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51.306 Zuschauer im Stadion von Goiânia bekamen am 3. Spieltag der 1. Liga Brasilien ein Fußballspiel serviert, das man getrost als feurig bezeichnen darf - und das nicht nur wegen der sommerlichen Abendhitze. CF Flamengo entführte beim 3:2-Sieg gegen Dragon Goianiense drei Punkte, musste aber am Ende mit zehn Mann zittern, als wäre es ein Pokalfinale. Schon nach sechs Minuten war die Luft elektrisch. Flamengos Frederik Laursen, der bullige Däne im Sturmzentrum, drückte nach einer butterweichen Flanke von Rechtsverteidiger Afanasi Tscherepanow den Ball über die Linie. 1:0 - und der Gästeblock bebte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Laursen nach dem Spiel, "aber in Brasilien hört man eben erst auf zu spielen, wenn der Schiri nach Hause fährt." Dragon Goianiense schien kurz geschockt, sortierte sich dann aber und begann, über die Flügel Druck zu machen - ganz nach Trainer Fabian Dietz’ Plan. "Wir wollten sie in Bewegung halten, diese Flamengo-Jungs schwitzen nicht gern", witzelte Dietz in der Pressekonferenz. Der Plan ging in Minute 28 auf: Juanito Perales, der erfahrene Linksaußen, traf nach feiner Vorarbeit von Marek Szarmach zum Ausgleich. Ein Tor aus dem Lehrbuch - kurz, direkt, trocken. Zur Pause stand es 1:1, statistisch sah es sogar leicht besser für die Hausherren aus: 54 Prozent Ballbesitz, acht Torschüsse zu sechs. Doch Fußball ist kein Statistikseminar, und Flamengo hatte noch ein paar Kapitel mehr im Drehbuch. Nach dem Seitenwechsel kam Dragon Goianiense mit Schwung - und tatsächlich, in der 56. Minute traf Ersen Tekke, nachdem erneut Szarmach den Ball clever durchsteckte. 2:1 - das Stadion tobte, Trainer Dietz sprang an der Seitenlinie wie ein aufgedrehter Animateur. "Da dachte ich, jetzt kippt das Spiel", gab Flamengo-Coach Dino Ma später zu. Doch seine Mannschaft antwortete eiskalt - im wahrsten Sinne des Wortes: Vier Minuten später, 60. Minute, sprintete Emilio Helguera nach einem Pass von Hugo Custodio in den Strafraum und verwandelte mit der Gelassenheit eines Mannes, der den Bus sowieso verpasst hat. 2:2. Kaum fünf Minuten später drehte Vitorino Gomes das Spiel komplett. Wieder Custodio mit der Vorlage, Gomes mit einem präzisen Schlenzer - 3:2 für Flamengo. "Wir haben uns kurz daran erinnert, dass wir Fußball spielen können", meinte Custodio mit einem süffisanten Lächeln. "Und danach ging’s ums Überleben." Denn ab der 78. Minute wurde es wild: Hugo Karlson, der linke Außenverteidiger, sah Rot nach einem übermotivierten Einsteigen. "Er traf mehr Rasen als Gegner", kommentierte Trainer Ma trocken, "aber leider beides gleichzeitig." Mit einem Mann weniger zog sich Flamengo zurück, die Drachen warfen alles nach vorn. Dietz reagierte und brachte frische Beine: Djalo kam für Szarmach, Corraface ersetzte Bischoff. Später, in der 90. Minute, durfte sogar der 19-jährige Frederic Schrader noch sein Debüt feiern - ein symbolischer Akt, fast so, als wollte Dietz dem Schicksal sagen: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil." In der Schlussphase brannte es lichterloh im Strafraum der Gäste. Luis Miguel scheiterte in der 87. Minute mit einem Kopfball, und Torwart Curt Binder wurde zum Helden des Abends. "Ich hatte das Gefühl, der Ball hat heute Angst vor mir", scherzte der Keeper später. Am Ende blieb es beim 3:2 für Flamengo - ein Sieg, der mehr nach Arbeit als nach Samba schmeckte. Die Statistiken erzählten eine andere Geschichte: Goianiense mit 12 Torschüssen, mehr Ballbesitz und höherer Zweikampfquote. Aber wie sagte Dino Ma: "Wir hatten heute das Glück des Tüchtigen - und das Pech des Gegners." Für Dragon Goianiense bleibt die Erkenntnis, dass man auch mit Drachenflügeln nicht immer abhebt. "Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen", sagte Dietz. "Nur dem Schiedsrichter, dem Rasen, der Sonne und vielleicht ein bisschen dem Fußballgott." Und als die Flutlichter erloschen, hallte ein letztes "Vamos, Flamengo!" durch die Arena. Ein Abend voller Drama, Tore, Karten und Geschichten - kurzum: brasilianischer Fußball in Reinform. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wer bei 30 Grad und 90 Minuten Kampf noch lachen kann, hat den wahren Geist des Spiels verstanden. Oder, wie Laursen es ausdrückte: "Drachen besiegt man nicht mit Feuer - sondern mit Geduld und einem kühlen Kopf." 04.12.643993 22:37 |
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