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Ein lauer Januarabend in Apulien, 36.000 Zuschauer im Stadio Pino Zaccheria, und die Luft vibrierte - weniger vor mediterraner Romantik, sondern eher vor Spannung, Schweiß und gelegentlichem Fluchen. Am Ende trennten sich AS Foggia und Yuventus Turin im Liga-Pokal der Serie B mit 1:1, ein Ergebnis, das beiden Trainern gleichzeitig Falten auf die Stirn und kleine Funken Hoffnung in die Augen zeichnete. Dabei hatte es für Foggia zunächst gar nicht gut angefangen. Yuventus wirkte in der ersten halben Stunde reifer, abgeklärter - und eiskalt. In der 26. Minute war es Okay Gülec, der eine butterweiche Flanke von Federico Settingiano volley nahm und ins rechte Eck zimmerte. "Ich hab nur gehofft, dass er nicht wieder den Pfosten küsst", grinste der 34-jährige Vorlagengeber später, während Gülec mit einem Lächeln meinte: "Das war kein Glück, das war Physik." Foggia, von Coach Patrick Kontsch mit offensiver Ausrichtung auf den Rasen geschickt, wirkte vom Rückstand nur kurz geschockt. Die Gastgeber schossen aus allen Lagen - 18 Versuche aufs Tor im gesamten Spiel, fast das Dreifache der Gäste. Anthony Mariotti prüfte Torwart Nicola Ionio gleich mehrfach, Giulio Celico, ein Innenverteidiger mit dem Selbstverständnis eines Mittelstürmers, wuchtete Fernschüsse in Serie Richtung Tribüne. "Ich sag’s ehrlich", lachte Trainer Kontsch nach dem Spiel, "manchmal dachte ich, der Junge verwechselt die Position mit einem Freigeist." Yuventus dagegen blieb mit acht Abschlüssen gefährlich effizient, lauerte auf Konter. Ellis Benett, quirlig und unverschämt schnell, verpasste kurz vor der Pause das 0:2 nur um Zentimeter. Der Pausenpfiff kam Foggia gerade recht - und Kontsch nutzte die Kabine, um seine Mannen lautstark zu erinnern, dass Ballbesitz (50,3 Prozent) nichts nützt, wenn man daraus keine Tore macht. Was dann geschah, war typisch Foggia: viel Wille, wenig Geduld, aber endlich die Belohnung. In der 62. Minute dribbelte sich Linksaußen Caio Varela durch die Yuventus-Abwehr, legte quer - und Maurizio Fili drosch das Leder humorlos unter die Latte. 1:1, das Stadion explodierte. Fili rannte jubelnd Richtung Eckfahne, fiel dabei fast über einen Kameramann und grinste später: "Ich wollte eigentlich zum Trainer laufen, aber dann hat mich die Schwerkraft besiegt." Von da an entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Foggia drückte weiter, Yuventus verteidigte mit Zähnen, Klauen und gelegentlichem Griff ans Trikot. In der 77. Minute sah Carles Antonio Gelb, weil er Mariotti an der Seitenlinie stoppte - eher rustikal als elegant. Acht Minuten später revanchierte sich Foggiaverteidiger Paulo Meira mit einer späten Grätsche, ebenfalls Gelb. In der 89. Minute schließlich notierte sich der Schiedsrichter noch eine Karte für Roger Stanton, der wohl dachte, dass taktische Fouls in der Nachspielzeit nicht zählen. Trainer Mario Girotti von Yuventus nahm das Ergebnis mit galanter Gleichgültigkeit: "Ein Punkt ist ein Punkt. Wir hatten die Chance auf mehr, aber Foggia hat sich das Remis verdient." Ganz anders sein Gegenüber Kontsch, der mit leicht heiserer Stimme meinte: "Wenn du 18 Mal aufs Tor schießt und nur einmal triffst, dann brauchst du keinen Psychologen, sondern einen guten Stürmertrainer." Die Statistiken spiegelten den Spielverlauf fast poetisch: Foggia etwas mehr Ballbesitz, bessere Zweikampfquote (52,9 Prozent) und deutlich mehr Offensivdrang. Yuventus dagegen effizienter, abgeklärter, aber am Ende doch zu passiv, um den Sieg einzutüten. Nach dem Abpfiff blieb das Publikum noch lange auf den Rängen - nicht aus Unzufriedenheit, sondern weil man das Gefühl hatte, hier ein echtes Pokalspiel gesehen zu haben: mit Leidenschaft, Leichtsinn und einer Prise Chaos. Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen, fasste ein älterer Foggia-Fan neben der Pressetribüne das Spiel zusammen, wie es kein Reporter besser könnte: "Schön war’s nicht. Aber ehrlich - wann ist Fußball schon schön, wenn’s spannend ist?" Ein Satz, den man sich in Foggia wohl einrahmen wird - gleich neben dem Spielplan des Liga-Pokals, auf dem man nun mit einem Punkt mehr, aber vielen offenen Fragen steht. 18.06.643987 15:12 |
Sprücheklopfer
Weisweiler und Happel sind tot, Hitzfeld ist bei den Bayern. RWO hat den besten Trainer, den man kriegen kann.
Aleksandar Ristic zur Trainerdiskussion in Oberhausen.