingt in die Nacht. Einige sangen noch auf dem Heimweg, andere schworen, sie hätten so ein Chemnitz seit Jahren nicht gesehen. Vielleicht war das übertrieben. Vielleicht auch nicht. Aber an diesem Abend hatte Fortuna Chemnitz alles, was Fußball schön macht: Tempo, Witz und einen Hauch Größenwahn. Und ganz ehrlich - das hat man hier lange vermisst. 02.07.643990 05:11 |
Sprücheklopfer
Die Schweden sind keine Holländer - das hat man ganz genau gesehen.
Franz Beckenbauer