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Ein kalter Freitagabend in Nottingham, 12.500 Zuschauer mit Schal und Hoffnung bewaffnet - und am Ende ein 2:1, das wohl noch länger für Gesprächsstoff sorgen wird. Die Nottingham Foresters rangen die Hull Tigers in einem intensiven, phasenweise wilden Spiel nieder. Zwei Tore, ein verletzter Mittelfeldmotor, ein gelbgestrafter Verteidiger und eine Menge Schweißflecken auf dem Rasen - kurz gesagt: ein richtig schöner Zweitliga-Abend. Die Tigers traten von Beginn an so offensiv auf, als hätten sie den Bus in Hull gelassen. Trainer Mathias Oergel ließ seine Männer mit einer klaren Ansage aufs Feld: "Wenn wir schon fahren, dann bitte mit drei Punkten zurück", grinste er vor dem Anpfiff. Und seine Spieler verstanden: Bereits in der 12. Minute zappelte der Ball im Netz der Foresters. Der erst 21-jährige Jürgen Petersen, sonst eher als quirlige Flügelrakete bekannt, drosch nach feinem Zuspiel von Billy Chamberlain den Ball kompromisslos ins linke Eck. Foresters-Keeper Riley Adams streckte sich vergeblich - 0:1. Das Publikum murrte, Trainer Leon Löwe sah auf seiner Bank kurz aus, als wolle er selbst aufs Feld. Doch seine Mannschaft fing sich. "Wir wussten, dass Hull früh draufgeht", erklärte später Verteidiger Nevio Gomes, "aber wir haben uns gesagt: Dann schießen wir halt zurück." Gesagt, getan. In der 32. Minute war es Gomes selbst, der nach einer Ecke von Luke O’Leary den Ball wuchtig einköpfte - 1:1. Der Innenverteidiger jubelte, als hätte er gerade das WM-Finale entschieden. Bis zur Pause blieb es beim offenen Schlagabtausch. Hull hatte mehr Ballbesitz (52,5 %) und ganze 17 Torschüsse, doch die Foresters waren kaltschnäuziger. Kurz vor dem Halbzeitpfiff musste Löwe jedoch umstellen: Callum Smith kam für den angeschlagenen Michael Lansbury - und sollte später noch zum Helden werden. Zur gleichen Zeit musste bei den Tigers Luca Engelhardt verletzt raus. Oergel fluchte am Spielfeldrand in Richtung Physio, der nur die Schultern zuckte. "Ja, das war’s dann wohl mit dem linken Flügel", murmelte er später mit Galgenhumor. Die zweite Halbzeit begann mit viel Tempo - und einem Paukenschlag in der 55. Minute. Der eingewechselte Smith, gerade mal 19 Minuten auf dem Platz, nagelte nach feiner Vorarbeit von Nevio Varela den Ball unter die Latte. 2:1 für Nottingham, und das Stadion stand Kopf. "Ich hab einfach draufgehauen", grinste Smith nach dem Spiel, "und gehofft, dass niemand im Weg steht." Niemand stand im Weg, dafür jubelten 12.500 Kehlen umso lauter. Hull probierte danach alles. Trainer Oergel brachte frische Kräfte, darunter den jungen Connor Wiltshire, der gleich dreimal in den letzten Minuten auf Adams’ Tor feuerte - aber der Foresters-Schlussmann hatte einen dieser Abende, an denen man wohl auch eine Kanonenkugel gehalten hätte. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er mich trifft", witzelte Adams in der Mixed Zone. In der Schlussphase wurde es ruppiger: Erst sah Lewis Gady Gelb für ein rustikales Einsteigen ("Ich hab nur den Ball gesehen - leider war der Ball auf dem Fuß des Gegners", rechtfertigte er sich halb lachend), dann erwischte es auch Hulls Antonio Hernando. Die Tigers drückten bis zum Schluss, das Pressing wurde so intensiv, dass selbst der Linienrichter ins Schwitzen kam. Doch Nottingham verteidigte mit Herz, Kopf und gelegentlich auch Knie. Am Ende jubelte ganz Nottingham über drei Punkte, die vielleicht mehr wert sind als der Tabellenplatz. Trainer Löwe, sonst wortkarg, zeigte sich euphorisch: "Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches. Und ehrlich gesagt: Ich liebe solche Abende." Statistisch gesehen war Hull das aktivere Team, aber Fußball ist bekanntlich kein Schönheitswettbewerb. Nottingham hatte 11 Torschüsse, aber 2 Tore - Effizienz in Reinform. Ein Zuschauer brachte es beim Verlassen des Stadions auf den Punkt: "Wir haben nicht besser gespielt, aber klüger. Und das reicht manchmal, um glücklich nach Hause zu gehen." Das Schlusswort gehört Callum Smith, dem Mann des Abends: "Ich hab’s noch gar nicht realisiert. Vielleicht morgen früh, wenn ich aufwache und meine Schuhe noch nach Rasen riechen." Ein Satz, der so ehrlich klingt wie der Sieg der Foresters - hart erarbeitet, leicht chaotisch, aber vollkommen verdient. 27.10.643990 19:25 |
Sprücheklopfer
Ob rechts oder links, wo ich auftauchte, war ich schlecht.
Mario Basler