// Startseite
| Cardiff Sports |
| +++ Sportzeitung für Wales +++ |
|
|
|
Es war ein dieser nasskalten walisischen Abende, an denen man sich fragt, ob der Fußball Gott Humor hat - und die Antwort kam in der 93. Minute: ja, hat er. 21.507 Zuschauer sahen im Flint-Stadion ein 3:3 der Sorte "Nichts für schwache Nerven", bei dem beide Mannschaften abwechselnd den Helden und den Unglücksraben gaben. Die erste Halbzeit gehörte klar den Gästen aus Bridgend. Schon in der 14. Minute bestrafte Finlay O’Farrell die schläfrige Silkmen-Abwehr. Nach feinem Zuspiel von Luke Ackland schob der 21-Jährige eiskalt ein - sein Grinsen beim Torjubel hätte man bis Cardiff sehen können. Nur eine Minute später legte Marko Kallio nach, der aus 17 Metern trocken ins lange Eck traf. "Ich dachte, das wird heute ein entspannter Abend", meinte Bridgend-Trainer Jiri Hartl nach dem Spiel mit einem bitteren Lächeln. "Da dachte ich wohl zu früh." Denn nach der Pause verwandelte sich Flint in ein anderes Team. Trainer Lasse Reden hatte in der Kabine offenbar die richtigen Worte gefunden - und vielleicht auch den Kaffeekocher angeworfen. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen endlich spielen, als ob sie gewinnen wollen", verriet Reden mit einem Augenzwinkern. Und tatsächlich: In der 52. Minute zimmerte Linksverteidiger Henrich Mintal, gerade noch eingewechselt, den Ball nach einer Vorlage von Alberto Miguel unter die Latte - Anschlusstreffer und Startschuss zur Aufholjagd. Die Silkmen belagerten fortan das Bridgend-Tor, Ballbesitz fast 51 Prozent, Torschüsse 19 zu 7 - die Statistik ließ keinen Zweifel, wer das Kommando übernommen hatte. Dimas Pena, der quirlige Rechtsaußen, wollte sich dann als Retter des Abends verewigen. Erst traf er in der 75. Minute nach einem feinen Pass von Innenverteidiger Theo Winfield - ja, der Innenverteidiger! - zum 2:2. Acht Minuten später wiederholte das Duo denselben Trick: langer Ball Winfield, direkter Abschluss Pena, und plötzlich stand’s 3:2 für Flint. Das Stadion tobte, die Fans sangen, und Trainer Reden ballte die Faust. "Ich dachte, wir hätten das Ding", seufzte Pena später. "Aber Fußball ist manchmal wie ein schlechter Witz, bei dem du erst am Ende checkst, dass du die Pointe bist." Denn in der Nachspielzeit schlug Bridgend zurück. Wieder O’Farrell, wieder eiskalt, diesmal nach Vorlage von Mittelfeldmann Andres Nuno. Während der Stadionsprecher schon das Ende ankündigen wollte, zappelte der Ball im Netz - 3:3. Flint-Keeper Lauritz Hoffman warf sich noch verzweifelt, doch der Schuss passte millimetergenau. "Wir haben das Spiel zweimal verloren und einmal gewonnen - am Ende ist es ein Unentschieden", fasste Trainer Reden mit trockenem Humor zusammen. Sein Gegenüber Hartl nickte: "Ich nehme den Punkt. Nach dem Verlauf hätten wir ihn fast verschenkt - oder gestohlen, je nachdem, wen man fragt." Die Partie hatte alles, was einen guten Fußballabend ausmacht: Tempo, Drama, Karten (zwei Gelbe für Bridgend, darunter der 17-jährige Juan Pablo Barros, der nach seiner Verwarnung aussah, als wolle er sich selbst vom Platz schicken), und eine Portion Chaos im Strafraum. Ein paar Szenen bleiben in Erinnerung: Der junge Lewis Haddock, erst 18, dirigierte das Flint-Mittelfeld mit erstaunlicher Ruhe - bis er in der 69. Minute einen Schuss abfeuerte, der so knapp vorbeiging, dass die Fans schon aufsprangen. Oder der Moment in der 84. Minute, als Pena zum vierten Mal innerhalb von zehn Minuten abzog und Bridgend-Keeper Dylan Forsythe mit einem Reflex den Ball über die Latte lenkte. Taktisch war’s ein offener Schlagabtausch. Beide Teams traten offensiv an, setzten auf Kurzpassspiel, aber nur Flint zeigte wirklich Pressing - und das vor allem nach der Pause. Die Gäste wirkten nach ihren frühen Treffern zu passiv, fast so, als hätten sie Angst, die Führung zu behalten. Am Ende verließen die Zuschauer mit einem Lächeln das Stadion - auch wenn niemand so recht wusste, ob Flint nun einen Punkt gewonnen oder zwei verloren hatte. "Es war wie ein guter Krimi", sagte ein Fan beim Hinausgehen, "du weißt bis zur letzten Seite nicht, wer der Täter ist." Vielleicht war das die Pointe des Abends: In einem Spiel, das keiner verlieren wollte, hatten beide verdient, nicht zu gewinnen. Und irgendwo in der kalten walisischen Nacht, zwischen Flutlicht und Nebel, dürfte Fußballgott Murphy zufrieden gelächelt haben. 17.09.643987 19:04 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
Mehmet Scholl zur schlechten Stimmung bei den Bayern