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Ein Pokalabend, wie ihn die Romantiker des Fußballs lieben: Flutlicht, kalter Wind, 24.626 Zuschauer und ein Spiel, das eigentlich keiner verlieren wollte - und dann doch einer musste. Die Flint Silkmen setzten sich in der 2. Runde des Pokals nach Verlängerung mit 2:1 gegen Bridgend Athletic durch. Ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber ein Drama in 132 Minuten erzählt. Die erste Hälfte war, nun ja, ein Lehrstück in Geduld. Beide Teams suchten nach der Lücke, fanden aber meist nur Gegenspieler. "Das war wie Schach mit Stollenschuhen", murmelte Flint-Coach Lasse Reden später mit einem Grinsen. Tatsächlich: 0:0 zur Pause, kaum Höhepunkte außer ein paar harmlosen Flanken und einem Fernschuss von Dimas Pena, der eher das Fangnetz als das Tor anvisierte. Nach dem Seitenwechsel kam Bewegung ins Spiel - buchstäblich. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, da ging Pena voll auf Risiko. In der 49. Minute zog der flinke Rechtsaußen nach Zuspiel von Fabio Jordao in den Strafraum, verlud den Verteidiger und schob flach ins lange Eck. 1:0 für Flint - und endlich Stimmung auf den Rängen. Pena rannte zur Eckfahne, deutete auf seinen Schuh und rief irgendetwas, das man als "Der ist endlich wieder heiß!" deuten konnte. Doch Bridgend Athletic ließ sich nicht beeindrucken. Trainer Jiri Hartl, der an der Seitenlinie aussah, als wolle er gleich selbst eingewechselt werden, trieb seine Elf nach vorne. Und siehe da: In der 61. Minute schlug der erst 19-jährige Callum Caviness zu. Nach einer schönen Vorlage von Luke Ackland drosch der Teenager den Ball unhaltbar unter die Latte - 1:1. "Ich hab einfach draufgehauen", sagte Caviness später mit einem Grinsen, während ihm der Medienbetreuer den Schweiß von der Stirn tupfte. Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Flint hatte mit 52 Prozent leicht mehr Ballbesitz, doch Bridgend kam auf 17 Abschlüsse - drei mehr als die Hausherren. Caviness allein prüfte den Torwart Lauritz Hoffman gefühlt im Minutentakt. "Ich dachte, der Junge hört nie auf zu schießen", stöhnte Hoffman. "Aber lieber zehn Schüsse als ein Elfmeter." Das Spiel ging in die Verlängerung, und dort passierte das, was in solchen Momenten oft passiert: Einer der Routiniers nahm das Herz in beide Hände. In der 102. Minute kombinierte Flint sich über Ewan Rose durch die Mitte, der Ball landete bei Rafael Reiter - und der 29-Jährige schloss überlegt ins rechte Eck ab. 2:1! Stadion in Ekstase, Trainer Reden mit ausgestreckten Armen, als wolle er gleich abheben. Bridgend versuchte noch einmal alles, doch dann kam der unrühmliche Moment des Abends. In der 119. Minute sah Verteidiger Lennart Sommer Rot nach einem rustikalen Tritt, den man eher aus dem Rugby kannte. "Ich wollte nur den Ball", verteidigte er sich später, während Hartl die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Kurz darauf sah auch Luke Patton Gelb, und die Gäste beendeten das Spiel mit hängenden Köpfen. In der Nachspielzeit verletzte sich Flints Außenverteidiger Aaron Hartshorn bei einem Zweikampf, wurde unter Applaus ausgewechselt. Sein Ersatzmann Evan Lockhart kam in der 126. Minute - eine der spätesten Einwechslungen, die dieses Stadion wohl je gesehen hat. Am Ende jubelte Flint - und das zu Recht. "Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", sagte Trainer Reden. "Und manchmal reicht das." Bridgend-Coach Hartl blieb gefasst: "Wir haben alles gegeben. Aber wenn du in der Verlängerung in Unterzahl bist, brauchst du mehr Glück als Plan." Statistisch gesehen war es eine enge Kiste: Flint mit 52,9 Prozent Ballbesitz, Bridgend mit der besseren Zweikampfquote (51 Prozent) und mehr Schüssen. Doch Fußball wird eben nicht nach Schüssen, sondern nach Toren entschieden. Und die Silkmen trafen einmal öfter. Als die Flutlichter erloschen und die letzten Fans aus dem Stadion strömten, blieb das Gefühl, Zeuge eines jener Spiele geworden zu sein, die man in ein paar Jahren verklärt "legendär" nennt. Nicht, weil alles perfekt war - sondern weil es so wunderbar unperfekt war. Oder, wie Dimas Pena beim Rausgehen sagte: "Wenn man nach 120 Minuten noch laufen kann, hat man was falsch gemacht." Und recht hat er. 06.06.643987 00:07 |
Sprücheklopfer
Da sieht man die Kunst der Ärzte. Zu meiner Zeit wäre eine Amputation nötig gewesen.
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