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Río de Janeiro, 15. Januar 2026 - 43.381 Zuschauer im ehrwürdigen Maracanã bekamen an diesem warmen Abend genau das, wofür sie gekommen waren: Offensivfußball mit brasilianischem Hüftschwung, ein paar gelbe Karten zum Würzen - und einen Gegner, der sich redlich mühte, aber letztlich wie ein Tourist im Karneval aussah: fasziniert, überfordert und am Ende nassgeschwitzt. CF Flamengo schlug Sao Raimundo am 15. Spieltag der 1. Liga Brasilien mit 3:1 (1:0) und festigte damit seinen Platz im oberen Tabellendrittel. Schon nach 60 Sekunden reckte Schiedsrichter Alves die erste Karte des Abends in den Himmel: Noe Fernandes grätschte beherzt, aber eben auch deutlich zu beherzt. Trainer Dino Ma nahm’s mit einem gequälten Lächeln: "Noe wollte gleich zeigen, dass wir da sind - leider etwas zu wörtlich." Danach übernahm Flamengo die Kontrolle, schnürte die Gäste in deren Hälfte ein und ließ den Ball laufen, als ginge es um den schönsten Tanzschritt, nicht um Punkte. 60 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache. Die Belohnung kam in der 19. Minute: Daniel Keller, der 32-jährige Routinier im Sturm, traf nach feinem Zuspiel von Klaus Reiter zum 1:0. Ein klassisches Keller-Tor - einer dieser Momente, in denen man denkt: Der Mann hat schon alles gesehen, sogar die Lücke zwischen drei Verteidigern und einem Torwart, der lieber woanders gewesen wäre. Keller grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hatte andere Pläne." Sao Raimundo? Kam in der ersten Halbzeit kaum über die Mittellinie hinaus. Trainer Steffen Birner versuchte es mit lautstarker Motivation ("Raus da, Männer, das ist kein Museumsbesuch!"), doch der Gegner ließ wenig zu. Nelson Sandoval hatte in Minute 26 den einzigen ernsthaften Versuch - ein Schuss, der mehr Zuschauer in der dritten Reihe als das Tornetz traf. Nach dem Seitenwechsel versuchte Birner, frischen Wind zu bringen: gleich drei Wechsel zur Pause. Doch der Wind wehte weiter aus Richtung Flamengo. Die Hausherren blieben offensiv, taktisch mutig und spielerisch überlegen. In der 66. Minute legte der 20-jährige Vitorino Chalana nach. Nach Doppelpass mit Namensvetter Vitorino Gomes traf er präzise ins linke Eck - 2:0. "Wir Vitorinos verstehen uns blind", scherzte der Torschütze später, als hätte er gerade ein Familienduell gewonnen. Sao Raimundo gab sich noch nicht geschlagen, versuchte mit langen Bällen auf den jungen Elliot Lujan gefährlich zu werden. Doch meist landete der Ball dort, wo Flamengo ihn haben wollte - bei sich. In der 78. Minute dann ein Schreckmoment: Raimundos Mittelfeldmann Jan Sebo blieb nach einem Zweikampf liegen und musste behandelt werden. Er humpelte vom Platz, der Applaus des Publikums war ehrlich und laut. Flamengo nutzte die Unterbrechung, um kurz durchzuschnaufen - und dann den Deckel draufzumachen. In der 81. Minute traf Filipe Gama nach Vorlage von Chalana zum 3:0. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch: zwei Pässe, ein Abschluss, ein Torjubel, der das Stadion erbeben ließ. Trainer Dino Ma ballte die Faust und rief seinem Team zu: "So sieht Flamengo-Fußball aus!" Der Ehrentreffer für die Gäste fiel spät, fast zu spät, um noch etwas zu ändern. Callum Dunne traf in der Nachspielzeit (90.) nach Vorarbeit von Lujan - ein sauberer Schuss, der wenigstens den Statistikern ein Lächeln entlockte. "Wir haben wenigstens gezeigt, dass wir Tore schießen können", sagte Dunne danach mit einem Schulterzucken. Die Statistiken untermauern den Eindruck: 13 Torschüsse für Flamengo, nur 5 für Sao Raimundo. 60 zu 40 Prozent Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe, mehr Tempo, mehr Ideen. Nur bei den Gelben Karten lag Flamengo vorne - 2:0, wenn man’s ganz genau nimmt. Coach Birner zeigte sich nach dem Spiel realistisch: "Flamengo war heute einfach besser. Wir hatten unsere Momente, aber sie hatten Daniel Keller." Dino Ma hingegen ließ die Krawatte etwas lockerer hängen und grinste in die Mikrofone: "Ein 3:1 ist schön, aber fragt mal meine Abwehr - die wollte zu null spielen. Jetzt muss ich ihnen wohl ein Eis ausgeben." Fazit: Flamengo tanzt weiter oben mit, Sao Raimundo kämpft tapfer, aber ohne Happy End. Und irgendwo in Rio werden heute Nacht noch ein paar Fans den Namen Daniel Keller summen - vermutlich zu Samba-Rhythmen. 30.06.643987 07:51 |
Sprücheklopfer
Da haben Spieler auf dem Spielfeld gestanden, gestandene Spieler.
Günter Netzer