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Ein lauer Februarabend in Ellesmere Port, Flutlicht, 16.000 Zuschauer - und am Ende eine dieser Fußballgeschichten, die man kaum glaubt, wenn man sie nicht gesehen hat: Vauxhall Motors führt zweimal, spielt stark, kontrolliert Ball und Gegner - und steht nach 90 Minuten dennoch mit leeren Händen da. Nottingham Foresters siegen 3:2 und nehmen drei schmeichelhafte, aber hart erkämpfte Punkte mit nach Hause. "Wir haben das Ding eigentlich im Griff gehabt", knurrte Ronald Gebhardt, Trainer der Motors, nach dem Abpfiff. "Aber Fußball ist manchmal wie ein alter Motor - läuft super, bis ein kleines Teil rausfällt." Das kleine Teil, das hier fehlte, war die Kaltschnäuzigkeit in der Schlussphase. Dabei begann alles verheißungsvoll. Schon in der 12. Minute donnerte Kai Leech, der 33-jährige Dauerläufer auf der linken Seite, den Ball nach Vorlage von Vincent Valdes unter die Latte. 1:0, das Stadion tobte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Leech später, "aber er hat sich anders entschieden." Vauxhall dominierte. 57 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse - die Motors schnurrten wie ein frisch polierter Roadster. Nottingham hingegen wirkte phasenweise wie ein überforderter Beifahrer auf der falschen Spur. Einzig Keeper Oscar Barros hielt die Gäste mit ein paar beherzten Paraden im Spiel. Doch wer die Foresters kennt, weiß: Die sind wie ein altes Waldtier - man glaubt, sie schlafen, bis sie plötzlich zubeißen. Und genau das taten sie nach der Pause. 49. Minute: Callum Smith, sonst eher der stille Regisseur im Mittelfeld, fasste sich ein Herz. Nach feinem Zuspiel von Marcos Chalana zog er aus 18 Metern ab - drin! 1:1, und plötzlich roch es nach Aufbruch. Vauxhall reagierte prompt. Nur sechs Minuten später brachte der flinke Luís Tonel die Hausherren wieder in Front. Ein klassischer Stürmertreffer: schnelle Drehung, kurzer Blick, Schuss - 2:1. Trainer Gebhardt ballte die Faust, die Fans sangen sich heiser. "In dem Moment dachte ich, das war’s", gab Verteidiger Josef Wagner später zu. "Ich hätte es besser wissen müssen." Denn Nottingham hatte längst den Modus gewechselt: offensiv, riskant, mit langen Bällen und vollem Einsatz - laut Datenblatt "Offensive / LONG / STRONG". Auf gut Deutsch: Alles nach vorn. Und das sollte sich lohnen. 82. Minute: Ashton Greaves, bis dahin eher unauffällig, tauchte plötzlich rechts im Strafraum auf. Nach einer schönen Kopfballablage von Altmeister Juan Herrera zimmerte er den Ball zum 2:2 ins Netz. Jetzt wackelte Vauxhall. Die Motors versuchten, den Punkt über die Zeit zu bringen, spielten aber weiter brav "balanciert", wie ihre Taktikdaten nüchtern vermerkten. Kein Pressing, kein Risiko. Nottingham dagegen roch Blut. Und als die Uhr die 90. Minute zeigte, kam der Todesstoß: Marcos Chalana, der schon beim ersten Tor beteiligt war, traf nach Pass von Lucas Bloomfield zum 3:2. "Ich hab nur gedacht: Lauf, Marcos, lauf!", grinste Trainer Leon Löwe anschließend. "Und er lief. Schneller, als ich jemals gesehen hab." Chalana selbst blieb bescheiden: "Ich hatte Glück, dass der Ball mir so springt. Aber wenn du so viel rennst, verdienst du dir das Glück." Während die Foresters ausgelassen jubelten, standen die Spieler von Vauxhall Motors wie angewurzelt da. Daniel Peltier schlug den Ball frustriert auf die Tribüne, Kapitän Whitman starrte auf den Rasen, als könne er dort die verpasste Chance wiederfinden. Statistisch gesehen war alles für die Heimelf: mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, fast ausgeglichene Zweikampfquote. Aber Fußball wird bekanntlich nicht nach Excel-Tabellen entschieden. Ronald Gebhardt brachte es später trocken auf den Punkt: "Wir haben gespielt, sie haben gewonnen." Für Nottingham war es der vierte Sieg in Folge - und vielleicht der beeindruckendste. Denn wer ein solches Spiel in der 90. Minute noch dreht, der hat Nerven aus Stahl und ein Herz aus Eiche. Und Vauxhall? Die Motors müssen wieder in die Werkstatt. Der Motor stottert zwar nicht, aber der Tank scheint leer. Vielleicht hilft ein Ölwechsel in Form eines freien Wochenendes. "Wir sind keine schlechten Mechaniker", meinte Gebhardt zum Abschied, "aber heute hat uns der Schraubenschlüssel gefehlt." Ein Satz, der fast poetisch klang - wenn er nicht so wehgetan hätte. Endstand: Vauxhall Motors - Nottingham Foresters 2:3 (1:0). Tore: Leech (12.), Tonel (55.) - Smith (49.), Greaves (82.), Chalana (90.). Zuschauer: 16.000. Trainer: Gebhardt (Vauxhall), Löwe (Nottingham). 07.11.643990 23:41 |
Sprücheklopfer
Ob rechts oder links, wo ich auftauchte, war ich schlecht.
Mario Basler