// Startseite
| Jornal do Brasil |
| +++ Sportzeitung für Brasilien +++ |
|
|
|
Ein lauer Januarabend, 43.282 Zuschauer im Estádio Municipal von Teresina, und alles war angerichtet für ein Fußballfest des 3. Spieltags der 1. Liga Brasilien. UD Teresina gegen CF Flamengo - ein Duell zwischen jugendlichem Mut und routinierter Cleverness. Am Ende jubelten die Gäste aus Rio nach einem 2:1-Auswärtssieg, bei dem ihre Flügelstürmer den Unterschied machten. Schon in den ersten Minuten war klar: Beide Mannschaften hatten sich etwas vorgenommen. Teresina-Coach Tobias Lang ließ offensiv ausrichten, "wir wollten Flamengo nicht den Ball überlassen, sondern ihnen unsere Spielweise aufzwingen", erklärte er später. Und tatsächlich: Eugenio Rogliano prüfte Gästetorhüter Marco Barbosa bereits in der ersten Minute, gefolgt von Roman Pospech in der siebten. Flamengo reagierte - und wie. In der elften Minute scheiterte Klaus Reiter zunächst am Keeper Tibor Tataru, doch nur zehn Minuten später klingelte es: Alessio Romeo, der bullige Linksaußen, setzte sich wuchtig gegen Julius Seiler durch und traf trocken zum 0:1. Das Stadion verstummte kurz, ehe Teresina die Antwort lieferte. Nur drei Minuten später konterte die Heimelf mustergültig: Loris Fadda verlängerte einen langen Ball mit der Brust auf den pfeilschnellen Thomas Pilat, der in der 24. Minute eiskalt zum 1:1 einschob. "Loris hat mir den Ball serviert wie ein Kellner im Fünf-Sterne-Restaurant", grinste Pilat nach dem Spiel. Das Publikum tobte - und für ein paar Minuten roch es nach Sensation. Flamengo-Coach Dino Ma stand währenddessen stoisch an der Seitenlinie, kaute an einem unsichtbaren Kaugummi und flüsterte seinem Assistenten etwas zu, das man als "Geduld, mein Freund, Geduld" deuten konnte. Seine Mannschaft blieb ruhig, auch wenn Afanasi Tscherepanow kurz darauf Gelb sah, weil er Rogliano an der Außenlinie zu rustikal stoppte. Zur Pause blieb es beim 1:1, und die Statistiken zeigten ein ausgeglichenes Bild: 51,7 Prozent Ballbesitz für Teresina, acht Torschüsse auf beiden Seiten. "Das war kein Zufall, das war Arbeit", meinte Lang in der Halbzeit. Doch Fußballspiele dauern bekanntlich länger als 45 Minuten. Nach Wiederanpfiff zeigte Flamengo, warum sie zu den Favoriten der Liga zählen. Ihr Angriff über die Flügel wurde nun schärfer, präziser. In der 49. Minute war es dann soweit: Hugo Custodio flankte von links mit chirurgischer Genauigkeit, und Eric Jonsson - bis dahin eher unauffällig - köpfte unhaltbar zum 1:2 ins Netz. Tataru flog vergeblich, der Ball zappelte in den Maschen. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", scherzte Jonsson später. Teresina versuchte danach alles. Fadda hatte in der 56. Minute die große Chance zum Ausgleich, schoss aber direkt auf den Torwart. Trainer Lang warf sich die Jacke über die Schulter, rannte bis zur Auslinie und brüllte: "Weiter, Männer, weiter!" - ein Satz, der irgendwo zwischen Motivation und Verzweiflung pendelte. Mit zunehmender Spieldauer wurde das Spiel zerfahrener. Mahir Calik sah Gelb (75.), Roman Galasek ebenfalls (80.), und das Publikum ahnte: Hier geht nichts mehr. Flamengo konterte abgezockt, wechselte in der 90. Minute sogar den Torwart - Curt Binder kam für Barbosa, ein klarer Versuch, Zeit von der Uhr zu nehmen. Nach dem Schlusspfiff war die Stimmung im Stadion zwiegespalten. Die einen klatschten stolz für eine couragierte Vorstellung, die anderen schimpften über "vergebene Chancen und dämliche Gelbe Karten", wie ein älterer Fan namens João seufzend meinte. Coach Dino Ma lobte seine Mannschaft: "Wir haben ruhig geblieben, als es eng wurde. Das ist der Unterschied zwischen uns und vielen anderen." Tobias Lang hingegen suchte Trost im Positiven: "Wenn wir so weiter spielen, holen wir bald unsere Punkte. Nur das Ergebnis hat uns heute gefehlt - und vielleicht ein bisschen Glück." Statistisch war es ein Duell auf Augenhöhe, emotional ein kleiner Lehrfilm über Effizienz. Teresina hatte mehr Ballbesitz, mehr Leidenschaft, aber Flamengo hatte Jonsson - und das reicht im Fußball oft schon. Als die Flutlichter erloschen und die letzten Fans das Stadion verließen, sagte ein Platzwart trocken: "Wer den Flügel meidet, verliert das Spiel." Vielleicht das Zitat des Abends - und ein Satz, den Tobias Lang wohl noch ein paar Tage im Ohr haben wird. Ein augenzwinkerndes Fazit: UD Teresina spielte mutig, Flamengo siegte clever. Und irgendwo im nächtlichen Teresina knipste wohl jemand das Licht aus und murmelte: "Schade, aber schön war’s trotzdem." 23.02.643987 01:45 |
Sprücheklopfer
Man sollte die Presse nicht wichtiger machen, wie sie wichtig gemacht wird.
Lothar Matthäus