Jornal do Brasil
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Flamengos Glücksschuss: Ein Außenverteidiger entscheidet das Drachen-Duell

Ein warmer Februarabend in Goiânia, 57.001 Zuschauer, die Luft vibrierte - und am Ende jubelten nur die Gäste. CF Flamengo entführt beim 0:1 (0:0) gegen Dragon Goianiense drei Punkte, die auf dem Papier nüchtern aussehen, auf dem Rasen aber nach purer Effizienz rochen. Oder, wie ein Fan auf der Tribüne murmelte: "Wir hatten den Ball, sie das Tor. Fußball, mein Freund."

Von Beginn an war die Marschrichtung klar: Goianiense spielte, Flamengo lauerte. Trainer Fabian Dietz ließ seine "Drachen" offensiv auflaufen - Flügelangriffe, viel Bewegung, 15 Torschüsse. Doch das Runde wollte ums Verrecken nicht ins Eckige. Schon in der sechsten Minute prüfte Fabio Simao den Keeper Curt Binder, in der siebten zog Taru Kolkka nach. Und wieder vorbei. "Ich hab irgendwann gedacht, da steht ein unsichtbarer Magnet im Tor", grinste Dietz später gequält.

Flamengo dagegen agierte aus einer tiefen Defensive heraus, fast schon trotzig konservativ. Dino Ma, ihr Trainer, hatte sein Team auf Konter getrimmt. "Warum rennen, wenn der Gegner das für dich übernimmt?", erklärte er nach dem Spiel mit einem Zwinkern. Seine Elf hatte über 50 Prozent Ballbesitz, aber das war mehr dem permanenten Umschaltspiel geschuldet als einem echten Drang nach vorne. Klaus Reiter und Eric Jonsson versuchten sich an Distanzschüssen, die den heimischen Torwart Aitor Assis eher zum Gähnen als zum Hechten brachten.

Nach einer torlosen ersten Halbzeit - viel Kampf, wenig Glanz, zwei Gelbe Karten für die Drachen (Semedo in Minute 1, Barbosa in der 77.) - kam es in der zweiten Hälfte zum Wendepunkt. In der 47. Minute musste Benyamin Rieger verletzt raus, Filipe Gama kam. Dietz roch Blut, stellte auf aggressives Pressing um, brachte in der 57. Minute gleich zwei frische Kräfte: Perales für Kolkka und Bengtsson für Semedo. Das Stadion brüllte, die Drachen flogen - aber sie trafen weiter nicht.

Und dann, in der 70. Minute, passierte etwas, das wohl nur der Fußball erklären kann. Ein Außenverteidiger namens Vitorino Gomes, sonst eher für Grätschen als für Glanzmomente bekannt, stürmt nach vorne, bekommt den Ball von Hugo Custodio - und zieht einfach mal ab. Von der linken Seite, flach, präzise, unhaltbar. 0:1. Das Stadion erstarrte, dann explodierten nur die rund 2000 mitgereisten Flamengo-Fans in einer roten Rauchwolke der Euphorie.

"Ich hab einfach draufgehauen, ehrlich. Ich wollte eigentlich flanken", lachte Gomes später in die Mikrofone. Trainer Dino Ma legte ihm grinsend die Hand auf die Schulter: "Er sagt das bei jedem Tor. Nur - das war erst sein erstes."

Goianiense warf danach alles nach vorne, Dietz gestikulierte wild, die Drachen wechselten noch einmal offensiv: Vitor Puerta kam in der 90. Minute, aber die Zeit lief gegen sie. Flamingos Verteidigung, mittlerweile auf volles Pressing umgestellt, warf sich in jeden Ball, als hinge das Schicksal von Rio de Janeiro davon ab. Keeper Binder pflückte in der 81. Minute einen Kopfball von Simao aus dem Winkel - eine Szene, die sinnbildlich für den Abend stand.

"Wir haben alles versucht", sagte Simao später kleinlaut. "Aber manchmal ist Fußball wie ein schlechter Witz - nur lacht keiner." Trainer Dietz nickte: "Wenn du 15 Schüsse hast und keiner rein will, dann musst du halt nächste Woche 16 machen."

Die Statistik sprach Bände: 49,7 Prozent Ballbesitz für die Heimelf, 15:7 Torschüsse, bessere Zweikampfquote - aber null Tore. Flamengo dagegen: ein Schuss, ein Treffer, drei Punkte. Dino Ma fasste es trocken zusammen: "Effizienz ist auch eine Kunst."

Als die Fans von Dragon Goianiense ihr Stadion verließen, schimpften einige, andere applaudierten sogar. Vielleicht, weil sie wussten, dass ihre Mannschaft alles gegeben hatte. Nur der Fußballgott hatte sich an diesem Abend eben in ein rotes Trikot geworfen.

Und so bleibt die Erkenntnis: Manchmal gewinnen nicht die, die fliegen, sondern die, die warten können. Flamengo hat das Warten perfektioniert - und Dragon Goianiense wird noch lange von Vitorino Gomes’ Schuss träumen. Oder, wie der Kommentator beim Abpfiff sagte: "Manchmal ist ein einziger Schuss lauter als 57.001 Stimmen."

11.09.643990 03:55
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