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48.762 Zuschauer im altehrwürdigen Maracanã bekamen an diesem Sonntagabend genau das, was sie von CF Flamengo erwartet hatten: Tempo, Technik - und ein bisschen Theater. Am Ende stand ein ungefährdeter 2:0-Sieg gegen ein blasses Atletico Ceara. Zwei Tore in der ersten Halbzeit reichten, um das Spiel schon vor der Pause zu entscheiden. Danach verwaltete Flamengo das Geschehen so souverän, dass Trainer Dino Ma in der zweiten Hälfte zeitweise aussah, als überlege er, ob er nicht selbst ein paar Minuten mitkicken wolle. Die Partie begann, wie man es aus Rio kennt: laut, bunt und mit reichlich Selbstbewusstsein. Schon in der 10. Minute sah Vitorino Chalana Gelb, nachdem er einen Ceara-Spieler eher robust als charmant vom Ball getrennt hatte. "Ich wollte nur zeigen, dass wir zu Hause spielen", grinste Chalana später. In Wahrheit war das Foul ein Statement: Hier wird nicht lange gefackelt. Die Gäste versuchten zunächst mitzuhalten, kamen durch Diego Antunes zweimal gefährlich in Strafraumnähe, doch Flamengos Keeper Haim Tal blieb cool - und die Latte rettete einmal mit. Danach begann die Show. In der 35. Minute zog der 21-jährige Klaus Reiter aus zwanzig Metern ab, nachdem Chalana ihm den Ball mit der Präzision eines Uhrmachers in den Lauf gelegt hatte - 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Reiter später bescheiden, während er versuchte, sein breites Grinsen zu verbergen. Nur acht Minuten später erhöhte Frederik Laursen nach feiner Vorarbeit von Reiter auf 2:0. Der Däne traf mit einem trockenen Schuss ins lange Eck, und das Stadion vibrierte. "Ich wusste, dass er kommt", erklärte Reiter über seinen Sturmpartner. Trainer Dino Ma meinte dazu trocken: "Wir trainieren das so - also manchmal." Zur Pause führte Flamengo verdient, mit 53 Prozent Ballbesitz und acht Torschüssen, die Zahlen sprachen eine klare Sprache. Ceara dagegen wirkte, als habe man den Bus nicht nur zum Stadion, sondern auch gleich in die eigene Hälfte geparkt. Trainer André Rei schüttelte an der Seitenlinie immer wieder den Kopf, so als würde er lieber die Wettervorhersage für nächste Woche studieren. Nach dem Seitenwechsel brachte Rei zwei frische Kräfte, doch auch die Jugend konnte das Spiel nicht drehen. Flamengo blieb überlegen, ohne zu glänzen, und schien mehr darauf bedacht, das Ergebnis zu sichern, als es auszubauen. Emilio Helguera sah in der 51. Minute Gelb, Laursen verzog kurz darauf frei vor dem Tor - die Spannung blieb zumindest statistisch am Leben. In der 60. Minute kam Caio Eusebio für Helguera, und mit ihm frischer Wind über die rechte Seite. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte der 19-Jährige später - und das sah man. Zwei, drei Übersteiger, ein Pass ohne Ziel, aber mit Stil: Das Publikum war zufrieden. Die letzten zwanzig Minuten verliefen ruhiger, bis Fabio Barbosa, Flamengos Innenverteidiger, sich in der 72. Minute eine Gelbe einfing - und in der 86. Minute mit Gelb-Rot duschen gehen durfte. "Ein bisschen übermotiviert", gab selbst Trainer Ma zu. "Aber Fabio ist halt Fabio." Ceara konnte die Überzahl allerdings nicht nutzen; der einzige ernsthafte Versuch kam von Rechtsverteidiger Dimas Pauleta in der 88. Minute - ein Schuss, der eher Richtung Zuckerhut als Richtung Torsegel flog. Flamengo brachte das 2:0 sicher über die Zeit. Elf Torschüsse, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe, fast 53,5 Prozent Ballbesitz - es war ein souveräner Abend für die Gastgeber. Bei Ceara dagegen sah man mehr Schweiß als Ideen. "Wir waren zu brav", sagte Trainer Rei nach dem Spiel. "Vielleicht sollten wir das nächste Mal wenigstens so tun, als wollten wir Pressing spielen." Dino Ma hingegen zeigte sich zufrieden: "Das war solide. Kein Feuerwerk, aber drei Punkte. Und wir haben ja noch Platz für Glanz in der nächsten Woche." So endete ein Abend, der typisch Flamengo war: ein bisschen Show, ein bisschen Chaos - aber am Ende mit einem klaren Ergebnis. Und während die Fans tanzend das Stadion verließen, summte manch einer wohl: "Zwei Tore reichen, wenn man sie schön macht." Und schön waren sie, diese Tore. Ceara dagegen dürfte sich wünschen, wenigstens einmal Samba gelernt zu haben - statt Defensive in Zeitlupe. 22.05.643993 04:07 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler