// Startseite
| Sportwoche |
| +++ Sportzeitung für Österreich +++ |
|
|
|
Es war ein Freitagabend, an dem 14.969 Zuschauer in Kohfidisch ein Spiel sahen, das eigentlich anders hätte ausgehen müssen - zumindest, wenn Fußball nach Ballbesitz entschieden würde. 50,8 Prozent der Zeit hatte die Heimelf den Ball, zwölfmal schossen sie aufs Tor, aber am Ende leuchtete auf der Anzeigetafel nur eines: 0:2. Der FC Floridsdorf nahm die Punkte mit nach Wien, Kohfidisch nahm Frust mit in die Kabine. Schon vor dem Anpfiff war die Stimmung im Stadion elektrisierend. Trainer Micha Roost, sonst ein Mann der ruhigen Worte, hatte seine Elf eingeschworen: "Heute zeigen wir, dass wir mehr sind als Ballbesitzstatistik!" - ein Satz, der im Verlauf des Abends bittere Ironie gewinnen sollte. Die Partie begann flott. Bereits in der ersten Minute prüfte Floridsdorfs linker Verteidiger Dirk Wolff Kohfidischs Jungkeeper Marko Trkulja mit einem Schuss, der mehr Warnung als Gefahr war. Die Hausherren antworteten mit Fernando Mendes, der in der achten Minute freistehend verzog. Es war der Beginn einer ganzen Serie von "Fast"-Momenten. In der 19. Minute fiel, was man in der Fachsprache ein "klassisches Auswärtstor" nennt: Wolff flankte punktgenau von links, Friedrich Lange rauschte heran und drückte den Ball per Direktabnahme in die Maschen. 1:0 für Floridsdorf - und das gegen den Spielverlauf, wie man so schön sagt. "Ich hab’ ihn einfach erwischt, keine Ahnung wie", grinste Lange später, während er sich den Schweiß aus den Augen wischte. Kohfidisch zeigte sich unbeeindruckt, kombinierte gefällig, aber im Strafraum fehlte die letzte Konsequenz. Dalia Ajalon zog aus der Distanz ab (46.), Michael Reichert verfehlte das Eck (62.) - es war, als hätte jemand das Tor der Gäste um ein paar Zentimeter verschoben. Floridsdorfs Torhüter Joshua Beckmann wuchs über sich hinaus, dirigierte seine Abwehr mit einer Mischung aus Gelassenheit und grantiger Autorität. "Wenn die so weiterspielen, kriegen wir noch Rückenschmerzen vom Ballwegschlagen", knurrte er zur Halbzeit lachend in Richtung seiner Verteidiger. Die zweite Hälfte begann, wie die erste endete: Kohfidisch rannte, Floridsdorf traf. In der 56. Minute spielte Phillip Kühne einen Pass in den Lauf von Carsten Reiter, der den Ball am herausstürzenden Trkulja vorbei ins Netz schob. 2:0 - und diesmal jubelten die Gäste mit der stoischen Ruhe einer Mannschaft, die wusste, dass sie das Spiel jetzt im Griff hatte. Kohfidisch drängte weiter, schoss aus allen Lagen, aber ohne Fortune. Fernando Mendes scheiterte wiederholt, Reichert köpfte drüber, und selbst Rechtsverteidiger Lennard Marx versuchte sich in der 79. Minute mit einem beherzten Schuss - der Ball landete, sinnbildlich für den Abend, auf dem Parkplatz hinter der Südtribüne. Floridsdorf dagegen spielte das Ergebnis herunter, sammelte noch drei Gelbe Karten (Valente, Erdmann, Wolff), und Trainer Roost sah zunehmend aus wie ein Mann, der ahnt, dass seine besten Ideen heute ins Leere laufen würden. Nach dem Schlusspfiff fasste er das Spiel mit bitterem Humor zusammen: "Wenn’s nach Chancen ginge, hätten wir 4:2 gewonnen. Aber leider zählt das Netz, nicht der Wille." Floridsdorfs Coach, dessen Name in den Unterlagen unauffällig blieb, grinste nur: "Wir waren nicht schön, aber effizient. Manchmal reicht das." Das Publikum verabschiedete seine Mannschaft dennoch mit Applaus - vielleicht, weil sie gespürt hatten, dass hier mehr Leidenschaft als Glück fehlte. Oder, wie ein älterer Fan beim Bierstand sagte: "Die können ja spielen, aber das Tor ist halt der falsche Ort dafür." So steht am Ende ein typisches Fußballergebnis in Zahlen, das aber eine ganze Geschichte erzählt: Kohfidisch mit mehr Ballbesitz, fast ausgeglichenen Zweikampfwerten (49,97 zu 50,02 Prozent) und doch ohne Tor. Floridsdorf dagegen mit nüchterner Effizienz - zwei Chancen, zwei Treffer, drei Punkte. Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen und die letzten Zuschauer die Ränge verließen, blieb über dem Stadion ein Satz hängen, den man in Kohfidisch wohl noch lange hören wird: "Wir hätten sie gehabt - wenn das Tor nur ein Stück breiter wäre." Ein Abend, der zeigt: Fußball ist manchmal ungerecht - aber selten langweilig. 06.11.643990 12:35 |
Sprücheklopfer
Kameradschaft ist, wenn der Kamerad schafft.
Mehmet Scholl