Jornal do Brasil
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Flamengo verzweifelt - Porto Alegre klaut den Sieg mit einem Schuss

Es gibt Tage, an denen Fußball grausam ehrlich ist. Der Samstagabend im Maracanã war so einer. 48.319 Zuschauer sahen, wie CF Flamengo gegen CF Porto Alegre alles versuchte, das Tor belagerte, 14 Mal abzog - und trotzdem mit 0:1 vom Platz schlich. Ein einziger Schuss, ein Moment der Unachtsamkeit, ein Mann namens Nelson Domingos entschieden das Spiel.

Schon in der ersten Minute gab Emilio Helguera den Takt vor, prüfte Portos Torhüter David Djalo aus spitzem Winkel. Kurz danach zog Hugo Custodio volley ab - wieder Djalo. "Ich dachte, der Ball fliegt mir durchs Netz", grinste der Keeper später, noch immer mit Grasflecken auf der Stirn. Flamengo spielte wie ein Orchester ohne Dirigent: laut, leidenschaftlich, aber selten im richtigen Takt.

Dann kam die 20. Minute, und plötzlich war es still. Porto Alegre, bis dahin fast unsichtbar, konterte über die linke Seite. Vicente Manu ließ zwei Rote stehen und legte quer. Nelson Domingos nahm Maß - und traf flach ins rechte Eck. 0:1. Ein leises Pfeifen ging durchs Stadion, gefolgt von einem kollektiven "Das darf nicht wahr sein". Trainer Dino Ma trat an der Seitenlinie einmal kräftig gegen die Wasserflasche.

Ab da begann ein Spiel auf ein Tor. Frederik Laursen prüfte Djalo aus allen Lagen, Mario Berjon zirkelte aus 20 Metern, Helguera rackerte, als ginge es um die Ehre seiner Großmutter. Doch Porto Alegres Abwehr stand wie ein Betonwall. "Wir haben uns geschworen, kein zweites Mal zu wackeln", sagte Verteidiger Gregor Van Cortlandt, der in der Nachspielzeit sogar selbst noch einen Schuss abgab - sein erster in dieser Saison.

Die Statistik spricht Bände: 54,6 Prozent Ballbesitz für Flamengo, 14 Torschüsse gegen magere 6 der Gäste, aber eben das eine Tor auf der falschen Seite. Fußball kann ungerecht sein, aber selten so präzise.

Kurz vor der Pause sah Portos Rechtsverteidiger Morgan Sterling Gelb, weil er Custodio umpflügte - sinnbildlich für den Abend. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte er später. "Hat nicht ganz geklappt." Schiedsrichterin Renata Alves hatte alle Hände voll zu tun, verteilte insgesamt fünf Gelbe Karten und viel Gestik.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig: Flamengo blieb offensiv, Porto blieb defensiv - und erfolgreich. Trainer Ma brachte in der 53. Minute den jungen Vitorino Chalana, später auch Mathias Gulbrandsen, nachdem Georges Jürgens verletzt vom Platz humpelte. "Ich wollte frische Beine und bekam frische Ideenlosigkeit", seufzte Ma mit bitterem Lächeln. Seine Mannschaft rannte an, spielte, flankte, schoss - nur das Netz wollte nicht wackeln.

In der 84. Minute hätte Laursen den Ausgleich erzielen müssen. Freistehend, fünf Meter vor dem Tor, doch er traf den Ball mit der Innenseite - und den Torwart mittig auf die Brust. Djalo blieb liegen, hielt sich das Herz und grinste. "Ich spürte den Schmerz des Balles und den Jubel meiner Verteidiger gleichzeitig", witzelte er später.

Porto Alegres Coach Jürgen Mattes lobte nach Abpfiff die Disziplin seines Teams: "Wir waren defensiv, ja - aber auch effektiv. Manchmal reicht ein Tor, wenn man alle anderen verhindert." Ein Satz, der in seiner Trockenheit den Spielverlauf perfekt beschreibt.

Die Flamengo-Spieler hingegen blickten ins Leere. Hugo Custodio trat noch einmal an den Pfosten, als wolle er sich versichern, dass das Tor wirklich da war. "Ich habe alles versucht, sogar mit dem falschen Fuß. Aber heute wollte der Ball nicht rein", sagte er.

Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit Applaus - und ein paar ironischen Rufen: "Nächstes Mal vielleicht aufs Tor schießen!"

Fazit: Flamengo spielte, Porto Alegre siegte. Es war eines dieser Spiele, die man in der Statistik gewinnt, aber im Ergebnis verliert. Und während Trainer Ma noch grübelte, wie man 14 Torschüsse in null Tore verwandelt, stand Mattes zufrieden in der Mixed Zone und sagte nur: "Wir lieben solche Auswärtsspiele."

Im Maracanã blieb nach Abpfiff ein leises Murmeln zurück - halb Frust, halb Fassungslosigkeit. Fußball ist eben kein Wunschkonzert. Manchmal reicht eine einzige Note, um den ganzen Abend zu bestimmen.

08.01.643994 09:45
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